„Total happy“: Bundestrainerin schwärmt über Para Leichtathletik-Wochenende
Eine Konferenz, eine Trainerfortbildung und die Deutschen Meisterschaften: In Erfurt gab es am Wochenende Para Leichtathletik satt. Vor allem der Nachwuchs glänzte in der Hartwig-Gauder-Halle. Der Deutsche Behindertensportverband präsentiert die Ergebnisse und besonderen Leistungen gemeinsam mit der Heinz-Kettler-Stiftung.
„Total happy“ war Para Leichtathletik-Bundestrainerin Marion Peters am Samstagabend, „dass das Wochenende so gelaufen ist. Es waren drei schöne Tage und das werden wir im kommenden Jahr wieder so machen.“ Am Donnerstag und Freitag fand in Erfurt bereits eine Para Leichtathletik-Konferenz statt, die erste dieser Art – und insgesamt zehn Landesverbände folgten Peters Ruf und konnten am Freitag auch bei einer Trainerfortbildung dabei sein. So war ein schöner Rahmen geboten, damit am Samstag die Athletinnen und Athleten die Bühne übernehmen konnten. Der HSC Erfurt e.V. richtete die Deutschen Meisterschaften gemeinsam mit dem Thüringer Behinderten- und Rehabilitationssportverband aus.
„Es gab sehr, sehr viele gute Ergebnisse und man sieht, dass vor allem in den Zentren gut trainiert wurde“, sagte die Bundestrainerin, die insgesamt 150 Athletinnen und Athleten aus 62 Vereinen in ihrer Heimat-Halle begrüßen durfte. Es war ein Event des Nachwuchses, weil die Top-Leute größtenteils keine Hallensaison in ihren Wettkampfkalender eingeplant hatten, wie Peters verrät: „Dadurch, dass die EM abgesagt wurde, konnten sie sich auf andere Dinge konzentrieren.“
Einige hatten dann doch den Weg nach Erfurt gefunden – und lieferten ab. Marcel Böttger gewann mit Guide Alexander Kosenkow die 60 Meter in 7,36 Sekunden und kürte sich vor Phil Grolla in 7,12 Sekunden zum Deutschen Meister nach Punkten, Lisa Martin Wagner stieß die Kugel auf starke 11,34 Meter. Auch Charleen Kosche mit 7,21 Metern und Yannis Fischer mit 9,99 Metern erzielten gute Kugelstoß-Weiten.
Deutsche Rekorde gab es für Lokalmatadorin Isabelle Foerder in 9,90 Sekunden über 60 Meter, für Julian Höhne in 7,38 Sekunden über 60 und 52,89 Sekunden über 400 Meter, für Johannes Ullmann in 58,25 Sekunden und Yannick Schroeter über 1500 Meter in 4:52,44 Minuten. Leandro Calado Simoes stellte eine deutsche U20-Bestmarke in 7,57 Sekunden auf.
Dessen Leverkusener Teamkolleginnen Elena Kratter aus der Schweiz und Tomomi Tozawa aus Japan boten international herausragende Leistungen: Kratter sprang mit 5,10 Metern zum Schweizer Rekord und sprintete in 9,80 Sekunden zum Sieg über 60 Meter, Tozawa glänzte vor allem mit den 4,58 Metern im Weitsprung.
Aus deutscher Sicht erfreulich: Nicole Nicoleitzik kehrte nach ihrer Operation über 60 Meter stark zurück, auch Friederike Brose zeigte sich im Sprint gut aufgelegt. Auffällig war für die Bundestrainerin auch Hochspringer Linus Specht mit 1,81 Metern und Rennrollstuhlfahrer Amos Donath.
„Aus ganz vielen Landesverbänden gab es auch neue Gesichter“, freute sich Peters, zudem wurden alle Athletinnen und Athleten nicht nur für ihre Kaderberufung mit einer Urkunde und einem vom Förderverein gesponserten Trikot ausgezeichnet, sondern dabei auch „gefeiert wie kleine Popstars“, wie die Bundestrainerin anmerkte.
Co-Bundestrainerin Helena Pietsch, die für den Nachwuchs veranwortlich ist, sagte: „Es ist sehr erfreulich, dass so viele Nachwuchsathleten, sowohl aus dem NK1/2 Bereich als auch jünger vertreten waren. Mit den Leistungen bin ich sehr zufrieden, es waren einige Bestleistungen und auch deutsche Rekorde dabei.“
Nun geht der Blick der Bundestrainerin wieder nach vorne: Weil laut Weltverband World Para Athletics plötzlich doch eine Europameisterschaft stattfinden könnte („Für die Planung eine Katastrophe“), ist Marion Peters wieder „voller Hoffnung“ auf ein mögliches Großereignis und wünscht sich, zeitnah auch Datum und Ort der EM zu erfahren: „Ich freue mich, dass die Saison losgeht und wir ins Trainingslager fahren.“
Und auch für Erfurt gibt es gute Nachrichten: Auch 2027 und 2028 wird die Deutsche Para Leichtathletik-Meisterschaft in der thüringischen Hauptstadt ausgetragen – dann vielleicht auch wieder mit mehr Top-Stars.
Die Ergebnisse der deutschen Meisterschaften in den Para Sportarten werden in diesem Jahr von der Heinz-Kettler-Stiftung (HKS) präsentiert, um die Aufmerksamkeit für die deutschen Meisterschaften zu erhöhen und die außergewöhnlichen Leistungen der Athlet*innen sichtbarer zu machen. Die HKS wurde von Heinz Kettler und seiner Tochter Dr. Karin Kettler bereits im Dezember 1999 gegründet, um Sportler*innen mit Behinderung in ihrer Sportausübung zu unterstützen und den Inklusionsgedanken in die Praxis umzusetzen.
Text: Nico Feißt / DBS
