Aktuelles vom Deutschen Behindertensportverband
Stärke durch Vielfalt: Paralympische Spiele bewegen Deutschland
Die Bedeutung der Paralympischen Spiele für Deutschland stand im Fokus des Parlamentarischen Abends des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Dieser fand erneut im Allianz Forum im Herzen Berlins statt und sendete vor rund 200 Gästen ein Signal für die Bewerbung von Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland. Das Motto: Stärke durch Vielfalt. Denn wie keine andere Veranstaltung stehen die Paralympics für Vielfalt und für die Kraft des Sports, Barrieren zu überwinden.
Das größte Sportfest der Welt für Menschen mit Behinderung begeistert und zieht ein immer größeres Publikum in seinen Bann. „Nicht nur deshalb sind die Paralympics eine Bereicherung für jede Bewerbung um die Austragung der Spiele – und wären auch für Deutschland ein großer Gewinn“, betonte DBS-Präsident Hans-Jörg Michels und fügte an: „Paralympische Spiele sind weit mehr als sportliche Wettkämpfe. Sie sind ein Motor für Inklusion, sie schaffen Sichtbarkeit für den Sport von Menschen mit Behinderung, sie überwinden Barrieren und setzen Impulse für gelebte Teilhabe.“
Paris hat es vorgemacht: Menschen mit Behinderung wurden gefeiert wie selten zuvor, ihre Leistungen bewundert, der Sport gewann an Bedeutung in der Schule wie im Alltag, auch der öffentliche Raum wurde barriereärmer. Eine Studie des Internationalen Paralympischen Komitees, die ein Jahr nach der Eröffnungsfeier und dem dortigen Ausruf der Inklusions-Revolution veröffentlicht wurde, brachte eindrucksvolle Ergebnisse: 73 Prozent der 15.000 Befragten aus elf Ländern betonten, dass die Paralympics 2024 ihre Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderung positiv verändert haben. 80 Prozent gaben an, dass sie durch die Spiele eine positivere Einstellung hinsichtlich der Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung gewonnen haben.
Das zeigt: Die Paralympischen Spiele stehen für Inklusion, Inspiration, Vielfalt und Respekt – es sind Werte, die insbesondere im Ausrichterland wahrgenommen und verinnerlicht werden. „Paralympics vereinen sportliche wie gesellschaftliche Potenziale, die Athlet*innen inspirieren als Mutmacher*innen und Botschafter*innen für ein vielfältiges, leistungsfähiges und weltoffenes Deutschland“, sagte Michels.
Als „Taktgeber unserer Sportpolitik der kommenden Jahre“ bezeichnete Dr. Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, in ihrem Grußwort die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Es liege ihr sehr am Herzen zu betonen, „dass ich in der Ausrichtung von Paralympischen Spielen enorme Chancen für den inklusiven Sport in unserem Land sehe: Für mehr Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen, für mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und für mehr Förderung auch im Leistungssport. Ich bin überzeugt, dass wir mit den Spielen eine ganze Generation für den Sport, für Fairness und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gewinnen können.“
Otto Fricke: „Es ist dieser Kick, den dieses Land braucht“
Vertieft wurden die Potenziale der Paralympics für Deutschlands Bewerbung um Spiele in einer Podiumsdiskussion mit Dr. Babette Kibele, Abteilungsleiterin im Staatsministerium Sport und Ehrenamt, Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes, ZDF-Sportchef Dr. Yorck Polus, DBS-Präsident Michels sowie dem frischgebackenen Weltmeister im Para Rudern, Valentin Luz. „Ohne Paralympics geht es nicht. Paralympische und Olympische Spiele gehören zusammen“, betonte Otto Fricke und plädierte: „Die Spiele können dafür sorgen, dass die Sinnkrise, die unser Land hat, beendet werden kann und auch der Pessimismus zurückgeht, weil wir merken, dass wir gemeinsam und inklusiv sehr viel mehr erreichen können, als wir glauben. Es ist dieser Kick, den dieses Land braucht.“
Begeisterung hätten auch die Spiele in Paris entfacht, berichtete Yorck Polus. Die Paralympics seien medial wahrgenommen worden wie nie zuvor. „Das war eine lange Entwicklungsstrecke mit dem bisherigen Höhepunkt in Paris. Doch wir sind längst nicht am Ende dieser Entwicklung. Der Weg war nicht einfach, aber wir haben immer an die Selbstverständlichkeit der Inklusion geglaubt und sind froh, dass wir sie nach und nach erreichen“, sagte Polus und nannte die vierfache Paralympics-Medaillengewinnerin Denise Schindler als Beispiel, die in diesem Jahr wie selbstverständlich als TV-Expertin beim Radsport fungierte.
Die Athletensicht brachte Para Ruderer Valentin Luz in die Runde – auch wenn er sich nicht vorstellen könne, bei Spielen in Deutschland selbst noch aktiv zu sein. „Für heimische Athletinnen und Athleten gibt es nichts Schöneres als Spiele im eigenen Land. Das wäre das absolute Highlight. Die Spiele sind nicht nur für den Moment, sondern für eine ganze Generation“, betonte Luz und geriet von den Erlebnissen in Paris immer noch ins Schwärmen: „Da waren 15.000 Zuschauer auf den Rängen und vor allem auf den letzten 500 Metern, wenn dir alles wehtut, war es ein unfassbarer Lärm. Da bekomme ich immer noch Gänsehaut.“
Durch den Parlamentarischen Abend im Allianz Forum führte TV-Moderatorin Juliane Möcklinghoff, ermöglicht wurde die Veranstaltung neben der Allianz als Gastgeber auch von Top-Partner adidas sowie den Key-Partnern Bayer und Deutsche Telekom. Unter den rund 200 geladenen Gästen befanden sich unter anderem der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Jürgen Dusel, sowie die Vorsitzende des Ausschusses für Sport und Ehrenamt im Deutschen Bundestag, Aydan Özoğuz.
Paralympische Spiele bewegen Deutschland – diese Botschaft soll sich vom Pariser Platz aus verbreiten. Hans-Jörg Michels: „Mit unserem Parlamentarischen Abend wollen wir ein starkes Signal senden: Für eine inklusive Gesellschaft, für die Anerkennung sportlicher Höchstleistungen und für ein Deutschland, das Vielfalt als Stärke begreift. Wir sind überzeugt, dass es die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen kann, wenn man auch die Paralympics stärker in den Fokus rückt, um die Gedankenwelt zu öffnen und inklusiver zu handeln.“ Das Schlusswort hatte Kugelstoßer Niko Kappel, der bei der Para Leichtathletik-WM in Indien vor wenigen Tagen den Titel gewann und eine Grußbotschaft schickte: „Sport ist so viel mehr als Gesundheit. Es ist die Vermittlung von Werten – spielerisch. Um das in die Mitte unserer Gesellschaft zu transportieren, wären Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland ein absoluter Mehrwert.“
Text: Kevin Müller / DBS
