Aktuelles vom Para Radsport im Deutschen Behindertensportverband
Ulmann schrammt an Podium vorbei: Pech und Pannen bei Para Radsport-WM
Am dritten Wettkampftag der Para Radsport-WM im US-amerikanischen Huntsville erlebte das deutsche Nationalteam ein Auf und Ab. Bei den Straßenrennen der Dreiräder und Handbikes blieb die Mannschaft von Bundestrainer Gregor Lang ohne weitere Medaille. WM-Debütant Daniel Ulmann (H3) verpasste als Vierter das Podium knapp. Zeitfahr-Weltmeister Maximilian Jäger (T2) stürzte kurz auf Medaillenkurs liegend und belegte am Ende Rang fünf.
In einem umkämpften Straßenrennen der Handbike-Klasse H3 über 69 Kilometer unterstrich Daniel Ulmann nach seiner Bronze-Medaille im Zeitfahren seine Klasse. Der WM-Debütant fuhr mit der absoluten Weltspitze mit und sicherte sich im Zielsprint nach 1:39,51 Stunden zwei Sekunden hinter Sieger Johan Quaile aus Frankreich den vierten Platz. Ulmann bestätigt damit eindrucksvoll, dass er ein neues Ass im Ärmel des Bundestrainers ist. „Dieser Leistungssprung bei mir überrascht mich selbst. Ich bin überwältigt von dieser WM und den Erfahrungen hier. Einfach brutal gut“, sagt der 45-Jährige. „Im Rennen habe ich mich vier Kilometer vor dem Ziel unbesiegbar gefühlt und das Tempo angezogen. Die Kraft hat am Ende gefehlt, aber es ist klar, dass ich noch Lehrgeld zahle. Ich werde weiter hart trainieren und an mir arbeiten.“ Teamkollege Johannes Hänle zeigte eine starke Leistung, war bis zum Schluss ganz vorne mit dabei und fuhr auf den neunten Rang. Johannes Herter musste das Rennen vorzeitig beenden.
Im H2-Straßenrennen erwischte Handbiker Manuel Scheichl erneut das Pech. Nachdem dem Bayer bereits am Freitag vor dem Zeitfahren kurz vor dem Start der Rennanzug gerissen war, verhinderte am Sonntag Treibgut eine vordere Platzierung: Ein Ast verfing sich in den Speichen seines Handbikes und kostete ihn den Anschluss an die Spitzengruppe. Scheichl belegte letztlich Platz fünf. „Es ist schon schade, weil ich dieses Jahr richtig gut in Form bin. Bei dieser WM war viel Pech dabei, trotzdem bin ich mit beiden Auftritten von mir zufrieden.“
Unverschuldeter Sturz stoppt Jäger, Dreock-Käser und Majunke auf den Plätzen sechs und sieben
Im Dreirad-Straßenrennen lag Maximilian Jäger (T2) bis kurz vor Schluss aussichtsreich in einer fünfköpfigen Spitzengruppe. Gut zwei Kilometer vor dem Ziel kam es in der Schlussphase jedoch zum Sturz: Der 26-jährige Bad Brückenauer wurde abgedrängt und fiel auf die rechte Seite. Jäger fuhr das Rennen zu Ende, musste sich jedoch mit Rang fünf begnügen. „Ich hatte gute Beine und war voll im Kampf um die Medaillen dabei. Dass ich so abgedrängt wurde, ist extrem ärgerlich“, sagte Jäger. „Genau das ist aber Rennen fahren und deshalb habe ich mich für diesen Sport entschieden: Es geht immer um den Kampf, bis zur letzten Kurve.“ Bundestrainer Gregor Lang bestärkte seinen Athleten: „Maxi hatte keine Schuld an dem Zusammenstoß - im Gegenteil. Wir müssen jetzt akzeptieren, wie es gelaufen ist.“
Auch das Straßenrennen der Frauen-Klasse war von Dramatik geprägt. Im Kampf um die Medaillen stürzten zwei Konkurrentinnen im Zielbereich schwer. Die beiden deutschen Dreiradfahrerinnen Angelika Dreock-Käser und Jana Majunke blieben unverletzt und erreichten auf den Rängen sechs und sieben das Ziel. Die 59-jährige Dreock-Käser, die mit der Bronze-Medaille aus dem Zeitfahren im Gepäck die Heimreise antreten wird, betonte: „Heute konnte man froh sein, nicht ganz vorne um die Medaillen mitgefahren zu sein. Der Sturz im Zielbereich sah schlimm aus. Am Ende ist es das Wichtigste, gesund wieder nach Hause zu fahren.“
WM-Finale am Montag der Zweirad-Klassen und Tandems
Am Montag (7. September) stehen zum Abschluss der WM in Alabama die Straßenrennen der Zweirad- und Tandem-Klassen sowie das abschließende Handbike Mixed Team Relay auf dem Programm. Pierre Senska und Michael Teuber (C1), Silbermedaillengewinnerin Marie Quellhorst (C3), Vanessa Laws (C4), Jakob Klinge (C5) sowie die beiden Frauen-Tandems hoffen noch einmal auf vordere Platzierungen.
Text: Jessica Balleer / DBS
Der deutsche Kader bei der Para Radsport-WM in Huntsville:
Angelika Dreock-Käser (59 / Bremervörde / BPRSV), Johannes Hänle (31 / Stuttgart / RSKV Tübingen), Johannes Herter (43 / Lemgo / RSV Tempo Linie), Maximilian Jäger (26 / Bad Kissingen / BPRSV), Jakob Klinge (30 / Erlangen / RC Herpersdorf), Vanessa Laws (22 / Ludwigsfelde / BPRSV), Jana Majunke (36 / Cottbus / BPRSV), Marie Quellhorst (27 / Minden / BPRSV), Anja Renner (40 / Neuburg a. d. Donau / RSV Irschenberg) mit Antonia Milowsky, Manuel Scheichl (45 / Rotthalmünster / RSLC Holzkirchen), Pierre Senska (38 / Berlin / BPRSV), Michael Teuber (58 / Tegernsee / BSV München), Daniel Ulmann (45 / Freiburg / GC Nendorf), Leonie Walter (23 / SC St. Märgen / Sankt Märgen) mit Pilotin Corinna Lechner
Die deutschen WM-Medaillengewinner*innen:
Gold: Maximilian Jäger (Zeitfahren, T2)
Silber: Marie Quellhorst (Zeitfahren, C3)
Bronze: Angelika Dreock-Käser (Zeitfahren, T2), Daniel Ulmann (Zeitfahren, H3)
