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„Es macht super viel Spaß als Team an den Start zu gehen“ – Interview mit Guide Emily Weiss
Das sich zu Ende neigende Jahr 2025 war ein ganz Besonderes für Para Biathletin Johanna Recktenwald und damit auch für Emily Weiss. Als Guide unterstützte sie Recktenwald beim Gewinn ihres ersten WM-Titels, der ihr unter anderem auch die Ehrung als Para Sportlerin des Jahres 2025 einbrachte. Im Interview spricht sie über ihre Reaktion auf die Auszeichnung Recktenwalds, kommende Ziele des Duos und wie die Kommunikation zwischen Guide und Athlet*in abläuft.
DBS: Wie würdest du deine Aufgabe als Guide beschreiben?
Weiss: Ich erkläre es immer so, dass ich Johannas Augen auf der Strecke bin. Ich laufe vor ihr her und beschreibe quasi alles, was ich sehen kann und was für sie wichtig ist. Dabei laufen wir synchron und im selben Takt. Da wir fast gleich groß sind, klappt das bei uns sehr gut. Ich gebe Johanna Anweisungen über ein bestimmtes Kommando, „hopp“ pro Schritt, um im selben Takt zu laufen. Bei Kurven sage ich - beispielsweise bei einer Links Kurve - pro Schritt welchen wir nach links gehen: „links, links, links“. Zudem gebe ich die Langlauftechnik vor, welche wir laufen. Der einzige Moment, wo wir richtig verbunden sind, ist bei der Abfahrt, da gebe ich ihr meinen Stock nach hinten. Beim Schießstand wiederum ist Johanna, ab dem Zeitpunkt wo sie die Matte betritt, ganz alleine für sich verantwortlich.
DBS: Wie bist du Guide von Johanna geworden?
Weiss: Das war ziemlich spontan. 2023 bin ich das erste Mal zusammen mit Johanna gelaufen, da ihr damaliger Guide krankheitsbedingt ausgefallen ist. Wir haben da schnell gemerkt, dass es ziemlich gut mit uns beiden passt. Vergangenen Winter bin ich dann nochmal krankheitsbedingt bei Johanna eingesprungen, erstmals jedoch nur für einen Wettkampf. Da haben wir wieder gemerkt, es klappt super und dann wurden es noch zwei, drei, vier mehr Wettkämpfe und wir haben gemerkt, dass wir gemeinsam weitermachen wollen.
DBS: Was gefällt dir an der Rolle des Guides?
Weiss: Es macht super viel Spaß als Team an den Start zu gehen und gemeinsam die beste Leistung abzurufen. Ich fühl mich in der Rolle als Guide sehr wohl und würde das nicht gegen was anderes tauschen wollen. Jemanden so zu helfen, ist was ganz Besonders für mich.
DBS: Was ist wichtig in der Beziehung zwischen Guide und Athlet*in?
Weiss: Kommunikation und Vertrauen spielen eine sehr große Rolle für uns, da das die Grundlage bildet. Darüber hinaus ist natürlich das gegenseitige Vertrauen sehr entscheidend.
DBS: Ihr wart äußerst erfolgreich in der letzten Saison. Wie blickst du auf diese Zeit zurück?
Weiss: Es war toll, dass alles sofort so gut funktioniert hat, obwohl wir noch nicht so routiniert waren, wie vielleicht andere. Aber das hat uns bestärkt darin, dass die Harmonie bei uns stimmt, sowohl in der Vorbereitung als auch im Wettkampf.
DBS: Belohnt wurde die Saison mit der Auszeichnung für Johanna Recktenwald als Para Sportlerin des Jahres. Hättet ihr damit gerechnet?
Weiss: Nein, dass war eine Riesenüberraschung für uns. Johanna war völlig überrascht als sie das gehört hat, für sie ist es eine große Wertschätzung. Wir sind sehr dankbar und stolz, dass so viele Leute für uns abgestimmt haben.
DBS: Habt ihr konkrete Ziele für die Paralympics in Mailand & Cortina?
Weiss: Das große Ziel wäre natürlich eine Medaille zu gewinnen. Aber primär versuchen wir einfach uns so gut wie es geht vorzubereiten und dann unsere bestmögliche Leistung abzurufen. Dann werden wir sehen was dabei rauskommt.
