Aktuelles vom Para Schwimmen
Rekordfestival bei der IDM: Deutschlands Para Schwimmelite setzt Ausrufezeichen in Berlin
Drei Tage lang verwandelte sich die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) in Berlin in das Epizentrum des internationalen Para Schwimmens. Direkt im Anschluss an die World Series bot die 40. Auflage der Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM) eine Bühne für Weltrekorde, emotionale Comebacks und den mutigen Aufbruch einer neuen Generation. Mit insgesamt sieben Weltrekorden übertraf die IDM sogar die vorangegangene World Series und unterstrich Berlins Ruf als „schnellstes Pflaster“ der Welt.
Mit insgesamt sieben Weltrekorden übertraf die IDM sogar die vorangegangene World Series und unterstrich Berlins Ruf als „schnellstes Pflaster“ der Welt. Der unangefochtene Star der Titelkämpfe war der Nürnberger Taliso Engel. Trotz gesundheitlicher Rückschläge im Vorfeld, präsentierte sich der 23-Jährige in Weltklasseform. Über 50m und 200m Brust pulverisierte er seine bestehenden Weltrekorde in der Startklasse SB13 teils deutlich. Besonders sein Auftritt über die 50-Meter-Distanz (28,01 Sekunden im Finale) ließ die internationale Konkurrenz staunen.
Engel selbst führt seine aktuelle Form auch auf seine Erfahrungen abseits des Beckens zurück: „Was eine große Rolle spielt ist, dass ich im Training immer 110 Prozent gebe. Das habe ich letztes Jahr gemacht, als ich durch ‚Let’s Dance‘ lange aus dem Wasser war. Und dieses Jahr wieder, als ich krankheitsbedingt einige Ausfälle hatte. Let’s Dance hat mir gezeigt, dass man auch mit wenig Training trotzdem gute Zeiten schwimmen und Vollgas geben kann. Aus der Staffel und auch aus der Tour habe ich viel mitgenommen. Mental ziehe ich auch viel Stärke aus dieser Erfahrung.“
Mit Blick auf die Paralympics 2028 in Los Angeles ist sein Ziel klar definiert: Der dritte Sieg in Folge, am liebsten mit einer Zeit unter der magischen Minutenmarke auf der 100m-Strecke.
Für eine der emotionalsten Geschichte der diesjährigen IDM sorgte Janis McDavid. Der Neu-Berliner, der ohne Arme und Beine geboren wurde, bestritt in Berlin seine ersten großen internationalen Wettkämpfe, nachdem er erst vor zwei Jahren seine Angst vor dem Wasser besiegt hatte. Was als persönliches Ziel begann, endete in einem sportlichen Paukenschlag: Zwei Weltrekorde über 100m Brust in der Startklasse SB1 sowie weitere nationale Bestmarken über 50m Rücken und 50m Freistil katapultierten ihn sofort in die Weltspitze. McDavids Entwicklung unter Profibedingungen beim Berliner Schwimmteam macht den Traum von den Paralympics 2028 plötzlich zu einer realistischen Perspektive.
Mutterglück und Hochleistungssport
Dass sich Familie und Spitzensport auf höchstem Niveau vereinbaren lassen, bewiesen eindrucksvoll Elena Semechin und Verena Schott. Nur sieben Monate nach der Geburt ihres Sohnes schwamm Semechin über 100m Brust konstant Zeiten auf Weltniveau und sicherte sich einen verdienten dritten Platz in der Gesamtwertung. Verena Schott unterbot ebenso mehrfach die geforderte A-Norm für die kommenden Europameisterschaften.
Auch andere Leistungsträger des DBS zeigten sich in EM-Form. Josia Topf, der zuvor als Para Schwimmer des Jahres 2025 geehrt wurde, trotzte einer zwischenzeitlichen Disqualifikation und antwortete mit einem neuen deutschen Rekord über 100m Rücken. Malte Braunschweig überzeugte in seiner Heimatstadt ebenfalls mit der A-Norm über 100m Schmetterling, wird jedoch zugunsten seines Bauingenieur-Studiums und seiner gesundheitlichen Regeneration in diesem Sommer auf die EM verzichten.
Ein Team für die Türkei: Mix aus Erfahrung und Talent
Die IDM diente als finaler Gradmesser für die Nominierung zur Europameisterschaft im September in Kocaeli (Türkei). Insgesamt 23 Aktive haben die Normzeiten erfüllt. Neben den Stars wie Engel und Semechin rücken zahlreiche Nachwuchstalente nach. Athlet*innen wie Bàlint Koeszegvary, Tabea Nele Teschauer, Mieke Sophia Leiße, Kimi Mika Brückner, Marlon Jung und zuletzt Alessia Tina Kollmer konnten sich mit starken Leistungen für das EM-Ticket empfehlen.
Bundestrainerin Ute Schinkitz blickt optimistisch auf den Saisonhöhepunkt: Während die etablierten Kräfte auf Medaillenjagd gehen, soll die jüngere Hälfte des Teams wertvolle Erfahrungen auf internationaler Bühne sammeln.
Für BSB-Präsident Özcan Mutlu war das neue Format der IDM ein voller Erfolg. Die „paralympische Dimension“ des Events mit 420 Teilnehmenden aus aller Welt habe bewiesen, dass Berlin bereit für noch größere Aufgaben ist. Die IDM 2026 war damit nicht nur ein sportliches Highlight, sondern auch ein starkes Argument für künftige olympische und paralympische Bewerbungen Deutschlands.
Text: Moritz Jonas, Ergänzungen BS Berlin
Hier gibt es alle Ergebnisse der IDM im Überblick.
