Para Sportschießen-WM: Deutsches Team kämpft um WM-Medaillen und das erste Paralympics-Ticket
Mit einer Mischung aus erfahrenen Leistungsträger*innen und jungen Talenten reist die deutsche Mannschaft zu den Weltmeisterschaften im Para Sportschießen nach Changwon (Südkorea). Vom 10. bis 15. September werden dort die ersten Quotenplätze für die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles vergeben. Bundestrainer Rudi Krenn blickt nach einer erfolgreichen Vorbereitungsphase optimistisch auf die Titelkämpfe.
Wenn vom 10. bis 15. September die Weltmeisterschaften im Para Sportschießen in Changwon stattfinden, geht es nicht nur um Medaillen. Erstmals werden auch Quotenplätze für die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles vergeben. Das deutsche Team hat dabei ambitionierte Ziele. „Unser Ziel ist es, dass wir einen Quotenplatz holen und zusätzlich ein bis zwei Medaillen“, so Bundestrainer Rudi Krenn. Insgesamt werden in Südkorea 24 Startplätze für die Paralympics in Los Angeles vergeben, davon 13 bei den Männern und elf bei den Frauen. Krenn weiß aber auch die Breite und Stärke der Konkurrenz einzuschätzen: „Bei der hohen Leistungsdichte und der großen Konkurrenz, die es aktuell im Para Sportschießen gibt, sind Top-Platzierungen umso höher einzuschätzen.“
Dementsprechend intensiv hat sich das deutsche Team auf dieses Saisonhighlight vorbereitet: Die Athletinnen und Athleten absolvierten in den letzten vier Wochen zwei Lehrgänge und nahmen an den Deutschen Meisterschaften teil. Die Ergebnisse aus den Lehrgängen, den Deutschen Meisterschaften und dem internen Qualifikationsschießen im Juli stimmen Bundestrainer Krenn zuversichtlich: „Die Leistungen waren sehr ansprechend. Deshalb reisen wir mit einem guten Gefühl nach Changwon und sind voller Hoffnungen, dass wir diese guten Leistungen auch bei der WM abrufen können.“ Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse weiß der Bundestrainer um die besonderen Herausforderungen einer Weltmeisterschaft: „Die Situation bei einer WM ist dann natürlich eine andere, wenn auf einmal deutlich mehr Schützinnen und Schützen in einer Reihe stehen und der Druck noch höher ist.“ Im Para Sportschießen spielen neben der technischen Qualität vor allem Konzentration und mentale Stabilität eine entscheidende Rolle. „Die Tagesform und die mentale Komponente sind enorm wichtig. Bei der hohen Leistungsdichte im internationalen Feld ist jede vordere Platzierung entsprechend hoch einzuschätzen“, so Krenn.
Erfahrung und Nachwuchs in der deutschen Auswahl
Mit Natascha Hiltrop führt die erfolgreichste deutsche Para Sportschützin der vergangenen Jahre das Team an. Die dreifache Paralympics-Siegerin zählt auch in Südkorea zu den größten deutschen Medaillenhoffnungen. „Mein vorrangiges Ziel für die WM in Changwon ist es, meine Trainingsleistungen im Wettkampf bestmöglich abzurufen. In den Disziplinen Luftgewehr liegend, KK-Liegendkampf sowie im KK-Dreistellungskampf strebe ich den Einzug ins Finale der besten acht an, um dort um die Medaillen mitzukämpfen“, sagt Hiltrop über ihre Ziele für die WM. Ein besonderer Fokus liegt zudem darauf, einen Quotenplatz für die Paralympischen Spiele 2028 zu sichern. Darüber hinaus blickt sie optimistisch auf die Team-Wettbewerbe mit dem Luft- und Kleinkalibergewehr sowie auf die neue Mixed-Disziplin, bei denen sie ganz vorne angreifen und ein Wort bei der Medaillenvergabe mitreden möchte.
Ebenfalls im Aufgebot stehen die Paralympics-Teilnehmer von Tokio 2021, Bernhard Fendt und Tim Focken, sowie Tjark Liestmann, der bei den Paralympics 2024 in Paris an den Start ging. Zudem gibt der 19-Jährige Philipp Zahner sein WM-Debüt. Bemerkenswert: Erst im Juli feierte Zahner beim Weltcup sein internationales Debüt. Für ihn gilt es, wertvolle Erfahrungen auf hohem Wettkampfniveau zu sammeln. „Im Sportschießen spielt Erfahrung eine große Rolle, da man lernen muss, mit der Anspannung eines Wettkampfes umzugehen“, ordnet Krenn die Bedeutung dieses WM für Zahner ein.
Mit Natascha Hiltrop, Bernhard Fendt und Tjark Liestmann verfügt Deutschland auch im Teamwettbewerb über aussichtsreiche Medaillenkandidat*innen. Das Trio gewann sowohl bei der EM 2025 als auch beim jüngsten Weltcup Bronze. Erstmals stehen bei einer WM zudem Mixed-Wettbewerbe mit je einer Schützin und einem Schützen auf dem Programm. Hier wird das erfahrene Duo um Natascha Hiltrop und Bernhard Fendt an den Start gehen. Obwohl diese Disziplin derzeit nicht zum paralympischen Programm für Los Angeles 2028 gehört, verspricht sie zusätzliche sportliche Spannung.
Krenn lobt Bedingungen in Changwon
Für Bundestrainer Krenn ist Changwon kein unbekannter Ort. Bereits 2018 war er im Rahmen der Weltmeisterschaften der olympischen Schützinnen und Schützen in der südkoreanischen Metropole zu Gast und hat die Wettkampfstätte in bester Erinnerung. „Die Bedingungen vor Ort sind sehr gut, die Finalanlage ist top und die Koreaner sind bekannt für eine perfekte Wettkampforganisation“, betont der Bundestrainer. Fans können die Wettkämpfe aus der Ferne verfolgen: Die Weltmeisterschaften werden per Livestream auf YouTube übertragen.
Text: Marie Berwinkel / DBS
Wissenswertes rund um die Sportart Para Sportschießen ist auf der Online-Plattform parasport.de zu finden.
Das deutsche Team für die WM in Changwon:
Natascha Hiltrop (Alter: 34, Verein: SV Lengers 1964, Geburtsort: Bonn), Tim Focken (42, SV Eltzhorn, Oldenburg), Bernhard Fendt (56, SV Memmenhausen, Krumbach), Tjark Liestmann (26, St. Hubertus Schützenbruderschaft Porz Urbach, Köln), Philipp Zahner (19, SV Ladekop, Buxtehude)
