Aktuelles vom Rollstuhlbasketball im Deutschen Behindertensportverband
Rollstuhlbasketball-WM: Intensive Vorbereitung für den Medaillentraum
Die Anreise in Kanadas Hauptstadt Ottawa zu den Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaften haben die deutschen Nationalteams bereits hinter sich gebracht. Wenn am Abend des 19. September zum WM-Ausklang dann die Medaillen überreicht werden, soll im Idealfall auch die deutsche Fahne gehisst werden. Die beiden Bundestrainer Jan Haller und Josef Jaglowski haben die Überzeugung, mit ihren Teams eine gute Rolle spielen zu können.
Während für die Herren die Teilnahme mit EM-Bronze schon früh feststand, qualifizierten sich die Damen erst im Juni beim Repechage-Turnier in Madrid mit einem 59:46-Sieg im entscheidenden Spiel gegen Thailand. Beide Teams haben sich intensiv vorbereitet und warten mit wachsender Vorfreude auf den Start der Titelkämpfe am Mittwoch, 9. September.
Deutsche Herren: Mit dem wachsenden Erfolg steigt auch die Erwartungshaltung
Bei der letzten WM in Dubai 2023 belegten die deutschen Herren Platz acht. Nach den großen Erfolgen durch die beiden Bronzemedaillen bei den Paralympics 2024 in Paris und bei der EM in Sarajevo ein Jahr später sind die Erwartungen jedoch gestiegen. Bundestrainer Jan Haller, in Paris noch als Spieler dabei und seit Juni 2025 als Head Coach an der Seitenlinie, ist trotzdem zurückhaltend mit einem klaren Medaillenziel.
„Das Niveau im Herrenbereich ist aktuell sehr hoch – da kann jeder jeden schlagen“, sagt Haller. So hat Deutschland in der Vorbereitung den amtierenden Europameister Spanien beim Nations Cup Cologne in einem Overtime-Krimi besiegt. An gleicher Stelle zeigten die Briten dem deutschen Team allerdings die Grenzen auf. Trotzdem schöpfen die deutschen Herren gerade aus dem Turnier in Köln eine Menge Zuversicht. „Seit Monaten bereiten wir uns intensiv vor und haben bei diesem Vier-Nationen-Turnier den positiven Trend in der sportlichen Entwicklung bestärkt“, berichtet Haller. Die Stimmung im Team sei ausgesprochen gut. „Es macht unheimlich viel Freude, mit den Jungs zu arbeiten, weil jeder bereit ist, auch mal über seine Leistungsgrenze zu gehen. Sie haben alle Bock auf diese Weltmeisterschaft.“
Zunächst gilt es in dem Teilnehmerfeld der besten 16 Herrenteams, sich in der Gruppe D mit Marokko, Iran und Gastgeber Kanada, eine optimale Position für die Achtelfinal-Spiele zu sichern. Auftaktgegner am 9. September in der Carleton Universität (18.45 Uhr Ortszeit, 0.45 Uhr deutsche Zeit) ist Iran, dem mit der WM-Bronzemedaille bei der WM in Dubai 2023 Historisches gelang und der auf dem Weg zu diesem Erfolg auch das deutsche Team knapp bezwang. Das letzte Aufeinandertreffen beim Repechage-Turnier für die Paralympics in Paris entschied Deutschland wiederum für sich. Es folgt das Duell mit Kanada am Freitag, 11. September (18 Uhr dt. Zeit). Zuletzt trafen beide Teams in zwei kleinen Finals aufeinander: Sowohl bei den Paralympics in Paris als auch kürzlich beim Nations Cup in Köln behielt Deutschland die Oberhand. Im letzten Gruppenspiel am Samstag (18.15 Uhr dt. Zeit) ist Afrikameister Marokko der Gegner und gilt eher als Außenseiter der Gruppe.
Haller kann in Ottawa auf eine gesunde Mischung aus jungen und sehr erfahrenen Spielern zurückgreifen, die schon über einen längeren Zeitraum eingespielt sind. Zehn der Spieler waren in Paris dabei, elf von ihnen holten EM-Bronze, lediglich der junge Jakob Krömer von Hannover United ist neu im Kader – einer von vier U23-Weltmeistern. Mit vier Spielern stellt der Rekordmeister RSV Lahn-Dill die größte Abordnung (Kapitän Thomas Böhme, Matthias Güntner, Julian Lammering und Neuzugang Maximilian Lammering), drei Spieler stehen in den Diensten des amtierenden deutschen Meisters Thuringia Bulls (Aliaksandr Halouski, Lukas Gloßner und Alexander Budde).
