Aktuelles vom Para Ski nordisch
Para Ski nordisch: Lennart Volkert beschenkt sich selbst
In Oberhof (Thüringen) fanden erneut die Internationalen Deutschen Meisterschaften im Para Ski Nordisch statt. Lennart Volkert krönte sich an seinem 22. Geburtstag zum Internationalen Deutschen Para Skilanglauf-Meister und gewann die kombinierte Konkurrenz der Männer. Bei den Frauen mit Sehbehinderung holte Linn Kazmaier im Langlauf und im Biathlon Gold. Der Deutsche Behindertensportverband präsentiert die Ergebnisse und besonderen Leistungen gemeinsam mit der Heinz-Kettler-Stiftung.
Der Urlaub hat offensichtlich Kräfte freigesetzt. Unmittelbar nach drei Wochen in Südafrika reiste Lennart Volkert (PSV München) zu den nationalen Wettkämpfen mit internationaler Beteiligung in die Skisport-HALLE in Oberhof. Im Langlauf-Sprint in der freien Technik, eigentlich nicht seine Spezialdistanz, zeigte er eine astreine Leistung. Schon im Prolog war er mit seinem Guide Nils Kolb der Schnellste der Männer mit Sehbehinderung. Im Finale, das als kombiniertes Rennen gemeinsam mit den Besten aus der stehenden Konkurrenz ausgetragen wurde, setzte er sich früh an die Spitze und hielt sich dort bis zum Zielstrich.
„Das kam überraschend und freut mich sehr. Ich hatte schon das Gefühl, dass heute ein guter Tag wird“, sagte er lachend mit Verweis auf den anderen Anlass zur Freude – seinen Geburtstag. Marco Maier (SV Kirchzarten) landete mit knappem Abstand auf dem zweiten Platz des Finals. „Ich habe beim letzten Anstieg mitbekommen, dass jemand näherkommt, mich dann aber über die Kuppe gerettet“, berichtete Volkert. Der unterlegene Maier durfte sich damit trösten, den Titel bei den Männern stehend vor Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) und Maximilian Weidner (WSV-DJK Rastbüchl) gewonnen zu haben. In der Klasse der Sehbehinderten gingen Silber und Bronze an Theo Bold (WSV Isny, mit Guide Jakob Bold) und Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Robin Wunderle).
Messinger hatte tags darauf im Biathlon-Sprint die Nase vorn. Er siegte dort vor Bold und Volkert. Maier gewann seinen zweiten Titel vor Lehmker und Alexander Ehler (SV Kirchzarten). „Es war toll, nach der langen Zeit auf Skirollern wieder auf Schnee zu laufen“, verriet Marco Maier – und sprach damit aus, was der Rest des deutschen Nationalteams genauso empfand.
„Entwicklung ist das Schlüsselwort“
Ebenfalls Doppel-Gold sowohl im Langlauf als auch im Biathlon gab es bei den Frauen sitzend für Anja Wicker (MTV Stuttgart) und bei den Frauen mit Sehbehinderung für Linn Kazmaier (SZ Römerstein, mit Guide Florian Baumann). Im Langlauf-Sprint holte die von Schulterproblemen beeinträchtigte Leonie Walter (SC St. Peter, mit Guide Christian Krasman) Silber und Johanna Recktenwald (Biathlon-Team Saarland, mit Begleitläuferin Emily Weiß) Bronze, im Biathlon war es umgekehrt. „Flo und ich haben versucht, auf unsere Technik zu achten. Ich habe mich gut dabei gefühlt. Schön, dass sich das bestätigt hat“, sagte Kazmaier.
Unterstützt wurden die Internationalen Deutschen Meisterschaften gewohnt liebevoll und zuverlässig vom WSV Oberhof in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Behinderten- und Rehabilitationssportverband. Mit an Bord waren die beiden Weltverbände für Skilanglauf und Biathlon, die FIS und die IBU. Tomi-Pekka Riihivuori, Para Biathlon Manager der IBU, zollte allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Wettkämpfe von den Schülerklassen bis zu den Aktiven seinen Respekt. „Entwicklung ist das Schlüsselwort hier“, sagte Riihivuori. Für die einen, die am Anfang ihrer sportlichen Laufbahn stehen, gilt das genauso wie für die Mitglieder der Nationalmannschaft, die auf ein Ticket für die Paralympics im kommenden Jahr hinarbeiten.
Sie bringt der Bundestrainer Ralf Rombach in knapp zwei Wochen wieder zusammen. Es geht ins Trainingslager nach Goms (Schweiz). Seine Schützlinge dürfen sich auf knackige Ausdauerblocks einstellen, dann erneut aus Skirollern. „Das Intermezzo in der Skihalle hat uns wieder vorwärtsgebracht. Der Zeitpunkt für die Deutschen Meisterschaften Anfang September ist ideal“, stellte Rombach fest.
Kleiner Wermutstropfen: für internationales Flair sorgten lediglich die französischen Steherinnen Anais Delavier, Cleo Blanc und Chloe Pinto sowie der sehbehinderte Slowake Alex Lajtman mit seinem Guide Marko Havran. Interesse an einer Teilnahme hatte unter anderem auch aus Österreich bestanden – vorausgesetzt, die FIS biete in Oberhof eine Klassifizierung an. Dazu sah sich der Weltverband aus zeitlichen Gründen nicht in der Lage, was Rombach „enttäuschend“ nennt. Nächste Chance auf eine Klassifizierung der FIS ist nun ein Continental Cup am 19. und 20. September in Beitostølen (Norwegen).
Die Ergebnisse der deutschen Meisterschaften in den Para Sportarten werden in diesem Jahr von der Heinz-Kettler-Stiftung (HKS) präsentiert, um die Aufmerksamkeit für die deutschen Meisterschaften zu erhöhen und die außergewöhnlichen Leistungen der Athlet*innen sichtbarer zu machen. Die HKS wurde von Heinz Kettler und seiner Tochter Dr. Karin Kettler bereits im Dezember 1999 gegründet, um Sportler*innen mit Behinderung in ihrer Sportausübung zu unterstützen und den Inklusionsgedanken in die Praxis umzusetzen.
Text: Benjamin Schieler
