Aktuelles vom Para Radsport im Deutschen Behindertensportverband
Para Radsport: Mit gezielter Kühlstrategie auf WM-Medaillenjagd
Bei den Straßen-Weltmeisterschaften im US-amerikanischen Huntsville (4. bis 7. September) könnte die Südstaaten-Hitze zum Faktor werden: Temperaturen über 30 Grad erwarten die Para Radsport-Nationalmannschaft. Das Team um Bundestrainer Gregor Lang hofft auf eine zweistellige Medaillenausbeute. Entscheidende Vorteile soll eine gezielte Kühlstrategie bringen.
14 Athletinnen und Athleten sowie zwei Tandem-Pilotinnen gehen im US-Bundesstaat Alabama für Deutschland an den Start. In der WM-Vorbereitung stand nicht nur das Sportliche im Fokus, sondern auch das Thema Hitzeschutz. Neben Kühlakkus für die Rennanzüge und Hilfsmitteln wie Ventilatoren kurz vor dem Start wollen Bundestrainer Lang und Co-Trainer Marcel Berger ihre Athlet*innen auch während der Rennen mit kalten Wasserduschen kühl halten. „Du kannst so gut trainiert sein, wie du willst. Es wird bei den Temperaturen darauf ankommen, nicht zu überhitzen, damit die Leistung auch abrufbar ist“, sagt Lang. Besonders wichtig sei die Kühlung über die Handflächen. „Das ist ein Ansatz, der vor allem unseren Handbikern zugutekommt, die bei intensiven Belastungen extrem schnell überhitzen.“ Lang hofft auf eine zweistellige Medaillenausbeute – und mindestens einen WM-Titel.
Bei der Straßen-WM 2025 in Belgien sprangen 13 Medaillen für das deutsche Team heraus, aber kein Gold. Zur sportlichen Vorbereitung auf den Saison-Höhepunkt hat ein Großteil der Mannschaft ein zweiwöchiges Trainingslager in Freiburg absolviert. „Live high, train low“ lautete die Trainingsmethode. „Die Athletinnen und Athleten schlafen auf über 2000 Metern, trainieren aber bewusst nicht in der Höhe. Wir glauben, dass dieser Ansatz besser zu den kurzen, intensiven Belastungen passt, die im Para Radsport gefragt sind“, erklärt Lang. Lediglich die Zweiradfahrer Jakob Klinge und Michael Teuber haben sich im Höhentrainingslager in Livigno (Italien) vorbereitet.
Marie Quellhorst, Vanessa Laws und Jakob Klinge gehören nach EM-Gold zu den Medaillenanwärter*innen
Zu den Mit-Favoritinnen auf einen Weltmeistertitel zählen die noch jungen Athletinnen Vanessa Laws (C4) und Marie Quellhorst (Klasse C3). Beide gewannen kürzlich EM-Gold. Quellhorst hatte bei ihrem WM-Debüt 2025 überraschend Silber im Zeitfahren und Platz vier im Straßenrennen belegt (hier geht's zum Porträt über Marie Quellhorst). „Mein WM-Traum ist es natürlich, ganz oben auf dem Podium zu stehen und das Regenbogentrikot mit nach Hause nach Göttingen zu nehmen. Ich weiß aber auch, wie stark die Konkurrenz ist“, sagt die 27-Jährige.
Auch bei den männlichen Zweiradfahrern sind Medaillen in Reichweite. Neben Jakob Klinge (C5), der als amtierender Europameister im Straßenrennen antritt, gehören Pierre Senska und Michael Teuber zu den Medaillenkandidaten. Teuber hatte bei der WM 2025 in einem stark besetzten Feld Bronze im Straßenrennen gewonnen. Der Bayer hat bereits an 17 Straßen-Weltmeisterschaften teilgenommen und insgesamt 28 Medaillen gewonnen, davon 15 WM-Titel. „Meine WM-Vorbereitung lief reibungslos. Die Form ist dank des planmäßigen Aufbaus sogar besser als 2025. Ich bin bereit für die WM“, sagt der 58-Jährige. „Es wird das größte C1-Feld aller Zeiten am Start stehen, weil viele Athleten aus der C2-Klasse herunterklassifiziert wurden. Trotzdem ist es mein Ziel, im Zeitfahren in die Top Fünf zu fahren.“
Im Aufgebot sind zudem zwei Frauen-Tandems mit Fahrerinnen, die aus anderen paralympischen Sportarten in den Para Radsport gewechselt sind: Anja Renner mit Pilotin Antonia Milowsky sowie Leonie Walter mit Corinna Lechner. Beide Duos haben sich in den vergangenen Monaten im Rahmen des Exzellenzclusters des Deutschen Behindertensportverbands, das Synergien im paralympischen Spitzensport verfolgt, mehrfach bewährt.
In der H3-Klasse der Männer kommt es zur Premiere: Erstmals ist mit Johannes Hänle, Johannes Herter und Daniel Ulmann ein deutsches Trio gemeldet. „Im Training haben wir eine Strategie für das Straßenrennen erarbeitet, die ihnen einen Vorteil verschaffen soll“, sagt Lang. Im H2-Teilnehmerfeld ist Manuel Scheichl ein Geheimfavorit auf eine Medaille. Er zeigte sich im bisherigen Saisonverlauf in Top-Form. Der 45-Jährige holte jüngst EM-Bronze im Zeitfahren und belegte Platz vier im Straßenrennen.
Auch auf dem Dreirad ist Langs Team gewohnt stark besetzt: In der T2-Konkurrenz haben Angelika Dreock-Käser und Jana Majunke bei den Frauen sowie der Bad Brückenauer Maximilian Jäger bei den Männern in der Vergangenheit verlässlich Medaillen gesammelt. Dreock-Käser gewann 2025 zweimal WM-Silber. Jäger wurde Vize-Weltmeister im Zeitfahren.
Insgesamt werden rund 40 Nationen in Huntsville erwartet. Das deutsche Team reist mit klaren Ambitionen und einer gezielten Vorbereitung in die USA – sportlich wie klimatisch.
Weitere Informationen und Ergebnisse gibt es auf der Webseite des internationalen Verbands.
Wissenswertes rund um die Sportart Para Radsport sind auf unserer Online-Plattform parasport.de zu finden.
Text: Jessica Balleer / DBS
Der deutsche Kader bei der Para Radsport-WM in Huntsville:
Angelika Dreock-Käser (59 / Bremervörde / BPRSV), Johannes Hänle (31 / Stuttgart / RSKV Tübingen), Johannes Herter (43 / Lemgo / RSV Tempo Linie), Maximilian Jäger (26 / Bad Kissingen / BPRSV), Jakob Klinge (29 / Erlangen / RC Herpersdorf), Vanessa Laws (22 / Ludwigsfelde / BPRSV), Jana Majunke (36 / Cottbus / BPRSV), Marie Quellhorst (27 / Minden / BPRSV), Anja Renner (40 / Neuburg a.d. Donau / RSV Irschenberg) mit Antonia Milowsky, Manuel Scheichl (45 / Rotthalmünster / RSLC Holzkirchen), Pierre Senska (38 / Berlin / BPRSV), Michael Teuber (58 / Tegernsee / BSV München), Daniel Ulmann (45 / Freiburg / GC Nendorf), Leonie Walter (23 / SC St. Märgen / Sankt Märgen) mit Pilotin Corinna Lechner
