Aktuelles vom Rollstuhlbasketball im Deutschen Behindertensportverband
Geglückte Rollstuhlbasketball-Premiere bei den FISU GAMES
Zum ersten Mal ist Rollstuhlbasketball Teil der FISU University World Games. Bei den „Olympischen Spielen für Studierende“ treten die deutschen Nationalteams im 3x3 in der Jahrhunderthalle in Bochum an. Zahlreiche Zuschauer*innen jubelten den Aktiven zu und freuten sich in der Nachmittags-Session auch über die ersten deutschen Siege. Die Athlet*innen zeigten sich begeistert von der Stimmung am ersten Wettkampftag.
Es sind noch circa zehn Sekunden zu spielen, als die deutschen Frauen in ihrem ersten Spiel gegen Spanien den 9:9-Ausgleich erzielen und tosender Jubel in der Halle aufbrandet. Lange hatten die Iberinnen die Oberhand in dem Match, doch Lisa Bergenthal, Catharina Weiss, Svenja Erni und Lilly Sellak haben sich in die Partie reingekämpft und nun die Chance, mit einem Freiwurf in Führung zu gehen. Dass dieser daneben geht und Spanien quasi mit dem Abpfiff noch den entscheidenden Punkt zum Sieg wirft, ärgert die deutschen Spielerinnen zwar, trübt aber nicht die große Freude, bei den FISU Games dabei zu sein.
„Es war wirklich überwältigend, so viele Leute sind da. Wir merken, dass es ein Heimturnier ist“, lobte Lisa Bergenthal die Atmosphäre in der Jahrhunderthalle. Ähnlich sah es Thomas Reier: „Die Stimmung war stark. Wir haben uns sehr gefreut über die Fans, die da waren, gerade auch über Leute, die uns bislang nicht kennen und denen wir zeigen können, wie cool Rollstuhlbasketball ist.“ Die Herren hatten zuvor ebenfalls gegen Spanien gespielt, das Ergebnis fiel mit einem 6:19 jedoch deutlich einseitiger aus. Der Topfavorit war in dieser Partie einfach eine Nummer zu groß für Thomas Reier und seine Teamkollegen Luis Conrad, Luc Weilandt und Sören Seebold.
Es sind die ersten Gruppenspiele für die beiden deutschen Teams bei der Premiere des 3x3 Rollstuhlbasketballs bei den FISU Games. Studenten aus aller Welt treten in diversen Sportarten im Ruhrgebiet und Berlin vom 16. bis zum 27. Juli an. Am Mittwoch wurden die Spiele in der ausverkauften Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena feierlich eröffnet. Rollstuhlbasketballer Sören Seebold führte als Fahnenträger gemeinsam mit Taekwondo-Kämpferin Anya Kisskalt die deutsche Delegation an. „Es war ein wahnsinniges Gefühl, ins Stadion des MSV Duisburg reinfahren zu dürfen. Es ist mir eine große Ehre, dass ich das machen durfte“, schilderte Seebold seine Eindrücke.
3x3 Rollstuhlbasketball ist die erste und bislang einzige Para Sportart, die bei den studentischen Sommerspielen vertreten ist. Das Turnier findet zwischen dem 17. und 20. Juli in der Jahrhunderthalle in Bochum statt. Bei den Herren gibt es zwei Gruppen, Deutschland spielte am ersten Wettkampftag nach Spanien noch gegen Bulgarien. Hier waren Favoriten- und Außenseiterrolle anders verteilt, wie sich direkt von Anfang an zeigte. Diesmal saßen die ersten Würfe der Deutschen, so dass es nach knapp zwei Minuten bereits 4:0 stand. Bulgarien kam danach etwas besser in die Partie und erzielte den ein oder anderen Punkt, die deutsche Auswahl spielte jedoch weiter äußerst souverän und drehte nach der zweiten Auszeit nochmal richtig auf. So stand am Ende ein deutlicher 17:3-Erfolg für die Heimmannschaft zu Buche. Laut Spieler Luc Weilandt war der Sieg den richtigen Umstellungen zu verdanken: „Wir haben die Spielpositionen angepasst, also wo wir auf dem Feld stehen. Auch unsere Fahrwege haben wir verändert, so dass wir konkreter und direkter unsere Sachen spielen. Da haben wir uns im ersten Spiel noch schwergetan, aber das jetzt gegen Bulgarien deutlich besser umgesetzt.“
Bei den Frauen gibt es nur eine Gruppe, damit wird die deutsche Mannschaft auch sicher im Halbfinale zu sehen sein. Die Spiele in der Vorrunde sind deshalb jedoch nicht unwichtig, schließlich wollen die Spielerinnen einen Flow für das Turnier entwickeln – und das geht nur mit guten Auftritten in den ersten Matches. Nachdem gegen Spanien die Leistung, aber nicht das Ergebnis stimmte, traf die deutsche Auswahl im zweiten Vorrundenspiel auf die USA. Das Heimteam begann dominant, erspielte allerdings in den ersten gut drei Minuten nur eine 2:0-Führung. Als die USA mit zwei schnellen Punkten ausglich, drohte das Spiel zu kippen, doch die deutsche Mannschaft legte den Schalter wieder um und zeigte nun richtig starkes Rollstuhlbasketball mit tollen Spielzügen. Nach einem bemerkenswerten Run stand es 8:2 für Deutschland. „Wir mussten uns mit dem neuen Gegner erstmal etwas vertraut machen. Es hat am Anfang ein bisschen gebraucht, aber dann sind wir relativ schnell gut ins Spiel reingekommen“, beschreibt Lilly Sellak die Partie. Die USA kämpften sich zwar in die Partie zurück, konnten den deutschen Erfolg aber nicht mehr gefährden, so dass am Ende das Publikum einen 9:6-Erfolg zum Abschluss des ersten Tages feierte.
Weiter geht es für die deutschen Herren am heutigen zweiten Tag mit einem schwierigen wie richtungweisenden Duell gegen Großbritannien. Der kommende Gegner hat ebenfalls sein Spiel gegen Spanien verloren und gegen Bulgarien einen hohen Sieg eingefahren. Es wird also ein Duell auf Augenhöhe erwartet. Die Damen treffen im letzten Gruppenspiel auf Brasilien und werden als Favorit in die Partie gehen. Beide Teams haben einen Sieg angepeilt – sollte dies gelingen, wird die Stimmung bei den FISU GAMES wohl nur noch besser werden.
Text: Paul Foreman / DBS
