Aktuelles vom Para Schwimmen
27 Medaillen und starke Teamleistung: Deutschlands Para Schwimmer*innen ziehen positive EM-Bilanz
Neunmal Gold, siebenmal Silber sowie elfmal Bronze – das ist die beeindruckende Bilanz dieser Europameisterschaften in der Türkei des 22-köpfigen Nationalteams von Bundestrainerin Ute Schinkitz. Es ist das größte deutsche Aufgebot seit 15 Jahren bei einem internationalen Großevent. Mit 27 Medaillen waren Deutschlands Para Schwimmer*innen deutlich erfolgreicher als vor zwei Jahren mit insgesamt 16 Edelmetallen – und damals noch mit einem kleinen Team neutraler Athlet*innen, diesmal holte Russland mit Abstand die meisten Medaillen.
Aus der deutschen Mannschaft schaffte es die Hälfte aufs Podium – elf von 22 Athlet*innen, darunter auch drei Debütant*innen mit Florian Reiter (Silber) sowie Bálint Köszegváry und der erst 13-jährigen Nisanur Kocabas (beide Bronze). Die meisten Medaillen gewann Verena Schott, die bei sechs Starts sensationelle sechs Edelmetalle aus dem Wasser fischte – je zweimal Gold, Silber und Bronze. Tanja Scholz beeindruckte mit einem Gold-Hattrick und Silber sowie zwei Weltrekorden. Elena Semechin gewann neben Gold über 100 Meter Brust erstmals seit einigen Jahren auch wieder eine Medaille auf einer Nebenstrecke – und das knapp ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes. Josia Topf stellte sich neuer Konkurrenz in seiner Startklasse, schwamm Bestzeiten und freute sich über seinen ersten WM-Titel und fünf Medaillen.
Entsprechend stolz fällt das Resümee der Bundestrainerin aus: „Wir haben gezeigt, dass wir trotz mehrerer Herausforderungen sehr, sehr gut gearbeitet haben und machen uns mit diesen Ergebnissen gestärkt auf den Weg Richtung Weltmeisterschaften 2027 und Paralympics Los Angeles 2028. Wir nehmen das als Motivation und freuen uns riesig, dass wir als Team so gut performt und den Nachwuchs integriert haben. Das war bombastisch. Es hat aber nur so gut geklappt dank des großartigen Funktionsteams und der Arbeit der Heimtrainer*innen, ihnen allen ein riesiges Dankeschön“, betont Ute Schinkitz.
Ihr persönliches Highlight dieser EM: das gesamte Team. Dass sowohl die Etablierten ihre Leistung so hervorragend abgerufen hätten und auch die jungen Athlet*innen bei ihrem Debüt überzeugten, mache sie sehr glücklich, sagt Schinkitz. „Es ist unser Ziel, den Nachwuchs an die europäische Spitze heranzuführen und ihnen eine Plattform zum Lernen zu geben. Im Fokus steht, dass sie das gesamte Umfeld beherrschen, wenn sie erstmals bei den Großen dabei sind und es schaffen, ihre Leistung in der Bahn abzurufen. Wenn es dann sogar zu einer Medaille reicht, ist es das absolute Bonbon.“
Zweimal Bronze am letzten Wettkampftag
Am letzten Wettkampftag glänzte Gina Böttcher mit ihrer vierten Medaille bei diesen Europameisterschaften. Über 200 Meter Freistil (S4) schlug die 25-Jährige nach 3:10,95 Minuten an und gewann Bronze. Nach Gold über 100 Meter Freistil sowie den Bronze-Medaillen über 150 Meter Lagen und 50 Meter Freistil stand Böttcher damit bereits zum vierten Mal in Kocaeli auf dem Podium. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen und schwimme die 200 Meter Freistil sehr gerne. Ich wusste jedoch nicht, wie es wird, da ich mich mehr auf die kürzeren Strecken konzentriert habe. Ich wusste, dass ich vorne mitschwimmen kann. Dass es jetzt so geklappt hat und ich zudem eine gute Zeit geschwommen bin, freut mich sehr“, zeigte sich die Berlinerin nach ihrem letzten Rennen zufrieden. Das Rennen gewann die Italienerin Monica Boggioni in 3:01,69 Minuten vor der Tschechin Agata Koupilova, die nach 3:05,76 Minuten anschlug.
Kurz darauf durfte auch Josia Topf über seine insgesamt fünfte Medaille bei diesen Para Europameisterschaften jubeln. Nach Gold, Silber und zwei Bronze-Medaillen schwamm der 23-Jährige über 200 Meter Freistil (S3) in 3:39,07 Minuten erneut auf Rang drei und sicherte sich damit seine dritte Bronze-Medaille der EM. Denys Ostapchenko (Ukraine) in 3.21,69 Minuten und Umut Unlu (Türkei) in 3.26,11 Minuten sicherten sich Gold und Silber. „Ich freue mich sehr über meine Bronzemedaille! Das ist meine erste internationale Medaille über diese Strecke - die Premiere macht mich glücklich. Es war heute allerdings ein sehr hartes Rennen. Ich habe ab dem ersten Meter die Wettkämpfe der letzten Tage gespürt. Deshalb bin ich jetzt auch froh, dass es vorbei ist“, bilanzierte der Erlangener nach seinem letzten Rennen.“
Für die weiteren deutschen Starter*innen reichte es am Schlusstag nicht für den Sprung aufs Podium. Mit den beiden Bronze-Medaillen zum Abschluss erhöhte das deutsche Team seine Ausbeute auf insgesamt 27 Medaillen. Neben diesen Medaillen stehen zudem acht vierte Plätze, neun fünfte Plätze sowie acht sechste Plätze zu Buche. Diese Breite in der Spitze unterstreicht die starke Entwicklung der deutschen Para Schwimm-Nationalmannschaft.
Text: Kevin Müller, Marketa Marzoli / DBS
Die deutschen EM-Medaillengewinner*innen:
Gold: Gina Böttcher (100 Meter Freistil, S4), Tanja Scholz (50 Meter Brust, SB2 und 150 Meter Lagen, SM4 und 50 Meter Freistil, S4), Verena Schott (200 Meter Lagen, SM6 und 100 Meter Brust, SB5), Elena Semechin (100 Meter Brust, SB13), Taliso Engel (100 Meter Brust, SB13), Josia Topf (50 Meter Freistil, S3)
Silber: Mira Jeanne Maack (100 Meter Rücken, S8), Verena Schott (100 Meter Rücken, S6 und 400 Meter Freistil, S6), Tanja Scholz (50 Meter Rücken, S4), Elena Semechin (50 Meter Freistil, S12), Florian Reiter (100 Meter Brust, SB14), Josia Topf (150 Meter Lagen, SM3)
Bronze: Gina Böttcher (150 Meter Lagen, SM4, 50 Meter Freistil, S4 und 200 Meter Freistil S4), Verena Schott (100 Meter Freistil, S6 und 50 Meter Schmetterling S6), Philip Hebmüller (100 Meter Brust, SB13), Bálint Köszegváry (400 Meter Freistil, S10), Josia Topf (100 Meter Freistil, S3, 50 Meter Rücken, S3 und 200 Meter Freistil S3), Nisanur Kocabas (100 Meter Brust, SB5)
Das deutsche Aufgebot für die Para Schwimm-EM in der Türkei:
Gina Böttcher (Alter: 25 / Startklasse: S4/SB3/SM4 / Verein: SV Motor Babelsberg / Geburtsort: Brandenburg a. d. Havel), Johanna Döhler (16 / S13 / Berliner Schwimmteam), Taliso Engel (24 / S13 / SG Bayer / Lauf a. d. Pegnitz), Julian Füllgraf (20 / S14 / VfL Osnabrück / Osnabrück), Linus Harms (21 / S10/SB9/SM10 / SV Motor Babelsberg / Berlin), Philip Hebmüller (19 / S13 / SG Neuss / Neuss), Marlon Jung (16 / SB9 / SSV Leutzsch / Leipzig), Charlotte Kast (18 / S7/SB7/SM7 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Nisanur Kocabas (13 / S6/SB5/SM6 / SV Motor Babelsberg / Vechta), Alessia Kollmar (15 / S7/SB6/SM7 / SC Regensburg / Regensburg), Balint Köszegvary (17 / S10/SB9/SM10 / SC Delphin Lübeck), Mieke Sophie Leiße (14 / S13 / PSV Essen / Essen), Mira Jeanne Maack (22 / S8/SB7/SM8 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Janis McDavid (35 / S1/SB1/SM1 / Berliner Schwimmteam / Hamburg), Judith Pein (18 / S14 / SG PSV-MFZK Schwerin / Lübeck), Florian Reiter (18 / S14/SB14/SM14 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Tanja Scholz (42 / S4/SB2/SM3 / PSV Union Neumünster / Kaltenkirchen), Verena Schott (37 / S6/SB5/SM6 / BPRSV Cottbus / Greifswald), Elena Semechin (32 / S12 / Berliner Schwimmteam / Nowoskatowka (Kasachstan), Tabea Teschauer (19 / S7/SB7/SM7 / Berliner Schwimmteam / Berlin), Josia Topf (23 / S3/SB3/SM3 / SV Motor Babelsberg / Erlangen), Maurice Wetekam (20 / S9/SB9/SM9 / SG Bayer / Dortmund).
