Aktuelles vom Rollstuhlbasketball im Deutschen Behindertensportverband
Rollstuhlbasketball-WM: Herren verpassen Medaille, Damen auf Rang sieben
Im Bronzefinale der Rollstuhlbasketball-Weltmeisterschaften in Ottawa (Kanada) unterlagen die deutschen Herren Großbritannien mit 56:67 (18:23, 29:45, 41:53). Platz vier ist trotz der verpassten Medaille das beste Abschneiden eines deutschen Herrenteams seit den ersten Weltmeisterschaften 1973 in Brüssel. Die deutschen Damen beenden die WM nach einem Sieg im abschließenden Spiel gegen Japan auf dem siebten Platz.
Es war das erwartet schwere Spiel gegen einen gut aufgelegten Gegner für die deutschen Herren. "Wir waren in der ersten Halbzeit einfach nicht aggressiv genug in der Verteidigung, haben zu viele Punkte zugelassen. Wir waren nicht bereit, in der Defensive ans Limit zu gehen und dann liegst du mit 16 Punkten hinten. In der zweiten Hälfte haben die Jungs dann gezeigt, dass sie es können. Sie haben sich super herangekämpft und Moral bewiesen", fasste Bundestrainer Jan Haller die Partie zusammen. "Das ist die Mentalität, die wir schon die ganze Zeit haben, nie aufzugeben und an sich zu glauben. Großbritannien hatte auch wieder die richtigen Antworten und dann lief uns am Ende die Zeit davon. Heute hätten wir es auch nicht verdient gehabt, aufgrund der Leistung in der ersten Hälfte", so Haller weiter. Trotzdem könne das Team stolz auf das Erreichte sein. Mit dem vierten Platz habe man die gute Entwicklung der letzten Jahre mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Paralympics in Paris und der EM in Sarajevo bestätigen können – und das mit der jüngsten Mannschaft des Turniers.
Niederlage aus dem Halbfinale noch spürbar
Schon in den ersten Minuten der Partie in der stimmungsvollen TD Place Arena war den deutschen Herren anzumerken, dass ihnen nach der knappen Halbfinalniederlage gegen Australien noch etwas die Frische in den Köpfen und die Konsequenz in den Defensivaktionen fehlte. Auch im zweiten Spielabschnitt konnte die deutsche Mannschaft ihre Nervosität nicht ganz ablegen und an die guten Leistungen aus den Spielen gegen die USA oder auch gegen Australien anknüpfen. Zu oft verfehlten die deutschen Schützen den Korb, oder der Ball hüpfte vom Ring eben nicht in den Korb.
Aufgeben war für die deutschen Herren aber keine Option und so kamen sie mit neuem Mut aus der Kabine. Ausgehend von einer deutlich aggressiveren Deckungsarbeit und einer verbesserten Wurfquote konnten sie das Viertel mit 12:8 für sich entscheiden und den Abstand zumindest etwas verkürzen. Im Schlussviertel blieb das Haller-Team weiter konzentriert in der Defensive und erfolgreich im Angriff, die beherzte Aufholjagd kam aber zu spät und Großbritannien sicherte sich verdient die Bronzemedaille.
"Wir wollen bei der nächsten EM noch einen drauflegen"
"Wir haben den positiven Trend der letzten Jahre bestätigt mit Platz vier bei dieser WM, und das mit dem jüngsten Team. Unsere Verantwortung als Trainerteam und die der Spieler ist es jetzt, diesen Weg weiterzugehen und konsequent unser Ding zu machen. Da werden wir nicht nachlassen und wollen bei der nächsten Europameisterschaft noch einen drauflegen", blickte Haller nach dem Turnier schon auf die nächsten Herausforderungen.
Versöhnlicher WM-Abschluss für die Damen: 7. Platz nach Sieg gegen Japan
Mit einem Sieg gegen Japan war das deutsche Team ins Turnier gestartet und mit einem Sieg gegen Japan hat es sich aus dem Turnier verabschiedet. Aber anders als beim Auftakterfolg, der mit 59:54 schwer erkämpft werden musste, dominierten die deutschen Damen die zweite Partie sehr deutlich und fuhren einen klaren 50:33-Erfolg (16:11, 28:11, 40:19) ein. Beste Werferin auf deutscher Seite war Roli-Ann Neubauer mit 16 Punkten, Lisa Bergenthal und Svenja Mayer trafen mit jeweils zehn Punkten ebenfalls zweistellig.
