Aktuelles vom Goalball im Deutschen Behindertensportverband
Goalball-EM: Der feste Glaube, dass es aufwärts geht
Die Zeichen stehen gut für die deutschen Mannschaften vor den Goalball-Europameisterschaften, die vom 1. bis 5. Oktober im finnischen Pajulahti ausgetragen werden. Während die Damen ganz befreit aufspielen wollen in dem Wissen, dass sie dieses Jahr nicht absteigen können, fühlen sich Deutschlands Herren nach Jahren des Umbruchs wieder gut in der Spur. Mut machen auch die Ergebnisse und Leistungen beim letzten Vorbereitungsturnier vor der EM.
Die deutschen Goalball-Herren erlebten in den vergangenen Jahren beide Extreme des Sports. Auf die Paralympics-Teilnahme 2016 in Rio, EM-Silber 2017, die Vize-Weltmeisterschaft 2018 und den EM-Titel beim Heimturnier 2019 in Rostock folgten das Vorrunden-Aus bei den Paralympics in Tokio 2021 sowie bei den World Games 2023, Viertelfinal-Niederlagen bei den Welt- und Europameisterschaften sowie die verpasste Qualifikation für die Spiele in Paris. Nach dem größten Boom, den Goalball-Deutschland vermutlich je erlebt hatte, kam der Abschwung mit schmerzhaften Dämpfern. Wenngleich Bundestrainer Stefan Weil betont: „Wir haben nie die Top zehn verlassen. Trotzdem mussten auch wir erleben, dass man Rücktritte von Leistungsträgern nicht mal eben so auffangen kann. Das braucht einfach seine Zeit. Wir hatten vorher über Jahre einen festen Stamm, der sich unglaublich gut entwickelt hat.“
Jetzt erkennt Weil, der die Mannschaft mit Johannes Günther 2010 als Co-Trainer übernommen hatte und nach dessen Rücktritt 2021 zum Bundestrainer aufgestiegen ist, dass wieder eine Entwicklung in die richtige Richtung einsetzt. „Ich glaube, dass ich das gut einschätzen kann. Wir haben gezeigt, dass es wieder aufwärts geht. Entsprechend fahren wir mit Optimismus und Selbstvertrauen nach Finnland“, sagt Weil. Mut macht einerseits die EM-Generalprobe, die Deutschland auf Platz zwei beendete und sich nur der Ukraine als Paralympics-Silbermedaillengewinner im Finale knapp mit einem Tor geschlagen geben musste. Insbesondere die Defensive, an der in der Vorbereitung akribisch gearbeitet wurde, habe sich gefunden, sagt Weil. „Wir haben gute Turniere gespielt, das Team ist zusammengewachsen und es hat sich eine neue Hierarchie gebildet. Darauf lässt sich aufbauen – und das wollen wir bei der EM zeigen.“ Mut macht auch, dass an der Basis und im Juniorenbereich viel vorangeht. Eine Junioren-Liga ist in Planung, zudem gewann Deutschlands Junioren-Nationalmannschaft den Titel bei den European Para Youth Games. „Da wächst eine tolle, neue Generation heran. Es zeigt, dass wir auf einem richtig guten Weg sind“, erklärt Weil, der die nationalen Strukturen „mindestens in Europa als einmalig“ beschreibt.
