Aktuelles vom Para Radsport im Deutschen Behindertensportverband
Para Radsport: Aus dem Ruderboot und von der Piste zur Bahn-WM
Die Para Radsport-Elite kämpft bei der Bahn-WM im niederländischen Apeldoorn (29. Oktober bis 1. November) um die letzten Weltmeistertitel des Jahres. Bundestrainer Gregor Lang schickt eine achtköpfige deutsche Auswahl ins Velodrom Omnisport – und blickt gespannt auf die neu formierten Tandems um Ex-Ruderer Marc Lembeck mit Pilot Robert Förstemann sowie Nachwuchstalent Maya Fügenschuh, die bei den Paralympics im März noch auf der Alpin-Piste unterwegs war.
Die deutsche Mannschaft buhlt im Feld von rund 240 Sportler*innen aus 46 Nationen um die begehrten Regenbogentrikots und um vordere Plätze. Mit dabei ist etwa der fünffache Paralympics-Goldmedaillengewinner Michael Teuber (C1). Auch die Weltcup- und WM-erfahrenen Manuel Korber (C3) und Jakob Klinge (C5) sind nominiert. Mit Marie Quellhorst (C3), Lara Wolleschensky (C3) und Vanessa Laws (C4) starten drei deutsche Frauen in den C-Klassen, während Leistungsträger Pierre Senska aus gesundheitlichen Gründen fehlt.
Intensive Vorbereitung im Trainingslager
Zur WM-Vorbereitung hatten Bundestrainer Gregor Lang, Co-Trainer Marcel Berger und Bahn-Trainer Reneé Schmidt das Team zum Trainingslager ins Sportforum Büttgen eingeladen. Der Fokus lag auf Start- und Techniktraining sowie der Vorbelastung für die Ausdauer-Disziplinen Scratch und Elimination. Lang ordnet die Ausgangslage realistisch ein: „Das war eine lange Saison für alle, aber wir wollen für den Saisonendspurt noch mal alles rausholen und Top-Leistungen bringen. Die Konkurrenz ist sehr stark und unsere Tandems sind relativ frisch zusammengesetzt, daher schauen wir in erster Linie auf Weiterentwicklung. Ob am Ende Medaillen herausspringen, werden wir sehen.“
Debüts und ein „Zukunftsprojekt“
Aufmerksamkeit dürfte das neu formierte Männer-Tandem auf sich ziehen. An der Seite des erfahrenen Tandem-Piloten und Olympia-Medaillengewinners Robert Förstemann, der inzwischen seit rund acht Jahren im Para Radsport aktiv ist und bereits fünf WM-Medaillen mit verschiedenen Partnern gewonnen hat, feiert Marc Lembeck sein Debüt auf der Bahn. Für den 37-Jährigen ist es nach Para Leichtathletik und Para Rudern bereits die dritte paralympische Sportart – 2008 erlebte er die Paralympics in Peking auf der Tartanbahn, 2024 in Paris verpasste er mit dem Mixed-Vierer die Bronzemedaille nur um sechs Hundertstel. Nun greift Lembeck, der beim Behinderten- und Rehabilitationssportverband NRW Bereichsleiter für den paralympischen Leistungssport ist, auf dem Tandem an. Sein Pilot Robert Förstemann hatte 2018 ausgerechnet in Apeldoorn seinen WM-Einstand im Para Radsport gegeben. Ein erster Wettkampf im Velodrom im schweizerischen Grenchen verlief vielversprechend, sodass für das Duo Lembeck/Förstemann im Sprint durchaus Chancen auf vordere Platzierungen bestehen – trotz der Top-Konkurrenz etwa aus Großbritannien und Australien.
Als „Zukunftsprojekt mit enormem Potenzial“ bezeichnet der Bundestrainer das weibliche Pendant mit der erst 17-jährigen Maya Fügenschuh und Bundesligafahrerin Corinna Lechner. „Maya lernt schnell. Die beiden harmonieren hervorragend und Corinna ist eine Top-Pilotin“, lobt Lang. Die Allgäuerin Fügenschuh, die vom Para Ski alpin kommt und bereits bei den Winter-Paralympics 2026 jüngste deutsche Athletin war, blickt mit Vorfreude auf ihre Premiere auf internationaler Bühne: „Auf der Bahn heißt es, auf den kurzen Distanzen Vollgas zu geben und mit einer guten Einstellung in die Rennen zu gehen. Das kenne ich aus dem Skisport und das kommt mir entgegen. Unsere Chancen sind schwer einzuschätzen, aber wir sind ein starkes Team. Vor allem über die 4000 Meter wollen wir vorne mitmischen. Darauf liegt unser klarer Fokus.“
Voll motiviert in den Saisonabschluss
Lara Wolleschensky kämpft sich nach einer Verletzungspause zurück ins Renngeschehen, während Straßen-Vizeweltmeisterin Marie Quellhorst (über 1000 Meter) sowie Vanessa Laws (Scratch / Elimination) Außenseiterchancen auf eine Medaille haben. Jakob Klinge reist mit viel Selbstvertrauen zu den Starts in der C5-Klasse an: „Das Trainingslager ist erfolgreich absolviert. Ich fühle mich richtig gut in Form und bin motiviert, zum Saisonende jetzt noch mal Gas zu geben. Mein Ziel ist es, ganz vorne reinzufahren und die Top fünf zu schaffen. Eine erste WM-Medaille wäre ein Traum, aber das ist natürlich kein Selbstläufer in der starken C5-Klasse.“
Weitere Informationen und Ergebnisse findet man über die Webseite des internationalen Verbandes.
Wissenswertes rund um die Sportart Para Radsport ist auf der Plattform parasport.de zu finden.
Text: Jessica Balleer / DBS
Das deutsche Aufgebot für die Para Radsport-WM auf der Bahn in Apeldoorn:
Jakob Klinge (30 Jahre / Erlangen / RC Herpersdorf 1919 e.V. / C5), Manuel Korber (37 Jahre / Mallersdorf / BSV München e.V. / C3), Vanessa Laws (22 Jahre / Ludwigsfelde / BPRSV e.V. / C4), Maya Fügenschuh (17 Jahre / Kempten / SV Kirchzarten e.V. / B – Tandem) mit Corinna Lechner (32 Jahre / Fürstenfeldbrück / SV Aufbau Altenburg e.V. / B), Marc Lembeck (37 Jahre / Solingen / RSV Werner Otto Berlin e.V. / B) mit Robert Förstemann (40 Jahre / Greiz / RSV Werner Otto Berlin e.V. / B), Marie Quellhorst (27 Jahre / Minden / BPRSV e.V. / C3), Michael Teuber (58 Jahre / Tegernsee / BSV München e.V. / C1), Lara Wolleschensky (29 Jahre / Apolda / BPRSV e.V. / C3)
