Aktuelles vom Para Radsport im Deutschen Behindertensportverband
Traumstart in der Hitze von Huntsville: WM-Gold und zweimal Bronze
Bei der Para Radsport-WM im US-amerikanischen Huntsville präsentiert sich die deutsche Nationalmannschaft zum Auftakt in Topform. Am ersten Wettkampftag holte das Team von Bundestrainer Gregor Lang im Einzelzeitfahren gleich drei Medaillen. Dreiradfahrer Maximilian Jäger krönte sich in der T2-Klasse zum Weltmeister. Angelika Dreock-Käser (T2) und WM-Debütant Daniel Ulmann (H3) fuhren jeweils zu Bronze.
Bei drückenden Temperaturen von 36 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit verlangten die Straßen von Alabama den Athletinnen und Athleten alles ab. Der Veranstalter aktivierte ein spezielles Hitzeprotokoll mit Kühlstationen, Eis- und Wasserversorgung an der Strecke sowie veränderten Verpflegungsregeln während der Rennen. Das deutsche Betreuerteam steuerte ebenfalls intensiv gegen: mit Kühlwesten, Ventilatoren sowie einem Planschbecken mit eiskaltem Wasser, um die Körperkerntemperatur vor und nach den Rennen stabil zu halten.
Gold-Krimi auf dem Dreirad mit Happy End
Den goldenen Auftakt besorgte Maximilian Jäger am ersten Wettkampftag nach einem wahren Krimi. Der 26-Jährige bewies im Zeitfahren auf dem Dreirad über 14,6 Kilometer Stehvermögen und gab bis zum letzten Meter alles. Das zahlte sich aus: Hauchdünne 1,01 Sekunden trennten ihn am Ende vom zweitplatzierten Calum O'Neill (Großbritannien) dank einer starken Aufholjagd. Für Jäger ist es nach Glasgow vor drei Jahren der zweite WM-Titel im Einzelzeitfahren. Im Ziel übermannten den Bad Brückenauer die Gefühle: „Ich bin einfach überwältigt. Ich habe so hart trainiert und konnte hier trotz der Hitze alles rausholen. Als im Ziel klar war, dass es für Gold reicht, wusste ich, dass sich die harte Arbeit in den Trainingslagern und daheim gelohnt hat.“
Für die zweite Medaille des Tages sorgte wenige Minuten danach Angelika Dreock-Käser in der Klasse T2. Mit einer Steigerung ihrer persönlichen Bestzeit auf dieser Strecke um eine gute Minute im Vergleich zum Weltcup vor drei Jahren sicherte sie sich hinter Celine van Till (Schweiz) und Emma Lund (Dänemark) verdient Bronze. Ihre Teamkollegin Jana Majunke erreichte einen guten fünften Platz. „Heute hatte ich sehr gute Beine und habe nach und nach die Konkurrentinnen überholt. Es war perfekt“, sagte die 59-jährige Dreock-Käser.
Die Überraschung des Tages gelang Daniel Ulmann in der stark besetzten Handbike-Klasse H3. Bei seiner ersten Straßen-WM fuhr der Debütant über 29,2 Kilometer auf Anhieb zu Bronze. „Brutal war das“, sagte er im Ziel. „Ich kann die Medaille noch gar nicht richtig einordnen, weil ich damit nicht gerechnet habe. Es ist unglaublich und ich bin sehr happy.“ Johannes Hänle und Johannes Herter belegten die Plätze 13 und 16. Ein bitterer Mittag wurde es für H2-Fahrer Manuel Scheichl, der zwar einen sehr guten sechsten Platz einfuhr, kurz vor dem Rennen aber Körner und Konzentration ließ, als sein Rennanzug riss und die Abläufe durcheinanderbrachte.
Feuerwerk gezündet: „Respekt vor diesen Leistungen bei extremen Bedingungen“
Bundestrainer Gregor Lang zeigte sich nach WM-Tag eins zufrieden: „Drei Medaillen zum Auftakt sind ein toller Start. Die Spitzengruppe bei der Goldmedaille lag sehr eng zusammen, aber Maxi ist eine perfekte Linie und taktisch klug gefahren. Kurz vor dem Ende lag er noch zehn Sekunden hinter dem bis dato führenden Briten. Als wir ihm die Info gefunkt haben, hat er noch ein Feuerwerk gezündet. Respekt für die Leistungen aller bei diesen extremen Bedingungen.“
Am Samstag, 5. September, greifen die Zweirad- und Tandem-Klassen im Einzelzeitfahren ins Geschehen ein. Unter anderem gehen der mehrmalige Paralympics-Sieger Michael Teuber und Pierre Senska (beide C1), Vize-Weltmeisterin Marie Quellhorst (C3), Jakob Klinge (C5), Vanessa Laws (C4) sowie die Tandems auf Medaillenjagd.
Text: Jessica Balleer / DBS
Der deutsche Kader bei der Para Radsport-WM in Huntsville:
Angelika Dreock-Käser (59 / Bremervörde / BPRSV), Johannes Hänle (31 / Stuttgart / RSKV Tübingen), Johannes Herter (43 / Lemgo / RSV Tempo Linie), Maximilian Jäger (26 / Bad Kissingen / BPRSV), Jakob Klinge (30 / Erlangen / RC Herpersdorf), Vanessa Laws (22 / Ludwigsfelde / BPRSV), Jana Majunke (36 / Cottbus / BPRSV), Marie Quellhorst (27 / Minden / BPRSV), Anja Renner (40 / Neuburg a.d. Donau / RSV Irschenberg) mit Antonia Milowsky, Manuel Scheichl (45 / Rotthalmünster / RSLC Holzkirchen), Pierre Senska (38 / Berlin / BPRSV), Michael Teuber (58 / Tegernsee / BSV München), Daniel Ulmann (45 / Freiburg / GC Nendorf), Leonie Walter (23 / SC St. Märgen / Sankt Märgen) mit Pilotin Corinna Lechner
Die deutschen WM-Medaillengewinner*innen:
Gold: Maximilian Jäger (Zeitfahren, T2)
Bronze: Angelika Dreock-Käser (Zeitfahren, T2), Daniel Ulmann (Zeitfahren, H3)
