Aktuelles vom Para Radsport im Deutschen Behindertensportverband
Doppelschlag in Bayern: Titel-Krimis und starke Premieren auf Bahn und Straße
Mit einem packenden Wettkampf-Doppelpack in Bayern hat der deutsche Para Radsport den nationalen Saisonabschluss gefeiert. Nur wenige Wochen nach den extremen Hitzeschlachten und fünf Medaillengewinnen bei der Straßen-Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Huntsville standen an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden gleich zwei DM-Entscheidungen an: die Deutschen Meisterschaften im Bahnradsport in Niederpöring und die Straßenmeisterschaften in Schwabach.
Den Auftakt machten die Titelkämpfe im Isar-Radstadion in Niederpöring, die im Rahmen der Ostbayerischen und Mittelfränkischen Bahnmeisterschaften ausgetragen wurden. Auf der schnellen Freiluft-Asphaltbahn diente das Event zugleich als wichtiger Formtest für die anstehenden Bahnweltmeisterschaften, die vom 29. Oktober bis 1. November 2026 im niederländischen Apeldoorn stattfinden.
Die frischgebackene Vize-Weltmeisterin auf der Straße, Marie Quellhorst (WC3), knüpfte nahtlos an ihre Spitzenform aus den USA an: Sie sicherte sich überlegen den Sieg in der Omnium-Wertung vor Vanessa Laws (WC4) und glänzte dabei mit Bestzeiten im 200-Meter-Sprint sowie im 1000-Meter-Zeitfahren. Bei den Männern der Klassen MC4-MC5 war Kai Moser (RC Herpersdorf) das Maß der Dinge. Er dominierte alle Teildisziplinen und holte sich souverän den Omnium-Titel vor Justin Kaps und Felix Schlegel. In der Klasse MC1-MC3 setzte sich Manuel Korber (BSV München) durch und verwies Maximilian Kromen sowie Routinier Michael Teuber auf die Plätze zwei und drei. Im Teamsprint C1–C5 siegte das Trio Vanessa Laws, Manuel Korber und Christian Betz.
Ein besonderes Glanzlicht setzten die Tandem-Wettbewerbe. Bei den Männern (MB) siegte Julian Kaltenbrunner mit Pilot Lennart Lein. Im Wettbewerb der Frauen (WB) fuhren Maya Fügenschuh und ihre erfahrene Pilotin Corinna Lechner souverän zum DM-Titel im Omnium. Co-Bundestrainer Marcel Berger zeigte sich vom Auftritt des Duos beeindruckt: „Für Maya und Corinna war es erst der zweite gemeinsame Wettkampf überhaupt auf dem Tandem. Dass sie sich hier direkt so abgestimmt präsentieren und den Titel einfahren, war eine bärenstarke und in dieser Souveränität durchaus überraschende Leistung.“
Straßen-DM in Schwabach: Klinge fordert Moser, Neuling Hillerich begeistert
Eine Woche später fiel in Schwabach der finale Vorhang für die Straßensaison. Maximilian Jäger, der in Huntsville im Zeitfahren das Regenbogentrikot erobert hatte, dominierte auf dem Rundkurs die Dreirad-Klasse (T1–T2) und siegte nach 41:25 Minuten vor Thomas Neuhäuser. Bei den Frauen fuhr WM-Bronzemedaillengewinnerin Angelika Dreock-Käser ungefährdet zu Gold.
Marie Quellhorst und Kai Moser machten jeweils das Titel-Double perfekt: Quellhorst triumphierte im Straßenrennen der Frauen C1–C5, während Moser in einem packenden Rennen der Klasse C4–C5 über 46,5 Kilometer im Zielsprint knapp vor Europameister Jakob Klinge die Oberhand behielt. Das Podium komplettierte der Newcomer Sven Hillerich mit einem starken dritten Rang.
„Das Duell an der Spitze zwischen Jakob Klinge und Kai Moser war hochklassig. Kai hatte am Ende knapp die Nase vorn, aber beide haben sich absolut nichts geschenkt“, bilanzierte Marcel Berger und hob zugleich den Drittplatzierten hervor: „Besonders hervorzuheben ist auch Sven Hillerich. Für ihn war das der allererste richtige Wettkampf auf diesem Niveau und er ist auf Anhieb mit einer hervorragenden Zeit auf das Podest gefahren.“
In der Klasse C1–C3 setzte sich Maximilian Kromen in 58:44 Minuten hauchdünn vor der versammelten Routine um Michael Teuber (58:45 Minuten) und WM-Bronzegewinner Pierre Senska (58:46 Minuten) durch. Bei den Handbikern holten Johannes Hänle (H3–H5), Manuel Scheichl (H1–H2) und Julia Dierkesmann (Frauen H1–H5) die Meistertitel. Auf zwei Rädern wiederholten zudem Julian Kaltenbrunner und Maya Fügenschuh auf dem Tandem ihre Siege der Vorwoche.
Co-Bundestrainer Marcel Berger zog nach den beiden Meisterschaftswochenenden ein durchweg positives Gesamtfazit: „Es ist unheimlich erfreulich zu sehen, dass kontinuierlich neue Talente nachrücken und engagierte Athletinnen und Athleten auf sich aufmerksam machen. Diese Entwicklung zeigt, dass die Basis lebt und wir optimistisch nach vorne blicken können.“
Die Ergebnisse der deutschen Meisterschaften in den Para Sportarten werden von der Heinz-Kettler-Stiftung (HKS) präsentiert, um die Aufmerksamkeit für die deutschen Meisterschaften zu erhöhen und die außergewöhnlichen Leistungen der Athlet*innen sichtbarer zu machen. Die HKS wurde von Heinz Kettler und seiner Tochter Dr. Karin Kettler bereits im Dezember 1999 gegründet, um Sportler*innen mit Behinderung in ihrer Sportausübung zu unterstützen und den Inklusionsgedanken in die Praxis umzusetzen.
Text: Moritz Jonas / DBS