Doch jetzt steht zunächst die EM vor der Tür – und da muss das deutsche Team von Beginn an hellwach sein. Denn schon die Gruppenphase hat es in sich. Zum Auftakt trifft Deutschland am Mittwoch auf Portugal und Israel, mit denen nach dem Viertelfinal-Aus vor zwei Jahren noch eine offene Rechnung besteht. Anschließend wartet mit der Ukraine einer der Titelaspiranten und zum Abschluss Montenegro. „Das werden harte Spiele und alles andere als ein lockerer Einstieg. Wir müssen direkt performen“, sagt Weil und fügt hinzu: „Unser Ziel ist ganz klar der Einzug ins Halbfinale, weil das quasi gleichbedeutend mit der WM-Qualifikation wäre. Und wer im Halbfinale steht, will auch eine Medaille gewinnen.“
Deutsche Damen wollen befreit aufspielen und überraschen
Bei der EM vor zwei Jahren verpassten Deutschlands Goalballerinnen den Klassenerhalt, schafften allerdings im Sommer 2024 souverän den direkten Wiederaufstieg zurück in den A-Pool. Inzwischen haben manche Länder allerdings keine Damen-Nationalmannschaft mehr, so dass es derzeit keine B-Gruppe gibt. Das hat einerseits zur Folge, dass im finnischen Pajulahti diesmal elf Teams antreten – und andererseits, dass niemand absteigen kann. „Das kommt uns vom Kopf her natürlich entgegen, da wir dadurch ganz befreit aufspielen können und nicht den großen Druck haben wie vor zwei Jahren“, sagt Cheftrainerin Jessica Bahr.
Hinzukommt, dass in der Gruppe zwar teils schwere Gegnerinnen warten, der Auftakt jedoch machbar erscheint. Schließlich bezwangen die deutschen Damen bei der B-WM vor gut einem Jahr im Finale Polen deutlich mit 12:2. Auch gegen Ungarn ist Deutschland favorisiert. „Wir sind optimistisch, dass wir einen erfolgreichen Start hinlegen. Den Schwung wollen wir dann mitnehmen“, betont Bahr. Denn anschließend geht es mit Großbritannien gegen ein Team auf Augenhöhe, danach gegen die starken Türkinnen und zum Abschluss der Gruppenphase warten die Lokalmatadorinnen aus Finnland. „Die Knackpunkt-Spiele werden gegen Großbritannien und Finnland sein. Da gilt es, dass wir uns eine möglichst gute Ausgangsposition für das Viertelfinale erkämpfen“, erklärt Bahr, die realistisch mit einer Platzierung zwischen Rang fünf und acht rechnet, aber durchaus mit einem Einzug ins Halbfinale liebäugelt, wenn alles wunschgemäß verläuft. Der Haken: Die Vorbereitung war nicht optimal, keine der sechs Spielerinnen ist komplett fit. So gilt es, auf die Zähne zu beißen – und möglichst zu überraschen.
Weitere Informationen, den Spielplan und Ergebnisse gibt es auf der Veranstaltungs-Webseite.
Text: Kevin Müller / DBS
Der Kader der Herren für die EM in Pajulahti:
Daniel Arendar (24 / Gengenbach / BSS Ilvesheim), Fabian Diehm (27 / Ansbach / RGC Hansa), Oliver Hörauf (28 / Bautzen / Chemnitzer BC), Rouven Schetelich (30 / Dresden / Chemnitzer BC), Philipp Tauscher (25 / Leipzig / SGV Dresden), Thomas Steiger (29 / Ellwangen / RGC Hansa)
Spielplan der Herren (deutsche Zeit):
01.10.2025: 09:30 Deutschland vs. Portugal; 14:00 Israel vs. Deutschland
02.10.2025: 11:00 Ukraine vs. Deutschland
03.10.2025: 08:00 Deutschland vs. Montenegro
Der Kader der Damen für die EM in Pajulahti:
Annkathrin Denker (33 / Lübeck / SSG Blista Marburg), Charlotte Kaercher (34 / Heidelberg / RGC Hansa Rostock), Pia Knaute (29 / Magdeburg / RGC Hansa Rostock), Jennifer Koch (22 / BVSV Nürnberg), Rauan Mardnli (24 / Frankfurt / BSSA Ilvesheim), Celeste Troost (27 / Den Helder (Niederlande) / RGC Hansa Rostock)
Spielplan der Damen (deutsche Zeit):
01.10.2025: 08:45 Deutschland vs. Polen; 15:00 Deutschland vs. Ungarn
02.10.2025: 08:45 Großbritannien vs. Deutschland; 16:15 Türkei vs. Deutschland
03.10.2025: 11:15 Finnland vs. Deutschland
