Aktuelles vom Para Radsport im Deutschen Behindertensportverband
Fünf Medaillen trotz Hitze in Huntsville: Senska krönt WM-Abschluss mit Bronze
Das deutsche Para Radsport-Nationalteam reist mit fünf Medaillen von den Weltmeisterschaften im amerikanischen Huntsville nach Hause. Bei drückenden Temperaturen von bis zu 40 Grad an allen Wettkampftagen beendete das Aufgebot von Bundestrainer Gregor Lang die Titelkämpfe mit einmal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze. Pierre Senska sprintete am letzten Wettkampftag auf Platz drei.
Im Zeitfahren trumpfte das deutsche Team auf: Dreiradfahrer Maximilian Jäger (T2) sorgte in dieser Disziplin für den einzigen deutschen WM-Titel und fährt mit dem begehrten Regenbogen-Trikot nach Hause. Darüber hinaus wurde Marie Quellhorst (C3) wie schon 2025 Vize-Weltmeisterin. Dreiradfahrerin Angelika Dreock-Käser holte ebenso Bronze wie WM-Debütant und Handbiker Daniel Ulmann (H3). Die einzige deutsche Medaille im Straßenrennen steuerte Pierre Senska am Abschlusstag mit Rang drei in der C1-Klasse zur Bilanz bei.
Bei der WM in Huntsville kämpften rund 350 Athletinnen und Athleten aus 49 Nationen um die Medaillen. Neben der starken Konkurrenz entwickelte sich wie befürchtet die Hitze zu einem entscheidenden Faktor auf den Kursen. Bundestrainer Gregor Lang sprach im Resümee von einer „durchwachsenen“ WM: „Die Hitze war trotz aller Kühlmaßnahmen ein Faktor. 37 bis 40 Grad sind keine optimalen Bedingungen für Bestleistungen, aber damit mussten alle zurechtkommen“, sagte Lang. „Ich hätte schon mit der ein oder anderen weiteren Medaillen für uns gerechnet. Häufig hat das letzte Quäntchen Glück gefehlt. Bei den Handbikern ist es nicht rund gelaufen, Maximilian Jäger lag vor seinem Sturz im Straßenrennen auf Medaillenkurs und Marie Quellhorst war im Straßenrennen auch nah am Podium. Wir haben als Team aber eine sehr gute Entwicklung genommen und sind mit Blick auf das kommende Qualifikationsjahr für die Paralympics 2028 auf dem richtigen Weg.“
Packendes Finish: Bronze für Pierre Senska
Pierre Senska setzte am letzten Wettkampftag das sportliche Ausrufezeichen aus deutscher Sicht: Der 38-jährige Berliner sprintete nach 69 Kilometern in einem packenden Finish zu Bronze und sicherte dem Team das fünfte Edelmetall. Damit setzte sich eine beeindruckende Serie fort: in der C1-Klasse holte Deutschland bislang bei jeder Para Radsport-WM mindestens eine Medaille. Routinier Michael Teuber (58), der zahlreiche davon gewonnen hat, wurde mit nur vier Sekunden Rückstand auf die Spitze Achter. Senska: „Vor dem Start heute Morgen ging es mir nicht gut, daher kam mir das gemäßigte Tempo am Anfang entgegen. Für mich persönlich ist Bronze ein perfekter WM-Abschluss. Entscheidender ist aber, dass ich meine Form weiter aufbaue und im kommenden Jahr auf dem Peak bin, um mich für die Paralympischen Spiele zu qualifizieren.“
Im schnellen Straßenrennen der Frauen-Tandems über 82,8 Kilometer – ausgetragen bei einem Durchschnittstempo von über 40 km/h – zeigten die deutschen Duos starke Leistungen: Leonie Walter mit Pilotin Corinna Lechner verpassten das Podium als Vierte nach Schlussspurt nur knapp. Anja Renner und Pilotin Antonia Milowsky fuhren wenige Sekunden später auf Rang sechs über die Linie.
In der C5-Konkurrenz lieferte Jakob Klinge ein engagiertes Rennen ab und sicherte sich in der wohl am härtesten umkämpften Klasse einen sehr guten zehnten Rang. „Es gab immer wieder Attacken der Nationen, die mit zwei Fahrern im Feld waren, das hat Kraft gekostet. Ich bin trotzdem sehr zufrieden.“ Vanessa Laws (WC4) belegte nach ihrem vierten Platz im Zeitfahren Rang acht im Straßenrennen.
