Aktuelles vom Deutschen Behindertensportverband
„Para Sport bringt alles mit“: DBS startet Dialogreihe Inclusion Talks
Der Para Sport steht für beeindruckende Leistungen und Geschichten, die bewegen – und viele Menschen inspirieren. Genau hier setzt der „Inclusion Talk“ an: Unter dem Titel „Leistung trifft Haltung“ hat der Deutsche Behindertensportverband (DBS) ein neues Forum geschaffen, das den Para Sport mitten in die gesellschaftliche Debatte führt. Vertreter*innen aus Politik, Medien, Verbänden, Partnerorganisationen und Athletinnen diskutierten im Deutschen Haus in Cortina d’Ampezzo gemeinsam über die Frage, wie die Vorzüge und Potentiale des Para Sport in Zukunft noch besser genutzt werden können.
DBS-Vorstandsvorsitzender Idriss Gonschinska betonte zum Auftakt die gesellschaftliche Relevanz des Para Sports. „Mit den ,Inclusion Talks‘ wollen wir Themen sichtbar machen, Menschen begeistern und eine größere Community für den inklusiven Sport aufbauen.“ In der Dialogreihe gehe es darum, zentrale sport- und gesellschaftspolitische Handlungsfelder des Para Sports stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und bestehende Barrieren abzubauen – in Köpfen, Strukturen und Mobilität.
Christina Marx – Sprecherin und Mitglied der Geschäftsführung der Aktion Mensch, die als langjähriger Inklusionspartner des Team Deutschland Paralympics den Auftakt der „Inclusion Talks“ präsentierte – unterstrich die besondere Kraft des Para Sports auch für die Gesellschaft: „Der Para Sport bringt alles mit, was es braucht. Wir sprechen über Leistung und Haltung – was mir aber ein bisschen zu kurz kommt: Wir haben im Para Sport auch tolle Geschichten zu erzählen.“
Athletinnen fordern: Bühne nicht nur alle vier Jahre
Marx betonte, wie stark diese Geschichten Menschen bewegen und Orientierung geben: „Ich glaube, das ist das, was wir alle im Moment noch mehr brauchen als je zuvor. Das sind Menschen, die nicht das Problem sehen, sondern die sagen: Es läuft nicht immer alles super im Leben, aber es macht Spaß – und das macht vielen Menschen in unserer Gesellschaft Mut.“ Zugleich plädierte sie dafür, den Para Sport bei Bewerbungen um sportliche Großereignisse viel stärker in den Mittelpunkt zu rücken: „Ich verstehe nicht, warum die Ausrichterstädte den Para Sport nicht stärker in den Vordergrund stellen. Sportliche Großereignisse wie die Paralympics prägen das Bild von Menschen mit Behinderung positiv und tragen zu mehr Inklusion bei.“
Sehr persönlich schilderten die beiden Para Skifahrerinnen Maya Fügenschuh und Guidin Johanna Holzmann ihre Erfahrungen. Die 17-jährige Fügenschuh, die bei ihrem Paralympics-Debüt im Riesenslalom Neunte wurde, betonte: „Im Para Sport wird eine Behinderung nicht als Schwäche gesehen. Hier wird gefeiert, was Menschen mit ihren jeweiligen Herausforderungen erreichen.“ Guidin Johanna Holzmann, 2022 Olympia-Starterin, wünschte sich, dass sich diese Sichtbarkeit der Leistungen nicht nur auf die Zeit der Spiele beschränkt: „Diese besonderen Geschichten kommen jetzt zu den Winter-Paralympics raus – und dann wieder in vier Jahren. Die Para Sportler sind wunderbare Vorbilder. Es wäre so schön, wenn dies nicht nur im Vierjahresrhythmus geschieht, sondern die Bühne auch dazwischen genutzt wird. Das kann dazu beitragen, Vorurteile nachhaltig abzubauen.“
Özoguz: „Was zwischen in der Politik nicht gelöst werden kann, können auch die Sportler nicht lösen“
Auch aus der Politik kam ein deutliches Signal. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Aydan Özoguz, betonte, dass es auch die Verantwortung der Politik sei, die Rahmenbedingungen für den Para Sport zu verbessern: „Wir sind tief beeindruckt von den Leistungen. Unsere Aufgabe in der Politik ist es, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass diese Leistungen die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.“
Özoguz verwies zudem auf die Herausforderungen im Zusammenspiel zwischen Sport und politischer Erwartungshaltung: „Eines ist ganz wichtig: Was zwischen Regierung und Parlament nicht gelöst werden kann, können auch die Sportlerinnen und Sportler nicht lösen. Diese ständigen Fragen an die Athleten, wie sie mit politischen Konflikten umgehen sollen, ist die große Schwierigkeit. Wir müssen überlegen, wie wir den Friedensgedanken wieder stärker in die Olympischen und Paralympischen Spiele bringen.“ Der frühere Olympiasieger und Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann zeigte sich fasziniert von den Leistungen in Italien. „Para Sport ist Hochleistungssport. Dafür braucht es Anerkennung – nicht Mitleid.“
Der erste Inclusion Talk machte deutlich: Para Sport steht für Leistung, Haltung und gesellschaftlichen Fortschritt. Damit dieses Potenzial voll zur Wirkung kommen kann, braucht es mehr Sichtbarkeit, stärkere Förderung und ein klares gesellschaftliches Bekenntnis zum inklusiven Sport.
