Aktuelles vom Para Dressursport
Glanzvolle Auftritte und Gänsehautmomente: Die Elite der Para Dressur begeistert in Balve
Das Balve Optimum bot bereits zum dritten Mal in Folge die perfekte Kulisse für gelebte Inklusion im Spitzen-Reitsport. Parallel zu den Wettbewerben des Regelsports ritt die nationale Elite des Para Dressursports um die Deutschen Meistertitel. Dabei ging es im Sauerland nicht nur um Edelmetall, sondern auch um wichtige Tickets: Die Meisterschaften dienten als maßgebliche Sichtung für die bevorstehenden Weltmeisterschaften in Aachen. Vor großer Kulisse überzeugten die etablierten Routiniers ebenso wie vielversprechende Nachwuchstalente.
In der Para Dressur werden traditionell zwei Deutsche Meistertitel vergeben, um den unterschiedlichen Voraussetzungen der Athlet*innen gerecht zu werden: Ein Titel wird in den Grades I bis III (stärker gehandicapte Teilnehmer*innen) ausgeritten, ein weiterer in den Grades IV und V. Die Endplatzierungen ergaben sich aus der Addition von drei anspruchsvollen Wertungsprüfungen (Para Grand Prix A und B sowie der abschließenden Kür).
Grade I bis III: Dresings beeindruckende Dominanz und ein strahlendes "Neues Team"
In den Grades I bis III führte einmal mehr kein Weg an Heidemarie Dresing vorbei. Die amtierende Doppeleuropameisterin aus Rheda-Wiedenbrück wurde ihrer Favoritenrolle mehr als gerecht. Im Sattel ihrer elfjährigen Oldenburger-Stute Poesie dominierte sie alle drei Wertungsprüfungen und sicherte sich souverän ihren inzwischen sechsten Deutschen Meistertitel. „Ich habe mir einen Plan für meine Ritte gemacht und es ist alles aufgegangen“, resümierte Dresing, die ihre Stute liebevoll „Püppi“ nennt und besonders deren schwingenden Gang und die hohe Qualität lobte.
Ein echtes Ausrufezeichen setzte Gianna Regenbrecht, die sich über die Silbermedaille freute. Nach Platz vier im Vorjahr mit einem geliehenen Pferd, trat sie diesmal mit der elfjährigen Stute First Florentine XT an – einer Kombination, die erst seit kurzem zusammenarbeitet. „Das ist ein totales Match, das harmoniert so toll mit ihr und sie bringt ganz viel innere Gelassenheit mit“, schwärmte die Münsteranerin über die rasche und erfolgreiche Zusammenfindung, die auch Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer als „tolle Entwicklung“ hervorhob.
Das Podium komplettierte Melanie Wienand auf Lemony’s Loverboy. Die Osnabrückerin, die ihr Pferd bereits als Fohlen kaufte und selbst ausbildete, sicherte sich wie im Vorjahr die Bronzemedaille und genoss die besondere Atmosphäre des Turniers in vollen Zügen: „Balve ist wirklich immer toll, wir fühlen uns wirklich wie Stars hier und sind so mittendrin im Geschehen, es ist mega!“
Grade IV und V: Ein Krimi bis zum letzten Ritt
An Dramatik kaum zu überbieten war die Titelentscheidung in den Grades IV und V. Hier lieferten sich aufstrebende Talente und erfahrene Championatsreiterinnen einen packenden Schlagabtausch.
Für die große Überraschung des Turniers sorgte die Medizinstudentin Helen Schildhauer. Die Newcomerin, die erst seit dem vergangenen Jahr im Para Sport aktiv ist, gewann mit ihrem imposanten Fuchswallach Vulkan Vegas IB sensationell die zweite Wertungsprüfung und übernahm in der finalen Kür zwischenzeitlich sogar die Führung. „Es war überragend, ich bin immer noch total sprachlos“, so die überwältigte Nachwuchsreiterin, die sich am Ende über eine hochverdiente Silbermedaille freuen durfte.
Dass es für Schildhauer nicht ganz für Gold reichte, lag an der eiskalten Routine von Regine Mispelkamp. Die Doppeleuropameisterin behielt als letzte Starterin der Kür die Nerven. Mit einem Augenzwinkern: „Ich habe mir gedacht, jetzt zeigen wir es den jungen Damen nochmal“ und einer fehlerfreien Vorstellung auf ihrem erfahrenen 14-jährigen Paralympics-Pferd Highlander Delight's sicherte sich die Reiterin aus Geldern den Meistertitel. „Er ist mein Herzenspferd, wir sind so eine Einheit, wir sprechen einfach eine Sprache“, beschrieb Mispelkamp die besondere Bindung zu ihrem Wallach.
Hoch emotional verlief das Turnier auch für Anna-Lena Niehues, die sich mit ihrer Stute Vive L’amour die Bronzemedaille sicherte. Die neunjährige Fuchsstute galt einst als Problempferd. Umso glücklicher war Niehues über das gezeigte Vertrauen im Stadionrund von Balve: „Ich schenke solchen Pferden irgendwie mein Herz [...] und es ist so schön, wenn ich dieses Vertrauen dann zurückbekomme. Da bin ich schon manchmal den Tränen nahe.“
Der Blick richtet sich nach Aachen
Das spielerische Wechselbad aus großer Routine und erfrischenden neuen Paarungen machte die Meisterschaften 2026 zu einem vollen Erfolg. Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer zog ein rundum positives Fazit: „Alle haben sich heute nochmal gesteigert, die Reiter konnten die Stärken der Pferde richtig ausspielen, wir haben tolle Auftritte gesehen.“
Nach den packenden Ritten von Balve richtet sich der Fokus der Para Dressur-Elite nun auf das nächste große Ziel. Nach einem abschließenden Sichtungsturnier in Stadl-Paura wird die Bundestrainerin bekannt geben, wer das deutsche Team bei der Heim-Weltmeisterschaft in Aachen vertreten darf. Die Leistungen von Balve versprechen auf jeden Fall eine schlagkräftige Mannschaft.
Die Ergebnisse der deutschen Meisterschaften in den Para Sportarten werden in diesem Jahr von der Heinz-Kettler-Stiftung (HKS) präsentiert, um die Aufmerksamkeit für die deutschen Meisterschaften zu erhöhen und die außergewöhnlichen Leistungen der Athlet*innen sichtbarer zu machen. Die HKS wurde von Heinz Kettler und seiner Tochter Dr. Karin Kettler bereits im Dezember 1999 gegründet, um Sportler*innen mit Behinderung in ihrer Sportausübung zu unterstützen und den Inklusionsgedanken in die Praxis umzusetzen.
Text: Pferdesport Deutschland, Ergänzungen Moritz Jonas / DBS