Vize-Weltmeisterin Quellhorst: „Aus dem Traum noch nicht aufgewacht“
Marie Quellhorst (C3) überquerte das Ziel im Straßenrennen als Fünfte, reist jedoch als frischgebackene Vize-Weltmeisterin im Zeitfahren aus den USA zurück nach Göttingen. „Ich träume weiter von WM-Gold und einer Medaille im Straßenrennen, noch bin ich aus dem Traum nicht aufgewacht. Als ich auf dem Podium auf der Zwei stand, habe ich zur Seite geschaut und gedacht: Nächstes Jahr will ich ganz oben stehen“, betont die 27-Jährige, die als eines der größten Talente im deutschen Team gilt.
Marcel Berger, Co-Trainer des Para Radsport-Nationalteams, ordnete ihre Entwicklung ein: „Marie kann mit ihren Leistungen zufrieden sein. Sie ist erst in ihrer zweiten Saison und wir können noch sehr viel Potenzial heben. Der Weg nach ganz oben ist schwer. Beide WM-Rennen vervollständigen unser positives Bild als Trainer. Nun gilt es, ihren Erfolgshunger und die Motivation hochzuhalten.“
Maximilian Jäger: „Ich kann es selbst kaum fassen, im Zeitfahren den Weltmeistertitel geholt zu haben. Ich habe alles reingelegt und es hat sich ausgezahlt – ich bin einfach überglücklich. Im Straßenrennen bin ich dann leider gestürzt, was extrem ärgerlich war. Aber genau das ist Rennfahren: Es geht immer um den Kampf bis zur letzten Kurve. Es gibt Tage, an denen man ganz oben steht, und Tage, an denen man Lehrgeld zahlt.“
Angelika Dreock-Käser: „Bronze im Einzelzeitfahren war ein sehr guter Start in die WM. Ich hatte gute Beine und die Hitze hat mir zum Glück weniger ausgemacht als befürchtet. Im Straßenrennen konnten Jana Majunke und ich zwar nicht ganz vorne mitfahren, aber das war im Nachhinein vielleicht sogar unser Glück. So sind wir dem schweren Sturz in der Spitzengruppe entgangen.“
Daniel Ulmann: „Bei meiner ersten WM waren das extrem brutale Rennen. Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich schon so einen Leistungssprung gemacht habe – das hat mich total positiv überrascht. Hier direkt mit Bronze im Zeitfahren und Platz vier im Straßenrennen rauszugehen, ist für mich ein riesiges Ding. Ich trainiere jetzt genauso konsequent weiter und schaue, wohin der Weg noch führt.“
Text: Jessica Balleer / DBS
Der deutsche Kader bei der Para Radsport-WM in Huntsville:
Angelika Dreock-Käser (59 / Bremervörde / BPRSV), Johannes Hänle (31 / Stuttgart / RSKV Tübingen), Johannes Herter (43 / Lemgo / RSV Tempo Linie), Maximilian Jäger (26 / Bad Kissingen / BPRSV), Jakob Klinge (30 / Erlangen / RC Herpersdorf), Vanessa Laws (22 / Ludwigsfelde / BPRSV), Jana Majunke (36 / Cottbus / BPRSV), Marie Quellhorst (27 / Minden / BPRSV), Anja Renner (40 / Neuburg a.d. Donau / RSV Irschenberg) mit Antonia Milowsky, Manuel Scheichl (45 / Rotthalmünster / RSLC Holzkirchen), Pierre Senska (38 / Berlin / BPRSV), Michael Teuber (58 / Tegernsee / BSV München), Daniel Ulmann (45 / Freiburg / GC Nendorf), Leonie Walter (23 / SC St. Märgen / Sankt Märgen) mit Pilotin Corinna Lechner
Die deutschen Medaillen bei der WM in Huntsville im Überblick:
Gold: Maximilian Jäger (T2 / Einzelzeitfahren)
Silber: Marie Quellhorst (C3 / Einzelzeitfahren)
Bronze: Angelika Dreock-Käser (T2 / Einzelzeitfahren), Daniel Ulmann (H3 / Einzelzeitfahren), Pierre Senska (C1 / Straßenrennen)
