Aktuelles aus dem Bereich Sportentwicklung
Heimspiel für Niko Kappel: Inklusionsmobil macht Halt an der Welzheimer Bürgfeldschule
Das Inklusionsmobil des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) tourt durch das Land, um den gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Behinderung erlebbar zu machen. Ein besonderer Stopp führte das Projekt nun an die Bürgfeldschule in Welzheim. Dort, wo Paralympics-Sieger Niko Kappel einst selbst die Schulbank drückte, probierten Fünft- bis Siebtklässler verschiedene Para Sportarten aus und bauten spielerisch Berührungsängste ab.
Der Schulhof der Bürgfeldschule in Welzheim verwandelte sich für einen Tag in eine inklusive Sportstätte. Für insgesamt sechs Klassen der Stufen fünf bis sieben stand jeweils 45 Minuten lang ein Perspektivwechsel auf dem Stundenplan. Zu Beginn jeder Einheit begrüßte das Team des Inklusionsmobils die Schülerinnen und Schüler, bevor der prominenteste Gast des Tages das Wort ergriff. Der Paralympics-Sieger im Kugelstoßen, Niko Kappel, stellte sich den Fragen der Kinder, erzählte aus seinem sportlichen Alltag und schrieb in den Pausen geduldig Autogramme auf T-Shirts und Karten.
Nach der Fragerunde ging es für die Klassen in die Praxis. An verschiedenen Stationen probierten die Schüler und Schülerinnen aus, wie Sport mit einer körperlichen oder visuellen Einschränkung funktioniert. Beim Rollstuhlbasketball auf dem Schulhof merkten viele schnell, dass das gleichzeitige Lenken des Sportgeräts und das Werfen des Balls viel Koordination und Kraft erfordert. Eine Schülerin aus der Mittelstufe fasste die Erfahrung treffend zusammen: Es sei spannend gewesen, im Rollstuhl auszuprobieren, wie sich Menschen mit Behinderung fortbewegen.
Gelebte Inklusion und ein Wiedersehen
Dass das Inklusionsmobil, ein gemeinsames Projekt von DBS, REWE und der Aktion Mensch, ausgerechnet in Welzheim Station machte, hat einen konkreten Hintergrund. Für Niko Kappel war es eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. "Bei mir ist Inklusion hier sowas von gelebt worden, weil man überhaupt keinen Unterschied gemacht hat", erinnerte sich der 31-Jährige an seine Schulzeit. Er berichtete den Kindern, dass er im Sportunterricht wie alle anderen benotet wurde. Da habe es für bestimmte Sportarten auch mal eine Drei gegeben, für andere wiederum eine Eins.
Sein damaliger Sportlehrer Wolfgang Graß, der es sich nicht nehmen ließ, an diesem Tag vorbeizuschauen, bestätigte diese Herangehensweise. Kappel habe sich toll integriert und großen Biss gezeigt. Schulleiter Michael Huy wies darauf hin, dass die Bürgfeldschule als Gemeinschaftsschule den inklusiven Gedanken bis heute im Alltag praktiziert und eng mit dem benachbarten sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum, der Janusz-Korczak-Schule, kooperiert.
Wie wichtig solche Aktionstage sind, verdeutlicht die aktuelle Statistik: 39 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung waren noch nie sportlich aktiv. Das Inklusionsmobil setzt genau an diesem Punkt an. Es zielt darauf ab, Empathie zu fördern, Barrieren abzubauen und aufzuzeigen, wie gemeinsamer Sport im Verein funktionieren kann.
Kappel formulierte sein Anliegen an die Gesellschaft deutlich: "Es schmerzt, wenn man aussortiert wird. Man muss nicht in allem gut sein". Vielmehr gehe es darum, niemandem den Zugang zum Sport zu verwehren und Chancen aufzuzeigen. Durch das gemeinsame Ausprobieren an den Stationen begegneten sich die Welzheimer Schülerinnen und Schüler auf Augenhöhe und erfuhren am eigenen Leib, dass Sport auch unter anderen Voraussetzungen problemlos möglich ist.
Möchtet ihr das Inklusionsmobil auch einmal an eurer Schule, in eurem Verein oder bei eurer Veranstaltung erleben?
