Aktuelles vom Para Schwimmen
Zwei Weltrekorde, Doppel-Gold und wieder sieben Medaillen für Deutschland
Am dritten Tag der Europameisterschaften in Kocaeli sammelten die deutschen Para Schwimmer*innen genauso viele Medaillen wie bereits am Dienstag: nämlich sieben an der Zahl! Tanja Scholz schnappte sich auf den 150 Meter Lagen ihr zweites EM-Gold, Gina Böttcher schwamm direkt neben ihr zu Bronze. Zudem gewann Elena Semechin auf den 50 Meter Freistil Silber und Josia Topf konnte sich auf den 100 Meter Freistil Bronze sichern. Verena Schott holte sich bereits ihr drittes Edelmetall in Kocaeli ab: Sie krönte sich zur Europameisterin auf den 200 Meter Lagen und komplettierte damit ihren Medaillensatz. Bei ihrer ersten EM holten zudem Florian Reiter (Silber, 100 Meter Brust) und Bálint Köszegváry (Bronze,400 Meter Freistil) je ihr erstes Edelmetall.
Am Montag hatte Tanja Scholz das fehlende Puzzlestück bereits ergattert: Nach ihren acht Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften sowie einem Titel bei den Paralympics in Paris wurde die 42jährige Athletin zum ersten Mal Europameisterin! Auf den 50 Meter Brust (SB2) hatte die Schwimmerin vom PSV Union Neumünster für einen Weltrekord gesorgt. Und diese Leistung – Gold samt Weltrekord – wiederholte Scholz am Mittwoch. Wobei: Genau genommen schwamm sie auf den 150 Meter Lagen (SM4) zwei Weltrekorde. Vormittags im Halbfinale schlug Scholz nach 2:44,04 Minuten im Ziel an, um dann einige Stunden später nochmals knapp vier Sekunden schneller zu sein! 2:40,35 Minuten brauchte die Ausnahmeathletin im Finale von Kocaeli.
“Das war eine paralympische Strecke mit Weltrekord und das macht mich super stolz. Die neue Technik klappt. Ich hatte mich zwar immer dagegen gewehrt, aber mein Trainer war hartnäckig und jetzt ist der Erfolg da”, freute sich Scholz. Doch nicht nur die Arbeit mit Coach Michael Pechtl lässt die Doppel-Europameisterin derart glänzen, sondern auch die Temperaturen in der Türkei: “Das Wetter und die Wärme hier sind super für mich. Das ist optimal und spielt mir in die Karten”, analysierte Scholz.
Während Scholz auf Bahn vier zu Gold schwamm, gab es direkt daneben – auf Bahn drei – ebenfalls etwas zu feiern für das deutsche Team: Gina Böttcher sicherte sich dort ebenfalls ihre zweite EM-Medaille: Nach Gold auf den 100 Meter Freistil (S4) am Dienstag wurde es am Mittwoch Bronze für die Potsdamerin, die nach 3:03,14 Minuten im Ziel anschlug. “Ich bin sehr froh: Beim Kraulen überhole ich zum Glück immer die, die mich beim Brustschwimmen hinter sich lassen”, sagte Böttcher, die ihre Zeit “ganz okay” für ihren derzeitigen Trainingsstand fand. Ihr Ziel für die kommenden Tage? “Ich werde nochmal alles geben!”
Die zweite deutsche Schwimmerin, die sich am Mittwoch einen Europameister-Titel sichern konnte, war Verena Schott: Die Schwimmerin vom BPRSV sicherte sich Gold auf den 200 Meter Lagen (SM6) und hat in der Türkei nun einen kompletten Medaillensatz gesammelt: Zuvor hatte die 37-Jährige Silber auf den 100 Meter Rücken (S6) und Bronze auf den 100 Meter Freistil (S6) gewonnen. “Ich hatte gehofft, dass es so klappt. Erwartet hatte ich die Zeit nicht. Ich bin einfach nur stolz und freue mich darüber. Endlich mal wieder in die Nähe meiner Bestzeit!”, freute sich Schott in der Mixed Zone. Die Deutsche dominierte ihr Rennen am Mittwochabend: Schott kam nach 3:07,51 Minuten im Ziel an, hatte letzten Endes 13,26 Sekunden Vorsprung vor der Zweitplatzierten Dearbhaile Brady aus Irland.
Während Schott bereits richtig routiniert ist, was Siegerehrungen angeht, durften Bálint Köszegváry und Florian Reiter am Mittwochabend bei ihrer ersten EM jeweils ebenfalls an einer Medaillenzeremonie teilnehmen: Köszegváry vom SC Delphin Lübeck gewann Bronze auf den 400 Meter Freistil (S10), schlug nach 4:29,37 Minuten im Ziel an. Florian Reiter vom Berliner Schwimmteam holte sich wenig später gar Silber auf den 100 Meter Brust (SB14), in 1:07,63 Minuten. “Ich bin super happy. Wir haben hart für diese Strecke trainiert”, freute sich Köszegváry, der während seines Rennens die Konkurrenz genau im Blick hatte und sich so vor dem norwegischen Verfolger Leander Matheo Kjear halten konnte. Reiter dachte auf seinen 100 Meter Brust hingegen, dass “noch ein paar vor mir sind. Dass ich auf der zweiten Bahn nochmal so zuschlage, hätte ich nicht erwartet. Ich bin unfassbar glücklich. Es fühlt sich echt heftig an!”, sagte der Berliner.
