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Zweimal Gold im Para Rudern: Überraschung und Souveränität
Bei den Weltmeisterschaften im Para Rudern in Amsterdam hat das deutsche Nationalteam die zweite Goldmedaille gewonnen. Einen Tag nach dem Überraschungserfolg von Jasmina Bier und Paul Umbach im PR2 Mixed-Zweier legten Kathrin Marchand und Valentin Luz nach und verteidigten ihren WM-Titel trotz eines schwierigen Rennens souverän. Damit ist das deutsche Erfolgs-Duo noch immer ungeschlagen.
Auch von zeitlichen Verzögerungen und schwierigen Bedingungen haben sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen: Kathrin Marchand und Valentin Luz (RTHC Bayer Leverkusen und Frankfurter RG Germania) sind bei den Weltmeisterschaften im Para Rudern ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und haben ihren Titel im PR3 Mixed-Doppelzweier trotz Gegenwind und Regen souverän verteidigt. Rund anderthalb Stunden nach der eigentlich vorgesehenen Startzeit – Schuld war ein Gewitter mit Starkregen über Amsterdam – kam das immer noch ungeschlagene deutsche Erfolgsduo nach 7:03,97 Minuten ins Ziel. Damit blieben Marchand und Luz zwar über ihrer eigenen Weltbestzeit aus dem Vorjahr, aber dafür 5,31 Sekunden vor der Ukraine und 8,59 Sekunden vor Australien. Bei den Europameisterschaften Anfang des Monats in Italien war das Duo bereits noch schneller unterwegs, allerdings bei weniger anspruchsvollen Bedingungen.
„Es war sehr anstrengend und wir mussten richtig kämpfen. Doch wir arbeiten gut zusammen, haben ähnliche Vorstellungen vom Rudern und sind beide sehr ehrgeizig – es harmoniert einfach. Das hat uns auch diesmal geholfen“, sagte Valentin Luz nach einem kräftezehrenden Rennen. Kathrin Marchand: „Wir wissen, dass wir einiges tun müssen, um die Goldmedaille zu gewinnen. Es war heute verdammt hart, auch mit der ganzen Verschiebung. Die Freude kommt gleich, wenn bei der Siegerehrung die Hymne läuft.“ Die 35-jährige Kölnerin ist die erste Athletin weltweit, die an drei verschiedenen Ausgaben der Spiele teilgenommen hat: Auf Olympia 2012 und 2016 sowie den Paralympics 2024 als Ruderin im Sommer folgten im März 2026 die Winterspiele im Para Skilanglauf. Die Medaillenränge verpasste sie dabei knapp. Das Duo eint nach zwei WM-Titeln im Para Rudern ein weiteres gemeinsames Ziel: eine Medaille bei den Spielen in Los Angeles 2028.
Bereits am Donnerstag feierten Jasmina Bier und Paul Umbach (RG Hansa Hamburg und RC Nürtingen) ihren bisher größten Erfolg. Mit einem langen wie fulminanten Endspurt bezwangen sie Titelverteidiger China und krönten sich nach der Silber-Medaille im vergangenen Jahr selbst zu Weltmeistern. Bis zur 1500-Meter-Marke konnten sich mit den führenden Chinesen, dem deutschen Boot, Israel und Usbekistan noch vier Mannschaften Hoffnungen auf Rang eins machen. Dann begannen Bier und Umbach ihren Endspurt, der etwas früher geplant war als sonst bei ihnen üblich – und sie zogen vorbei, während China dem nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Mit fast einer Sekunde Vorsprung holten die Deutschen tatsächlich Gold. Silber ging an China und Bronze an Israel.
„Ein absolut geiles Gefühl“, sagte Paul Umbach nach dem Rennen, bei dem sich das deutsche Duo nur auf sich fokussierte. „Ich hatte nur mein Rennen im Kopf“, erklärte Jasmina Bier. „Danke auch an alle, die das möglich gemacht haben nach meiner Verletzung.“ Es sei schon eine Überraschung gewesen, dass es trotz der Ausfallzeit zum Titel gereicht hatte, sagt Para-Bundestrainer Marc Stallberg. „Aber wir konnten das Boot durch gezieltes Training wieder schnell machen. Mein Glückwunsch an die beiden und ihren Trainer Stephan Froelke.“ Für Stallberg war auch die gute Stimmung am deutschen Stand ein Grund, dass Umbach und Bier ebenfalls positiv ins Finale gingen. Die Integration des Para Ruderns sei vollends vollzogen: „Das Team mischt sich immer mehr und mir persönlich macht es viel Spaß, Trainer in diesem gemeinsamen Team zu sein“, betonte Marc Stallberg.
Neben den Erfolgen der beiden Mixed-Zweier erfüllte auch der PR3 Mixed-Vierer mit Steuermann sein Ziel: das Erreichen des A-Finales. Die neue Besetzung mit Hermine Krumbein, Jan Helmich, Daniel Müller-Groß, Susanne Lackner und Till Martini (RK Normannia Braunschweig, RC Hansa Dortmund, RTHC Bayer Leverkusen, Mannheimer RV 'Amicitia' und Olympischer RC Rostock) hatte nach schwieriger Vorbereitung gegen die starke Konkurrenz nichts auszurichten und wurde mit einigem Rückstand Sechster. „Der Vierer ist einen super Vorlauf gefahren. Wir sind noch nicht so weit, dass wir im A-Finale mithalten können, aber wir werden weiter daran arbeiten“, sagte Bundestrainer Marc Stallberg. Die USA gewannen vor Großbritannien und Frankreich.
Text: Deutscher Ruder-Verband, Ergänzungen DBS