"Um Platz sieben zu spielen ist sicher eine undankbare Aufgabe, aber wir wollten uns unbedingt nochmal zeigen. Wir sind in das Turnier mit einem Sieg gegen Japan gestartet und wollten es auch so beenden. Wir sind rausgegangen und wussten von der ersten Sekunde an, wir werden dieses Spiel 40 Minuten spielen müssen, kämpfen müssen. Und auch wenn es phasenweise etwas wackelig war, haben wir es trotzdem mit dauerhafter Führung zu Ende gebracht", fasste Lisa Bergenthal das Spiel zusammen. Die 26-jährige Kölnerin, die bei den Köln 99ers in der Bundesliga spielt, steuerte zehn Punkte zum deutschen Erfolg bei.
Fulminanter Start in die letzte WM-Partie
Die deutschen Damen präsentierten sich in der Turnhalle der Carleton Universität in den ersten Minuten in guter Schusslaune, legten mit einem 10:0-Lauf vor und überließen den Japanerinnen durch ihre konsequente Defensivarbeit nur schwere Würfe. Dem Team war förmlich anzumerken, dass es sich mit einem Sieg aus dem Turnier verabschieden wollte. Nach der Viertelpause blieb die Defensivarbeit der deutschen Damen auf sehr hohem Niveau und war so effizient, dass den Japanerinnen kein einziger Treffer gelang.
Die Japanerinnen kamen mit neuer Kraft aus der Pause und kamen im Verlauf des dritten Viertels etwas besser ins Spiel. Das Team von Head Coach Tomoe Soeda fand jetzt öfter mal eine Lücke im Deckungsverband der deutschen Damen und brachte acht Punkte aufs Scoreboard, doch auch Deutschland punktete weiter und erhöhte den Abstand zum Ende des Viertels auf 40:19. Mit Beginn des Schlussviertels versuchten die Japanerinnen erneut ins Spiel zurückzukommen und konnten am Ende den Durchgang 14:10 für sich entscheiden, ohne den klaren Sieg der deutschen Korbjägerinnen aber noch zu gefährden.
Platz sieben bei dieser Weltmeisterschaft spiegelt den aktuellen Leistungsstand des deutschen Teams realistisch wider. Und so ist Bundestrainer Josef Jaglowski trotz aller Höhen und Tiefen während des Turniers nicht unzufrieden mit dem Abschneiden seiner Mannschaft. "Es ist ein bisschen kurios. Wir haben das Turnier mit einem Sieg gegen Japan angefangen und haben mit einem Sieg gegen Japan aufgehört. Ich bin wirklich sehr zufrieden, wir haben auf unserem Level gut gespielt. Glückwunsch an meine Mannschaft, sie hat den Matchplan zu 100 Prozent umgesetzt und vor allem im zweiten Viertel haben wir beim 12:0 eine Top-Defense gesehen", so Jaglowski nach dem Spiel. "Die Weltmeisterschaft hat uns aber auch gezeigt, in welche Richtung es gehen muss und woran wir noch arbeiten müssen", analysierte Jaglowski weiter.
"Wir wollen irgendwann wieder um Medaillen mitspielen"
Für Lisa Bergenthal "ist der siebte Platz definitiv mit ganz viel Luft nach oben. Wir wollen in den nächsten Jahren weiter besser werden, angreifen und irgendwann wieder um Medaillen mitspielen." Die Mannschaft befinde sich derzeit im Umbruch und müsse anfangen, noch weitere Schritte individuell zu gehen. "Ich glaube, das können wir. Wenn wir dieses Turnier betrachten, wissen wir, dass ganz viel Potenzial in dieser Mannschaft steckt", schätzte Bergenthal die Möglichkeiten ihres Teams ein.
Text: Gregor Pleßmann / DRS