Nachdem es auf ihrer Paradestrecke, den 100 Metern Brust, bereits Gold gegeben hatte, wurde es am Mittwoch Silber für Elena Semechin auf den 50 Meter Freistil (S12). Ein Wimpernschlag fehlte der Paralympicssiegerin von Tokio und Paris, um sich auch auf der Sprintstrecke zur Europameisterin zu krönen: Die Berlinerin kam nach 28,37 Sekunden im Ziel an, nur 17 Hundertstel hinter der Russin Anna Krivshina. “Ich habe nur einmal geatmet”, sagte Semechin. “Ich dachte, ich habe die 28 Sekunden geknackt, aber hintenraus habe ich leider ein paar wertvolle Hundertstel verloren”, gab sich die 32-Jährige nach ihrem zweiten starken Rennen dennoch selbstkritisch. Bronze ging an Mariia Latritskaia, die ebenfalls unter 29 Sekunden geblieben war (28,99 Sekunden).
Zweites Rennen, zweite Medaille hieß es ebenfalls für Josia Topf! Nachdem der Paralympicssieger von Paris am Dienstag Silber auf den 150 Meter Lagen gewinnen konnte, gab es am Mittwoch Bronze: Der Erlanger schlug bei den 100 Meter Freistil als Dritter im Ziel an, nach 1:39,14 Minuten. “Ich wäre gerne ein bisschen schneller gewesen”, sagte Topf, dem “auf den letzten Metern ein bisschen die Kraft ausgegangen” war. “Ich hatte mir ein bisschen mehr erhofft, aber es war noch in einem guten Bereich”, zog der Jura-Student sein Fazit nach dem Rennen, das Dimitri Granjux aus Frankreich vor dem Ukrainer Denys Ostapchenko gewonnen hatte. Topf schaute direkt nach vorne auf die kommenden, kräftezehrenden Tage von Kocaeli: “Ich habe jetzt noch jeden Tag Wettkämpfe bis zum Ende der EM, so dass es eine harte Woche ist.”
Text: Patrick Dirrigl / DBS
Die deutschen EM-Medaillengewinner*innen:
Gold: Gina Böttcher (100 Meter Freistil, S4), Tanja Scholz (50 Meter Brust, SB2 und 150 Meter Lagen, SM4), Verena Schott (200 Meter Lagen, SM6), Taliso Engel (100 Meter Brust, SB13), Elena Semechin (100 m Brust, SB13)
Silber: Mira Jeanne Maack (100 Meter Rücken, S8), Verena Schott (100 Meter Rücken, S6), Elena Semechin (50 Meter Freistil, S12), Florian Reiter (100 Meter Brust, SB14), Josia Topf (150 Meter Lagen, SM3)
Bronze: Gina Böttcher (150 Meter Lagen, SM4), Verena Schott (100 Meter Freistil, S6), Philip Hebmüller (100 Meter Brust, SB13), Josia Topf (100 Meter Freistil, S3), Bálint Köszegváry (400 Meter Freistil)
Das deutsche Aufgebot für die Para Schwimm-EM in der Türkei:
Gina Böttcher (Alter: 25 / Startklasse: S4/SB3/SM4 / Verein: SV Motor Babelsberg / Geburtsort: Brandenburg a. d. Havel), Johanna Döhler (16 / S13 / Berliner Schwimmteam), Taliso Engel (24 / S13 / SG Bayer / Lauf a. d. Pegnitz), Julian Füllgraf (20 / S14 / VfL Osnabrück / Osnabrück), Linus Harms (21 / S10/SB9/SM10 / SV Motor Babelsberg / Berlin), Philip Hebmüller (19 / S13 / SG Neuss / Neuss), Marlon Jung (16 / SB9 / SSV Leutzsch / Leipzig), Charlotte Kast (18 / S7/SB7/SM7 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Nisanur Kocabas (13 / S6/SB5/SM6 / SV Motor Babelsberg / Vechta), Alessia Kollmar (15 / S7/SB6/SM7 / SC Regensburg / Regensburg), Balint Köszegvary (17 / S10/SB9/SM10 / SC Delphin Lübeck), Mieke Sophie Leiße (14 / S13 / PSV Essen / Essen), Mira Jeanne Maack (22 / S8/SB7/SM8 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Janis McDavid (35 / S1/SB1/SM1 / Berliner Schwimmteam / Hamburg), Judith Pein (18 / S14 / SG PSV-MFZK Schwerin / Lübeck), Florian Reiter (18 / S14/SB14/SM14 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Tanja Scholz (42 / S4/SB2/SM3 / PSV Union Neumünster / Kaltenkirchen), Verena Schott (37 / S6/SB5/SM6 / BPRSV Cottbus / Greifswald), Elena Semechin (32 / S12 / Berliner Schwimmteam / Nowoskatowka (Kasachstan), Tabea Teschauer (19 / S7/SB7/SM7 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Josia Topf (23 / S3/SB3/SM3 / SV Motor Babelsberg / Erlangen), Maurice Wetekam (20 / S9/SB9/SM9 / SG Bayer / Dortmund).
