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EM: Kanuten auf Zwischenstation in Moskau

Portraitbild mit Medaillen von Edina Müller und Tom Kierey
Edina Müller und Tom Kierey © DBS/Müller

Vor dem Saisonhöhepunkt bei den Paralympischen Spielen in Rio de Janeiro geht es für die Kanuten Edina Müller, Ivo Kilian und Tom Kierey noch für einen kurzen Stopp nach Moskau. Dort finden vom 24. bis 26. Juni die Europameisterschaften im Parakanu statt. Nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft in Duisburg Mitte Mai, wo Müller und Kierey im heimischen Gewässer jeweils über Gold jubelten, sind auch in Moskau spannende Wettkämpfe zu erwarten. Die EM wird das letzte große internationale Kräftemessen vor Rio sein.

„Wir nutzen die Europameisterschaften als mentale Vorbereitung für unsere Rio-Athleten, denn sie haben davon abgesehen kaum große internationale Wettkämpfe, so dass es ein wichtiger Vergleich ist. National fehlt häufig die Konkurrenz auf diesem Niveau, da fahren unsere Athletinnen und Athleten den meisten anderen Startern davon“, erklärt Cheftrainerin Sandra Müller.

Doch was zählt, sind die Paralympics. „Moskau ist definitiv nur eine Zwischenstation für uns auf dem Weg nach Rio“, bekräftigt Tom Kierey, der im Berliner Kanu Club Borussia trainiert. Trotzdem wird die EM natürlich nicht auf die leichte Schulter genommen. „Ich werde versuchen, an diesem Tag der Schnellste zu sein. Aber man muss auch bedenken, dass unser Training nicht auf die EM ausgelegt ist, sondern auf die Paralympischen Spielen. Momentan befinden wir uns im Grundlagentraining und wir werden daher den Wettkampf aus dem Training heraus fahren.“ Das Trio Müller, Kierey und Kilian wird in Moskau im Kajak über 200 Meter an den Start gehen, wobei Cheftrainerin Sandra Müller ihr Dreierteam fest in den Finalläufen einplant. Kilian startet zusätzlich noch im Auslegerkanu, welches aber keine paralympische Disziplin ist.

Tom Kierey: "Unsere Rennen sind umkämpft und spannend"
(hinten) Tom Kierey, Anke Molkenthin, Daniela Sjöberg-Holtkamp, Ivo Kilian, (vorne)  Edina Müller und Stefan Volkmann © Christel Schlisio
(hinten) Tom Kierey, Anke Molkenthin, Daniela Sjöberg-Holtkamp, Ivo Kilian, (vorne) Edina Müller und Stefan Volkmann © Christel Schlisio

2016 ist für die Parakanuten ein ereignisreiches Jahr. Weltmeisterschaft, Europameisterschaft – und dann folgt im September bei den Paralympischen Spielen das große Highlight. „In Rio versuche ich natürlich, alles zu geben und möglichst eine Saisonbestleistung oder sogar persönliche Bestzeit zu fahren“, erzählt Kierey, der den Wettkämpfen in Rio entgegenfiebert. Es werden die ersten Paralympischen Spielen des gebürtigen Dresdeners sein. Bis 2013 ist er noch bei den Wettkämpfen der Nichtbehinderten mitgefahren. Dann musste Kierey, der rechts einen Klumpfuß und im rechten Unterschenkel 85 Prozent weniger Muskeln hat, allerdings einsehen, dass ihm gegen die Konkurrenz ohne Handicap aufgrund seiner Behinderung die entscheidenden Prozente fehlen.

„Im Parakanu herrscht ebenfalls sehr hohes Niveau, nur haben meine Konkurrenten eben auch ein Handicap. Die Rennen sind auch umkämpft und sehr spannend“, betont Kierey. Beispielsweise bei der WM in Duisburg, wo er mit nur vier Hundertstel Vorsprung den Titel gewann. Auch der Aufwand ist in der Weltspitze genauso hoch. „Wir trainieren nicht weniger, nur weil wir eine Behinderung haben“, erzählt der 21-Jährige, der momentan neben seinen rund 25 Stunden Training die Woche seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann macht. „Es ist schon etwas stressig manchmal. Doch ich werde gut unterstützt bei meiner Ausbildung. Sie zeigen viel Verständnis für meinen Sport.“

„Wir werden die EM nutzen, um ein paar unserer Gegner schon auszuchecken und unsere eigenen Stärken und Schwächen vor Rio auszuloten, damit wir wissen , woran wir noch arbeiten müssen“, betont Sandra Müller. Die Vorläufe der Europameisterschaften finden am Freitag statt. Am Samstag und Sonntag steigen dann die Endläufe.