Aktuelles vom Deutschen Behindertensportverband
Auszeichnung für Inklusionsprojekt des Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbands (BBS)
Bereits zum 15. Mal wurde in diesem Jahr die Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille für besondere Leistungen in der Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen von der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) verliehen. Der Preis ging an das Projekt „Nicht ohne uns! Bildung und Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung im Sport“ des BBS, das es Menschen mit geistiger Behinderung ermöglicht, eine Ausbildung zu Co-Trainer*innen zu absolvieren.
Seit fünf Jahren bietet der BBS das Ausbildungsprojekt für Menschen mit geistiger Behinderung in der Sportschule Baden-Baden Steinbach an und stellt so die Weichen für ein inklusives Vereinsleben. Die Teilnehmenden lernen, wie sie die Übungsleitenden während des Trainings unterstützen und wie sie ein vielseitiges Repertoire an Spiel- und Übungsideen selbst anleiten. Außerdem spielt der sogenannte “Ehrenkodex” bei der Ausbildung eine wichtige Rolle. Dieser beinhaltet Richtlinien für das soziale Miteinander und für Gewaltprävention in Sportvereinen. Die Vermittlung der Inhalte ist zudem so barrierefrei wie möglich gestaltet - so ist beispielsweise das gesamte Konzept in leichter Sprache verfasst. Nach der Ausbildung können die frisch gebackenen Co-Trainer*innen ihr Können in Ballsport-, Turn- oder Tanzvereinen, sowie Kampfsportgruppen anwenden.
Die Ausbildung, die als Teil der Zukunftsmappe „Sport vereint“ durchgeführt wird, gewinnt von Jahr zu Jahr an Zulauf, denn alle Beteiligten sind begeistert von den Ergebnissen: die Auszubildenden erweitern nicht nur ihr sportliches Wissen, sondern vor allem werden das Selbstbewusstsein und die Sozialkompetenz gestärkt. Friedhelm Julius Beucher, Ehrenpräsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS), lobt das Konzept in seiner Laudatio als einen „Meilenstein auf dem Weg zu echter Inklusion“ und ergänzt: „Die Ausbildung zum Co-Trainer schenkt Selbstbewusstsein, schafft Anerkennung und ermöglicht Augenhöhe – nicht nur im Training, sondern auch im menschlichen Miteinander.“
Diese langfristigen positiven Effekte bleiben nicht unerkannt – in Zusammenarbeit mit dem DBS haben die Landesverbände in Niedersachsen (BSN) und Mecklenburg-Vorpommern (VBRS M-V) ähnliche Projekte ins Leben gerufen und in den letzten Jahren über 130 Co-Trainer*innen ausgebildet. Auch weitere Landesverbände des DBS planen Ausbildungsangebote nach dem Badener Konzept. So können noch deutlich mehr Menschen mit geistiger Behinderung diese Möglichkeit wahrnehmen, Verantwortung übernehmen und aktiv das Geschehen im Sportverein mitgestalten.
Die Verleihung der Kurt-Alphons-Jochheim-Medaille ist also eine verdiente Auszeichnung für ein rundum gelungenes Inklusionsprojekt, das zeigt, dass es sich lohnt innovative und nachhaltige Konzepte zu entwickeln und damit das Vereinsleben für alle zugänglich zu machen.
