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Judo verbindet: Aktionstag in Heidelberg bringt Kinder mit und ohne Sehbehinderung zusammen
Wie selbstverständlich Inklusion im Sport funktionieren kann, erlebten 16 Kinder im Sportzentrum Süd in Heidelberg. Beim Para Judo-Aktionstag trainierten Kinder mit und ohne Sehbehinderung gemeinsam und erhielten dabei nicht nur Einblicke in die Besonderheiten der Sportart, sondern auch die Möglichkeit, neue Perspektiven einzunehmen.
Der Aktionstag fand im Rahmen der Para Judo-Europameisterschaften in Heidelberg statt, bei denen die europäische Spitzenklasse um die Medaillen kämpfte. Ziel war es, Gemeinsamkeiten von Judo und Para Judo zu entdecken und zugleich Berührungsängste abzubauen. Besonders für die Kinder ohne Sehbehinderung stand dabei die Erfahrung im Mittelpunkt, wie sich alltägliche Situationen oder sportliche Übungen mit eingeschränktem Sehen anfühlen.
Organisiert und durchgeführt wurde der Aktionstag vom Team des Inklusionsmobils des Deutschen Behindertensportverbands. Das gemeinsame Projekt von REWE, Aktion Mensch und dem Deutschen Behindertensportverband verfolgt das Ziel, durch Selbsterfahrung Perspektiven zu wechseln und für die Lebensrealität von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren.
Zum Einstieg absolvierten die Kinder einen Blindenparcours – zunächst sehend, anschließend mit Dunkelbrillen. Dabei wurde schnell deutlich, wie wichtig andere Sinne, insbesondere das Hören, sowie Vertrauen und Kommunikation werden, wenn das Sehen eingeschränkt ist. Wer durch den Parcours geführt wurde, musste sich auf seinen Partner oder seine Partnerin verlassen.
Am Nachmittag standen dann zwei besondere Gäste auf der Matte: Para Judoka Lennart Sass, Paralympics-Medaillengewinner von Paris 2024, und Judoka Timo Cavelius, Teilnehmer bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Während Sass mit einer Sehbehinderung lebt, die er seit dem Alter von 16 Jahren hat, trainiert Cavelius ohne Sehbehinderung. Gemeinsam zeigten sie eindrucksvoll, dass sportliche Gemeinsamkeiten oftmals größer sind als vermeintliche Unterschiede.
Nach einer offenen Fragerunde mit den beiden Athleten ging es schließlich selbst auf die Judomatte. Auf dem Programm standen Gleichgewichtsübungen, Griffkontakte und Gewichtsverlagerungen sowie verschiedene Technikblöcke. Unter anderem wurden der Wurf O-soto-gari und die Bodentechnik Kesa-gatame demonstriert und anschließend von den Kindern ausprobiert. Ergänzt wurde das Training durch Wurfübungen und gemeinsame Reflexionsphasen.
Für die Kinder wurde daraus ein abwechslungsreicher und intensiver Tag, bei dem Bewegung, Spaß und neue Erfahrungen eng miteinander verbunden waren.
„Solche Aktionstage sind wichtig – nicht nur, um Kinder in Bewegung zu bringen und ihnen die sportliche Teilhabe zu ermöglichen. Sie nehmen auch etwas für ihren Alltag mit: Sie wechseln die Perspektive, sammeln eigene Erfahrungen und erleben Inklusion unmittelbar. Unser Ziel muss es sein, dass gemeinsamer Sport von Menschen mit und ohne Behinderung in den Strukturen des organisierten Sports selbstverständlich wird“, betonte Pascal Scheffel, Projektleiter des Inklusionsmobils.
Der Aktionstag machte damit deutlich, was Judo seit jeher auszeichnet: Es geht um Vertrauen, Respekt und das gemeinsame Miteinander. Oder kurz gesagt: Judo verbindet – denn gemeinsam ist man stark.
