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Wie das Gymnasium Lennestadt zum Fanclub für Para Eishockey-Spieler Marcel Malchin wurde
Während die deutsche Para Eishockey-Nationalmannschaft bei den kürzlich beendeten Paralympischen Winterspielen in Mailand und Cortina um den fünften Platz gegen Gastgeber Italien kämpfte, fieberte eine ganz besondere Gruppe von Fans im Hintergrund mit: die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums der Stadt Lennestadt (GymSL). Die Brücke zwischen dem Sauerland und den paralympischen Wettkampfstätten in Norditalien schlug vor wenigen Wochen ein Besuch des Inklusionsmobils – mit Para Eishockey-Nationalspieler Marcel Malchin.
Für die über 50 Schüler*innen des GymSL war der Unterrichtsbesuch des Inklusionsmobils ein absolutes Novum. Im Zentrum des Tages stand Marcel Malchin, der seit einem Unfall an beiden Beinen eine Unterschenkelprothese trägt. Er fesselte die Jugendlichen nicht nur mit der Vorführung des winzigen Schlittens, mit dem Para Eishockeyspieler über das Eis flitzen, sondern vor allem mit seiner persönlichen Geschichte. Wie er selbst passend zusammenfasste: "Der Sport war der Schlüssel für mich - durch ihn habe ich meinen Körper nach dem Unfall wieder kennengelernt." Sein erklärtes Ziel für den Tag in Lennestadt war es, die Kinder für den Para Sport zu begeistern und ihnen einen wichtigen Impuls mitzugeben, mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen.
Wie gut dieser Impuls ankam, zeigten die Reaktionen der Schüler*innen aus der 8. bis 11. Klasse, denn Berührungsängste oder Unsicherheiten gab es keine Spur. Stattdessen wuchs das Verständnis für die Herausforderungen im Rollstuhlsport enorm. Die Schülerin Lia Hartmann stellte fest, dass ihr Respekt für die Athletinnen und Athleten durch die eigenen Erfahrungen stark gestiegen ist. Selbst scheinbar einfache Aufgaben, wie das bloße Rückwärtsrollen, entpuppten sich in der Praxis als unerwartet anspruchsvoll. Auch ihr Mitschüler Felix Plassmann zeigte sich überaus dankbar für den Ausflug in die bis dahin noch unbekannte Disziplin und beschrieb den Tag als eine super Erfahrung, die man kaum in Worte fassen könne. Die betreuende Lehrerin Petra Weschollek, die 1994 in Lillehammer selbst als Biathletin an den Olympischen Winterspielen teilnahm, sah in der Aktion einen großen Gewinn. Für sie ging es an diesem Tag vor allem um Chancengleichheit und darum, aufzuzeigen, welche vielfältigen Möglichkeiten es gibt, Dinge gemeinsam zu unternehmen – wie zum Beispiel beim gemeinsamen Rollstuhlbasketball-Spiel.
Dass das Thema Inklusion am GymSL keine Eintagsfliege ist, hat die Schule bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Auf Initiative von Lehrerin Weschollek und Physiotherapeut David Meiworm war auch schon die ehemalige Para Biathletin und Skilangläuferin Vivian Hösch zu Gast. Begleitet von ihrem Blindenhund beantwortete die 34-Jährige eine Doppelstunde lang die zahlreichen Fragen der Sechstklässler und des Projektkurses "Ski Alpin". Sie erklärte den Jugendlichen eindrucksvoll, wie Para Biathlon mit Sehbehinderung durch Tonsignale am Schießstand und die präzisen Kommandos von Begleitläufern auf der Strecke funktioniert – eine faszinierende Lektion in blindem Vertrauen und echter Teamarbeit.
Das Sauerland drückte in Italien die Daumen
Zuletzt schloss sich der Kreis genau dort, wo die sportliche Weltbühne in den vergangenen Tagen brannte: in Norditalien. Der Projektkurs "Ski Alpin" hatte seine traditionelle Kursfahrt extra in den März verschoben, womit die Lennestädter die Chance nutzten, paralympische Wettkämpfe hautnah mitzuerleben. Auch wenn sie beim hart umkämpften Spiel um Platz 5, das die deutsche Auswahl am Ende leider mit 2:5 gegen Italien verlor, nicht live in der Eishalle sein konnten, um Marcel Malchin anzufeuern: Die Gedanken waren bei ihm. Schon beim Schulbesuch hatte der Spieler der Wiehl Penguins das Ziel ausgegeben, wie bei der Weltmeisterschaft den fünften Platz zu belegen. Auch wenn es sportlich ganz knapp nicht gereicht hat, ist eines sicher: Er und sein Team haben nun einen treuen Fanclub aus dem Sauerland hinter sich, der nach dem Besuch des Inklusionsmobils den Para Sport mit ganz anderen Augen sieht.
Text: Moritz Jonas / DBS
