Aktuelles vom Para Dressursport
Para Dressursport-WM in Aachen: Deutsches Quartett startet vor großer Kulisse
Für die deutschen Para Dressursportler*innen ist es ein Traum, der endlich in Erfüllung geht: Das Quartett von Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer startet erstmals auf der ganz großen Bühne in Aachen bei den Weltmeisterschaften im Reitsport. Vom 19. bis 23. August finden die Para Dressursport-Wettbewerbe inmitten der WM der olympischen Titelkämpfe statt. Dabei geht es neben Medaillen und Sichtbarkeit für den Para Sport auch um die Paralympics-Qualifikation.
Für die meisten Reitsportler*innen ist Aachen die Hochburg ihrer Sportart, nicht selten wird vom „Wimbledon des Pferdesports“ gesprochen. Jährlich findet dort mit dem CHIO das Weltfest des Pferdesports statt – Athlet*innen aus Springreiten, Dressurreiten, Fahren, Vielseitigkeitsreiten und Voltigieren kämpfen jedes Jahr um prestigeprächtige Erfolge. Mit der Reit-WM kommt 2026 eine weitere Sportart nach Aachen: Para Dressursport. Erstmals finden die Para Dressursport-Weltmeisterschaften im Rahmen der Wettkämpfe der olympischen Reitsportdisziplinen statt. „Aachen is the place to be – das ist einfach das schönste Turnier“, freut sich Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer auf die einzigartige Atmosphäre vor Ort. Bei den Europameisterschaften 2015 in Aachen stand Para Dressursport noch nicht auf dem Programm. Dies war damals vor allem auf die organisatorischen und infrastrukturellen Hürden zurückzuführen. Umso erfreulicher ist es, dass der Ausrichter mit der Aufnahme des Para Dressursports in das Programm ein starkes Signal für Inklusion setzt.
Für dieses Highlight hat die Bundestrainerin neben den drei Paralympics-Teilnehmerinnen Heidemarie Dresing (Grade II), Regine Mispelkamp (Grade V) und Anna-Lena Niehues (Grade IV) auch eine Newcomerin nominiert: Helen Brandt (Grade IV) wird in Aachen ihr Championats-Debüt feiern und damit erstmals für Deutschland an den Start gehen. „Helen und ihr Pferd sind ein tolles Paar, das sehr gut miteinander harmoniert. Das hat sich auch in den Ergebnissen widergespiegelt, sodass für uns schnell klar war, dass die beiden eine vielversprechende Option für die WM sind“, berichtet Fütterer-Sommer über die beeindruckenden Leistungen von Helen Brandt und ihrem Pferd Vulkan Vegas IB. Brandt wurde erst 2025 klassifiziert und gewann bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft 2026 direkt die Silbermedaille.
Mit Heidemarie Dresing, Regine Mispelkamp und Anna-Lena Niehues hat Brandt drei erfahrene und erfolgreiche Reiterinnen an ihrer Seite. Bei den Paralympischen Spielen 2024 in Paris gewann dieses Trio neben Bronze im Mannschaftswettbewerb auch jeweils Einzelmedaillen. „Heidemarie, Regine und Anna-Lena sind allesamt Reiterinnen, die schon seit Jahren konstant gute Leistungen bringen. Sowohl im Zusammenspiel mit ihren Pferden als auch reiterlich haben wir ein gutes Team für Aachen“, blickt Fütterer-Sommer den Weltmeisterschaften zuversichtlich entgegen. Zu diesem positiven Gefühl tragen auch die bisherigen Leistungen in dieser Saison bei: „Wir hatten eine sehr gute und stabile Vorbereitung bislang und haben viele gute Leistungen gesehen von unseren Athletinnen.“
Auch wenn andere Nationen ein möglicherweise nicht ganz so hohes reiterliches Können häufig mit sehr gut ausgebildeten Pferden kompensieren könnten, vertraut Fütterer-Sommer auf ihr Team und zielt vor allem auf eine Medaille im Mannschaftswettbewerb ab: „Edelmetall ist natürlich bei jeder Mannschaftswertung das Ziel, das nimmt sich das Team immer vor. Aber auch die anderen Nationen, insbesondere die USA, sind im Teamwettbewerb sehr gut aufgestellt.“
Neben der Medaille geht es für die Mannschaft auch um die Paralympics-Qualifikation: Eine Platzierung unter den besten sieben Nationen im Teamwettbewerb sichert dem jeweiligen Nationalen Paralympischen Komitee vier Quotenplätze für die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Anders als noch bei den Paralympics in Paris dürfen im Teamwettbewerb alle vier Starterinnen antreten, gewertet werden die besten drei Ergebnisse. Doch auch in der Kür und in der Einzelaufgabe sieht die Bundestrainerin Chancen für die deutschen Reiterinnen, allen voran für Heidemarie Dresing und Regine Mispelkamp, die es auch bei den Spielen vor zwei Jahren in Frankreichs Hauptstadt aufs Treppchen schafften.
Neben den Para Dressursport-Wettbewerben finden in der zweiten WM-Turnierwoche gleichzeitig die Titelkämpfe im Springreiten und Fahren statt. In der ersten Hälfte traten die Athlet*innen im Dressurreiten, Vielseitigkeitsreiten und Voltigieren an. 650 Reitsportler*innen aus 35 Ländern mit insgesamt 800 Pferden werden die bis zu 500.000 Besucher*innen begeistern. Dass dem Para Sport so eine große Bühne geboten wird, ist für die Bundestrainer Silke Fütterer-Sommer einmalig: „Die Veranstalter in Aachen machen so viel möglich, damit sich alle wohl fühlen und damit gute Bedingungen herrschen. Auch als Para Sport-Team fühlen wir uns dort so willkommen, das macht diesen besonderen Ort zusätzlich aus.“ Darüber hinaus dürfte die Unterstützung von Familie und Freund*innen dazu beitragen, dass die Weltmeisterschaften für das deutsche Team in besonderer Erinnerung bleiben werden.
Alle weiteren Infos sowie Tickets für alle Wettkampftage sind hier zu finden. Der Zutritt zum Stadion 3, in dem die Para Dressursport-Wettkämpfe ausgetragen werden, ist in Kombination mit allen anderen Tickets kostenfrei. Für alle, die nicht live vor Ort dabei sein können, gibt es Livestreams von allen Wettkämpfen.
Das deutsche Team für die WM in Aachen:
Helen Brandt (28 / Dortmund / RFZ Bochum-Nord 1975 e.V.), Heidemarie Dresing (71 / Hagen / Zucht-, Reit und Fahrverein Gütersloh), Regine Mispelkamp (55 / Heilbronn-Sontheim / RV Blücher Sevelen Issum) und Anna-Lena Niehues (41 / Gronau / Reit- und Fahrverein Rüenberg e.V.)
