Aktuelles vom Deutschen Behindertensportverband

Fünffache „Gold-Anna“ ist Weltbehindertensportlerin

Anna Schaffelhuber erhält höchste Auszeichnung des Behindertensports – Auch Dr. Axel Bolsinger und Journalist Ronny Blaschke geehrt

Anna Schaffelhuber ist Weltbehindertensportlerin
Anna Schaffelhuber ist Weltbehindertensportlerin © Allianz, Ralf Kuckuck

2010 war Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber als Nachwuchstalent bei den Paralympischen Winterspielen in Vancouver und holte überraschend Bronze – während Verena Bentele (Ski Nordisch) und Gerd Schönfelder (Ski Alpin) für mächtig Furore sorgten und fünf bzw. vier Goldmedaillen holten. Vier Jahre später, bei den Paralympics in Sotschi 2014, war der Star freilich die damals 21-jährige Anna Schaffelhuber, die es in allen fünf Wettbewerben ganz nach oben aufs Treppchen schaffte. Jetzt gab es in Mexiko Stadt am späten Samstagabend die verdiente Auszeichnung für die beeindruckenden Leistungen auf der Piste: „Gold-Anna“ ist in der Kategorie „Beste Athletin“ mit dem „Paralympic Sports Award“ geehrt worden. Die höchste Auszeichnung im Behindertensport erhielten vor ihr erst zwei Deutsche: Na klar, Verena Bentele und Gerd Schönfelder – und zwar 2011, nach den erfolgreichen Paralympics in Vancouver.

Nun also Anna Schaffelhuber. „Ich habe mir damals gedacht, diesen Preis hätte ich auch gerne mal“, sagte die frisch gebackene Weltbehindertensportlerin im Anschluss an die Auszeichnung mit einem Schmunzeln. Es sei für sie eine große Ehre gewesen, mit den weltweit erfolgreichsten paralympischen Sportlerinnen und Sportlern der vergangenen beiden Jahre auf einer Bühne stehen zu dürfen – und dann auch noch den Preis zu erhalten. „Ich freue mich so richtig darüber. Diese Auszeichnung hat einen sehr hohen Stellenwert für mich“, berichtete die 22-jährige aus Bayerbach. Zu Schaffelhubers ersten Gratulanten zählten der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher, sowie Vizepräsident Leistungssport, Dr. Karl Quade. „Das ist eine außergewöhnliche Würdigung einer außergewöhnlichen Leistung der derzeit weltbesten Athletin im paralympischen Ski-Alpin-Sport. Als Verband sind wir sehr stolz, dass eine Sportlerin aus unseren Reihen diese tolle Auszeichnung erhält und wir sie in Mexiko im Namen aller unserer Athletinnen und Athleten beglückwünschen durften“, sagte Beucher.

Doch viel Zeit zum Feiern bleibt Anna Schaffelhuber nicht. Schon bald beginnt für die querschnittsgelähmte Monoskifahrerin die neue Saison. Und die nächsten Winterspiele 2018 in Pyeongchang sind stets im Hinterkopf. „Südkorea ist das große Ziel, auf das alles ausgerichtet ist“, betont die ehrgeizige Sportlerin, die auf der Piste wieder angreifen will – um die Erfolge von Sotschi möglichst zu wiederholen.

Dr. Axel Bolsinger für „außerordentliche Leistungen“ für den Behindertensport geehrt
Dr. Axel Bolsinger
Dr. Axel Bolsinger erhielt die Auszeichnung "Paralympic Order"

Doch Anna Schaffelhuber war in Mexiko Stadt nicht die einzige Deutsche, die auf der Bühne geehrt wurde. Dr. Axel Bolsinger, der vom DBS vorgeschlagen wurde, hat die Auszeichnung „Paralympic Order“ erhalten, eine Auszeichnung für außerordentliche Leistungen rund um den Behindertensport. Bolsinger hat mit seinen Forschungen einen erheblichen Beitrag zur Fairness sowie zur Professionalisierung des Behindertensports und speziell des Blindensports geleistet. Seine Expertise zu den Klassifizierungen hat der 67-jährige Augenarzt in weltweiten Meetings und Seminaren weitergegeben und so qualifiziertes Personal aus- und weitergebildet. Zudem war Bolsinger über mehr als zwei Jahrzehnte Gutachter und Berater für das Nationale Paralympische Komitee Deutschland. „Mein Ziel war es immer, die Athleten in den Vordergrund zu stellen und über eine bestmögliche Beurteilung der Athleten die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Athleten ihre optimale Leistung in einem von größtmöglicher Fairness gekennzeichneten System zeigen können“, erklärt Bolsinger. Für dieses jahrelange ehrenamtliche Engagement wurde der 67-Jährige nun in Mexiko ausgezeichnet.

Darüber hinaus erhielt Ronny Blaschke den „Paralympic Media Award“ in der Kategorie „Best Radio“. Der freie Journalist wurde für seinen bemerkenswerten Beitrag „Aussätzige im Rampenlicht“ im Rahmen der Paralympischen Spiele in Sotschi 2014 geehrt. Dieser thematisierte die schwierige Situation von Menschen mit Behinderung in Russland – und warum die Paralympics einen Wandel anstoßen könnten.