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Historischer Erfolg: Herren schlagen Titelverteidiger USA und ziehen ins WM-Halbfinale ein
Sie haben es geschafft! Die deutschen Herren haben in der TD Place Arena in Ottawa (Kanada) mit ihrem Sieg im Viertelfinale den amtierenden Weltmeister USA in die Platzierungsrunde geschickt. In einem bis zum Schluss völlig offenen Spiel hatte das Team von Bundestrainer Jan Haller beim 67:64-Erfolg am Ende die Nase hauchdünn vorn.
Damit steht eine deutsche Herrenmannschaft nach 53 Jahren erstmals wieder in einem Halbfinale bei einer Weltmeisterschaft und könnte den Traum von einer Medaille, nach Bronze bei den Paralympics 2024 in Paris und EM-Bronze im Jahr darauf, auch bei der WM in Ottawa Wirklichkeit werden lassen. Topscorer im deutschen Team war Alikasandr Halouski mit 23 Punkten. Jorge Salazar führt die Scorerliste der USA mit 26 Punkten an.
"Es war heute eine geile Teamleistung, Wir haben von der ersten Sekunde bis zu letzten an einen Erfolg geglaubt, haben stark verteidigt und die US-Amerikaner zu schweren Würfen gezwungen, die sie nicht unbedingt haben wollten", fasste Co-Kapitän Thomas Böhme, der von den Emotionen noch etwas überwältigt war, die Partie zusammen. "Heute hat die Defense den Unterschied gemacht. Und wir haben uns nicht nervös machen lassen, es war einfach eine unfassbar tolle Teamleistung."
Die US-Boys hatten den etwas besseren Start in die Partie und gingen mit 10:4 in Führung, ehe Thomas Böhme mit einem Dreier konterte und Matthias Güntner mit seiner ersten Aktion nach seiner Einwechslung auf 9:10 verkürzte (7. Min.). Böhme sorgte mit seinem Treffer zum 13:12 für die erste Führung, die bis zur Viertelpause aber schon wieder wechselte.
Es entwickelt sich ein Spiel auf Augenhöhe, das vor allem durch die Defensivarbeit auf beiden Seiten geprägt war. Immer wenn ein Team sich einen kleinen Vorsprung erarbeitete konnte, holte der Gegner mit einem Dreier oder einem kurzen Lauf die Führung zurück. Nach 17:14 durch Güntners verwandelte Freiwürfe, konnten Tobias Hell, Alexander Budde und der eingewechselte Aliaksandr Halouski den zwischenzeitigen Führungswechsel zum Stand von 28:26 (19.) wieder drehen, ehe Jacob Williams mit einem Drei-Punkte-Wurf den 29:28-Halbzeitstand markierte.
Auch das dritte Viertel verlief nach ähnlichem Muster ab, wobei am Ende das deutsche Team einen kleinen Vorteil erzielen konnte. Halouski und Böhme punkteten in dieser Phase mit einer hohen Treffsicherheit, während Brian Bell und Jorge Salazar für ihre Farben trafen. Fünf Punkte Vorsprung konnte sich die deutschen Herren erarbeiten (40:35, 27.), der bis zur Viertelpause aber wieder auf einen Punkt zusammen schmolz.
Ausgeglichen bis zum Schluss
Im letzten Viertel musste also die Entscheidung fallen, und bis wenige Sekunden vor Schluss war nicht klar, zu Gunsten welcher Mannschaft sie ausfallen würde. Bis 37 vor Schluss wechselte die Führung fünf mal, auch weil Halouski in der 36. Minute einen Dreier versenken konnte. Budde netzte dann zum 65;64 ein (40.) und Böhme, der quasi mit der Schlusssirene beim Drei-Punkte-Wurf gefoult wurde, brachte zwei seiner drei Freiwürfe seelenruhig im Netz unter zum 67:64-Endstand.
Danach kannte der Jubel auf deutscher Seite keine Halten mehr. Spieler und Staff fielen sich in die Arme, alle wurden geherzt und gedrückt. Die mitgereiste deutsche Fangruppe aus Eltern und Freunden der Spielerinnen und Spieler und auch die Damennationalmannschaft ließen es sich nicht nehmen, allen im Team zu diesem besonderen Erfolg zu gratulieren.
»Ganz viel Herz und der Glaube, dass man es schaffen kann«, war für Bundestrainer Jan Haller einer der ausschlaggebenden Punkte zum Erfolg über den Weltmeister. »Und eine extrem starke Verteidigungsarbeit von der ganzen Mannschaft. Es war nicht einfach. Die US-Amerikaner haben nicht locker gelassen, sind auch nicht umsonst Titelverteidiger und Paralympics-Sieger. Das ist eine Mannschaft, die du in einem ›Do-or-Die-Spiel‹ erstmal schlagen musst. Also größter Respekt an jeden einzelnen von uns, der da heute auf dem Feld gestanden hat.«
Haller nutze die Gelegenheit dann noch, um sich ausdrücklich bei den deutschen Damen für die Unterstützung zu bedanken. "Wir haben uns sehr gefreut, dass das Team uns heute unterstützt hat. Wir wünschen dem Team noch ganz viel Erfolg bei den nächsten Spielen."
Im Halbfinale steht den deutschen Herren mit den Australiern ein Team gegenüber, das, so Bundestrainer Haller, „einen sehr attraktiven Rollstuhlbasketball spielt, viele Dreier wirft und enorm schnell agiert. Das Team will den Tag Spielpause nutzen um sich zu regenerier und sich auf die nächste schwere Aufgabe vorzubereiten.
Die Deutschen Damen können übrigens nachziehen. Sie spielen am Mittwoch (16.09., 12.30 Uhr EST, 18.30 Uhr deutsche Zeit) im Viertelfinale gegen Großbritannien.
Deutschland
Aliaksandr Halouski (23 Punkte/1 Dreier, RSB Thuringia Bulls), Alexander Budde (14, Thuringia Bulls), Thomas Böhme (13/1, RSV Lahn-Dill), Nico Dreimüller (7/1, Asinara Waves Torres/ITA), Matthias Güntner (6, RSV Lahn-Dill), Tobias Hell (4, CD Ilunion), Alexander Keiser (RBC Köln 99ers), Lukas Gloßner (RSB Thuringia Bulls), Julian Lammering (RSV Lahn-Dill), Maximilian Lammering (n.e., RSV Lahn-Dill), Thomas Reier (n.e., RBC Köln 99ers), Jakob Krömer (n.e.).
USA
Jorge Salazar (26 Punkte), Jacob Wiliams (17/3 Dreier), Brian Bell (14), John Boie (29, Trevon Jennifer (2), AJ Fitzpatrick (n.e.), Jerome Meyer (n.e.), Jared Arambula (n.e.), Fabian Romo (n.e.), Jorge Sanchez (n.e.), Talen Ray Jourdan (n.e.), Paul Schulte (n.e.).
