Aktuelles von Tokio 2020

„Starke Rennen“ zum Auftakt von den deutschen Para Kanuten: Edina Müller mit paralympischer Bestzeit

Edina Müller gibt alles
Edina Müller gibt alles © Florian Schwarzbach / DBS

„Wir sind hier ja beim Wassersport, hier kriegt man eben ein bisschen Wasser ab“, scherzte Bundestrainer André Brendel über die aktuellen Wetterbedingungen in Tokio: Bei etwas mehr als 20 Grad Celsius regnete es in diesen Tagen in der Hauptstadt Japans. Dies sei aber sogar gut die deutschen Para Kanuten: „Wir haben hier aktuell europäische Bedingungen, das spielt uns natürlich ein bisschen in die Karten, das ist ein Vorteil für uns“, sagte Brendel. Die für Japan zu dieser Jahreszeit eigentlich übliche Hitze, gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit sei schwerer zu verkraften. Das deutsche Team, das sich aus vier Frauen und zwei Männern zusammensetzt, überzeugte laut Brendel am Donnerstag: „Insgesamt haben alle unserer Athleten heute starke Rennen gezeigt.“

Allen voran Edina Müller: Die Hamburgerin gewann ihren Vorlauf und qualifizierte sich damit direkt für ihr Finale am Samstag um 10:48 Uhr (3:18 Uhr deutscher Zeit), die anderen Deutschen müssen am Freitag beziehungsweise Samstag erst noch nachziehen. „Ich hatte eigentlich mit dem Halbfinale geplant, weil ich die Ukrainerin schon vor mir gesehen hatte“, sagte Müller, die aber letztendlich mit einer knappen halben Sekunde vor Maryna Mazhula ins Finale einzog. „Man hat ja nur eine Stunde zwischen dem Halbfinale und dem Finale und das ist schon ein bisschen knapp, um sich nochmal voll zu fokussieren und ein bisschen durchzuatmen. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich da nicht mehr rein muss und das überspringen kann“, sagte die 38 Jahre alte Kanutin, die 2016 im Kajak (KL1) Silber holte und zudem bereits 2008 (Silber) und 2012 (Gold) im Rollstuhlbasketball überaus erfolgreich an Paralympics teilnehmen konnte. Für den Bundestrainer gehör Müller zu den Medaillenkandidatinnen. Edelmetall sei „auf jeden Fall drin“, sagte Müller - allerdings werde dies nicht gerade einfach: „Die Rennen sind so knapp, da fahren fünf bis sechs Leute innerhalb einer Sekunde ins Ziel: Da kannst du Erste oder Sechste werden.“ Müller hat ihren kleinen Sohn Liam mit in Tokio dabei: Da dieser vom IPC allerdings keine Akkreditierung für das paralympische Dorf bekommen hat, ist sie mit ihm und ihrem Mann in einem Hotel in der Nähe des Dorfes untergebracht. „Es ist alles sehr anstrengend, weil ich immer alles regeln muss und dauernd hin und her fahren muss.“ Frühstück, Team-Sitzungen, die benötigte Physiotherapie: Alles findet im paralympischen Dorf statt. Trotz der Strapazen stellte Müller mit ihren 56,391 Sekunden über die 200 Meter eine paralympische Bestleistung auf. „Das kann sich sehen lassen“, sagte René Brendel zu Recht.

„Dann zählt jeder Schlag“

Tom Kierey im Kajak
Tom Kierey im Kajak © Florian Schwarzbach / DBS

Auch Tom Kiereys Vorstellung war durchaus positiv: In seinem Vorlauf wurde er Dritter in 42,098 Sekunden, zum Sieger Serhii Yemelianov (Ukraine) fehlten etwas mehr als 1,3 Sekunden. „Man kann es als das klassische verfluchte erste Rennen bezeichnen. Der erste Schlag war super, der Rest lief ein bisschen aus dem Ruder“, sagte Kierey, der in Rio 2016 Silber im Kajak (KL3) gewinnen konnte. Eine Windböe habe den 27 Jahre alten Kanuten vom Berliner Kanu-Club Borussia erwischt. „Wir sind betreiben eine Outdoor-Sportart, wir müssen damit umgehen und auch meine 20 Jahre an Erfahrung zeigen: Man kriegt immer wieder mal eine Überraschung vor das Brett“, sagte Kierey, der im Rennen dann das Tempo herausnehmen musste: Er hatte Probleme die Bahn zu halten und wollte keine Disqualifikation riskieren. „Aber dafür, dass so viel schiefging, war das Resultat halbwegs zufriedenstellend. Wir haben Luft nach oben, sind wirklich gut drauf und das kriegen wir hin“, gab sich Kierey optimistisch. Der gebürtige Dresdner traue sich in Tokio „einen fairen und ehrlichen Kampf ums Finale zu. Und wenn man dann im Finale steht ist alles eine Frage der Bedingungen, eine Frage der Einstellung und dann zählt jeder Schlag.“ Sein Halbfinale findet am Freitag um 10:19 Uhr (3:19 Uhr in Deutschland) statt. Das anvisierte Finale stünde gut eineinhalb Stunden später an.

„Samstag wird es knackig“

Die deutschen Para Kanuten und der Betreuerstab
Para Kanu © Florian Schwarzbach / DBS

„Morgen zählt es dann für die Jungs und Katharina“, sagte Brendel. Neben Kierey hat auch Ivo Kilian im Kajak (KL2) Freitag um 10:05 Uhr (3:05 Uhr in Deutschland) noch eine Chance, um sich für den Endlauf zu qualifizieren. Kilian wurde erst vergangene Woche nachnominiert, weil das chinesische einen seiner Startplätze abgab und dieser ans deutsche Team ging. In seinem Vorlauf wurde der 44 Jahre alte Kanute, der bereits 2016 in Rio dabei war, Sechster. Katharina Bauernschmidt bestreitet ihr Halbfinale ebenfalls am Freitag, der Start wird im Va‘a wird um 9:44 Uhr (2:44 Uhr in Deutschland) erfolgen. Der mögliche Endlauf stünde bereits um 11:02 Uhr an.

Samstag werden dann die Halbfinals der beiden Debütantinnen Anja Adler (Kajak, KL2, 9:44 Uhr/2:44 Uhr) und Felicia Laberer (Kajak, KL3, 10:12 Uhr) stattfinden. „Samstag wird es dann auch richtig knackig mit Halbfinals und den dann noch anstehenden Finals danach. Klar ist es schöner, wenn du dir ein rennen sparen kannst und dann etwas ausgeruhter in ein Finale starten kannst. Aber wenn das Wetter so bleibt in den nächsten Tagen, und davon gehen wir aus, dann dürften zwei Rennen an einem Tag kein großes Problem darstellen“, ist sich Brendel sicher. „Das trainieren wir ja.“

Patrick Dirrigl