Deutsche Damen sehen sich „auf einem sehr guten Weg“
Die deutschen Damen, die bei der letzten WM in Dubai im Bronzefinale den USA unterlagen, gehen das Turnier mit anderen Vorzeichen an. Das Team von Bundestrainer Josef Jaglowski, der seit Mai 2025 im Amt ist, befindet sich in einer Umbruchphase, auch weil sich mit Mareike Miller eine langjährige Führungsspielerin aus beruflichen und privaten Gründen eine Auszeit genommen hat. „Sie hat in den vergangenen Jahren unser Spiel sehr geprägt“, sagt Co-Trainerin Gesche Schünemann. Nach ihrem Ausscheiden muss sich die Statik der Mannschaft neu ordnen und die neuen Spielerinnen müssen integriert werden. Doch Schünemann betont: „Wir sind als Team auf einem sehr guten Weg.“
Bei Testspielen und vor allem beim Repechage-Turnier hat sich gezeigt, dass sich die erzielten Körbe über das ganze Team verteilen. Auch das Spielverständnis ist gewachsen, die Abstimmung in der Defensive gelingt immer besser – doch die Trefferquote bleibt ein Manko der deutschen Damen.
In ihrer Sechsergruppe muss Deutschland zwei Teams hinter sich lassen, um die nächste Runde zu erreichen. Bei den hochkarätigen Gegnern wird das keine leichte Aufgabe. Zum WM-Auftakt trifft das deutsche Team am Mittwoch, 9. September (18 Uhr dt. Zeit), auf Japan. Am Tag darauf (22.45 Uhr dt. Zeit) folgt das Duell mit den USA. Der Drittplatzierte der letzten WM und Paralympics-Silbermedaillengewinner von Paris zählt neben den Niederlanden zu den Top-Favoritinnen auf den WM-Titel. Gegen die Übermacht aus dem Nachbarland geht es schließlich am 12. September (18.30 Uhr dt. Zeit). Es folgen die Duelle mit Frankreich (13. September, 18.15 Uhr) und Algerien (15. September, 16 Uhr).
Nach dem großen Personalwechsel im Anschluss an die Paralympics in Paris hat es gegenüber dem EM-Kader, der im letzten Jahr in Sarajevo Platz vier erreichte, nur einen Neuzugang gegeben. Für das Repechage-Turnier hatte Bundestrainer Josef Jaglowski für Mareike Miller die junge Hannoveranerin Leyla Stähler ins Team geholt. „Für uns ist die WM das wichtigste Ereignis des Jahres. Wir haben uns sehr intensiv und gewissenhaft vorbereitet und hoffen auf das bestmögliche Ergebnis im Wettkampf mit den stärksten Mannschaften“, sagt Bundestrainer Jaglowski. Mit drei Spielerinnen stellt Zweitligist Nürnberg Falcons das größte Kontingent (Kapitänin Svenja Mayer, Lilly Sellak und Verena Meyer).
Text: Gregor Plessmann / DRS
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Alle Spiele werden auf dem YouTube-Channel der IWBF übertragen. Zudem gibt es hier Live-Stats, Spielpläne und aktuelle Tabellenstände.
Wissenswertes rund um die Sportart Rollstuhlbasketball ist auf der Online-Plattform parasport.de zu finden.
Das deutsche Aufgebot für die WM in Ottawa:
Kader Damen: Anne Patzwald, (1.0, AS Briantea84), Catharina Weiss, (1.0, Hannover United), Marie Kier (1.0, RSB Thuringia Bulls), Svenja Mayer (2.5, Nürnberg Falcons (C)), Verena Meyer (1.0, Nürnberg Falcons), Annika Sonnleitner (2.5, Iguanas München), Lilly Sellak (3.0, Nürnberg Falcons), Lisa Bergenthal (3.5, RBC Köln 99ers), Svenja Erni (3.5, Doneck Dolphins Trier), Leyla Stähler (4.0, Hannover United), Lena Knippelmeyer (4.5, RSC Osnabrück), Roli-Ann Neubauer (4.5, Alba Berlin).
Kader Herren: Thomas Böhme (3.0, RSV Lahn-Dill), Alexander Budde (3.5, Thuringia Bulls), Nico Dreimüller (2.0, Asinara Waves Torres/ITA), Lukas Gloßner (1.0, RSB Thuringia Bulls), Matthias Güntner (4.5, RSV Lahn-Dill), Aliaksandr Halouski (4.5, RSB Thuringia Bulls), Tobias Hell (1.0, CD Ilunion), Jakob Krömer (4.5, Hannover United), Julian Lammering (3.5, RSV Lahn-Dill), Maximilian Lammering (3.0, RSV Lahn-Dill), Alexander Keiser (2.0, RBC Köln 99ers), Thomas Reier (4.5, RBC Köln 99ers).
