Aktuelles vom Para Klettern
Para Klettern-EM: Neue Konkurrenz, alte Ambitionen
Für die deutsche Nationalmannschaft im Para Klettern steht im französischen Laval das zentrale Event der Saison bevor. Am 28. und 29. August trifft die Auswahl von Cheftrainer Christoph Reichert bei den Europameisterschaften auf die internationale Konkurrenz. Die Ausgangslage ist dabei eine andere als noch vor wenigen Jahren: Seit feststeht, dass Para Klettern 2028 in Los Angeles erstmals paralympisch wird, erhält die Sportart großen Zulauf. Doch trotz der stärkeren Konkurrenz bleiben die deutschen Ambitionen hoch.
„Die jetzige Situation ist anders und interessant“, sagt Reichert. Vor allem in den paralympischen Sportklassen habe sich das internationale Feld zuletzt deutlich verändert. Deutschland könne deshalb nicht mehr selbstverständlich mit den Erfolgen der vergangenen Jahre rechnen. Die jüngste Bilanz zeigt allerdings, dass die deutsche Mannschaft weiterhin zur Weltspitze gehört. Bei den Weltmeisterschaften 2025 in Seoul feierte sie die bislang erfolgreichste WM mit fünf Podiumsplatzierungen und zwei Weltmeistertiteln. Auch die Europameisterschaft 2024 verlief erfolgreich: Sechs Medaillen brachte das Team mit nach Hause.
Deutschland will an Erfolge anknüpfen
Auch in Laval will das deutsche Team um die vorderen Plätze kämpfen. Allen voran Kevin Bartke reist mit großen Ambitionen nach Frankreich: Der amtierende Europa- und Weltmeister gehört zu den Favoriten. Bei den Weltcups 2025 holte Bartke jeweils Gold, in der laufenden Saison kletterte er in Salt Lake City auf Rang zwei und in Innsbruck auf Platz vier. „Bei ihm ist das Podium immer möglich“, sagt Reichert. Und Bartke ist längst nicht die einzige deutsche Medaillenhoffnung. In der paralympischen Klasse B2 gehört Luisa Grube regelmäßig zu den Podiumskandidatinnen. In der Klasse RP1 haben Korbinian Franck und der in diesem Jahr neu hinzugekommene Sebastian Leistner gute Chancen. Auch Charlotte Faist kletterte in ihren ersten Weltcups direkt zweimal aufs Podium. In der AU2 zählt Carolin Heberle nach mehreren Finalteilnahmen ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis.
Insgesamt hat Reichert elf Athletinnen und Athleten für die paralympischen Klassen nominiert, zudem gehen sechs in den nicht-paralympischen Klassen an den Start. Mit dabei ist Rosalie Schaupert, die amtierende Europa- und Weltmeisterin der Klasse AU3. Trotz Verletzungspech in diesem Jahr möchte sie ihre Chance aufs Podium nutzen. Jüngster im deutschen Aufgebot ist Julian Schwarz-Diaz Manresa. Für den 17-jährigen Nachwuchsathleten ist es der zweite Weltcup in der Klasse AL2. Sein Ziel ist zunächst der Sprung unter die besten 15. Für die Athletinnen und Athleten geht es bei dieser EM allerdings noch nicht um die Paralympics. „Die Qualifikation für LA beginnt erst im nächsten Sommer bei der WM. Dort werden die ersten Startplätze vergeben“, erklärt Reichert. Umso wichtiger ist das Turnier als Standortbestimmung auf dem Weg dorthin.
Technik und Planung gefragt
Dabei wartet in Laval eine besondere Herausforderung. Anders als bei vielen internationalen Wettkämpfen steht die Kletterwand bereits fest am Veranstaltungsort. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich: Einerseits kennt das deutsche Team die Wand, andererseits weist sie weniger überhängende Bereiche auf. Dadurch sind vor allem technische Fähigkeiten gefragt. „Es geht weniger um Kondition, sondern um Technik und Planung“, sagt Reichert. Welche Bereiche in der Qualifikation tatsächlich beklettert werden, bleibt bis zum Wettkampf offen.
Das Turnier dauert nur zwei Tage und wird laut Reichert ein „intensives Null auf Hundert“. Dabei verlangt das Wettkampfformat den Athlet*innen einiges ab. In der Qualifikation müssen zwei Routen im sogenannten Flash-Modus geklettert werden. Alle haben jeweils nur einen Versuch, dürfen ihrer Konkurrenz aber beim Klettern zuschauen. „Die anderen beobachten zu können, hilft beim Antizipieren der Routen“, sagt Reichert. Im Finale gilt dagegen der On-Sight-Modus: Sechs Minuten bleiben, um die Route vom Boden aus zu lesen. Beim Wettkampf der anderen darf nicht mehr zugesehen werden. Anschließend zählt ebenfalls nur ein Versuch.
Trotz der gestiegenen Konkurrenz tritt Reichert die Reise mit Zuversicht an. „Wir gehören zu den Favoriten“, sagt der Cheftrainer. Deutschland sei international meist unter den besten drei bis fünf Nationen. Besonders der Gastgeber dürfte im Kampf um die Spitzenplätze ein harter Gegner werden. „Frankreich ist die größte Konkurrenz“, meint Reichert. Neben der sportlichen Vorbereitung setzt er deshalb auf eine wichtige Ressource: den Zusammenhalt. „Das Team ist der sichere Hafen. Eine entspannte Stimmung ist die Grundlage dafür, dass das vorhandene Potenzial an die Wand gebracht werden kann“, sagt er. In Laval will das deutsche Team deshalb zeigen, dass es trotz der wachsenden Konkurrenz weiter zur internationalen Spitze gehört.
Weitere Informationen, den Spielplan und Ergebnisse gibt es auf der Veranstaltungs-Webseite.
Text: Monja Nagel / DBS
Der Kader der deutschen Nationalmannschaft für die EM in Laval:
Paralympische Klassen: Kevin Bartke (40 / Nürnberg / DAV Erlangen), Korbinian Franck (36 / Bad Feilnbach / DAV Dachau), Luisa Grube (25 / Göttingen / TSV Kareth-Lappersdorf/ DAV Neumarkt), Christof Pöppl (29), Carolin Heberle (34 / Kempten / DAV Kempten-Allgäu), Corinna Wimmer (31 / München / DAV München Oberland Plus), Markus Crell (30 / Graz / DAV Koblenz), Sebastian Horn (25 / Darmstadt / DAV Darmstadt-Starkenburg), Charlotte Faist (29 / Krumbach / DAV Sektion Neu-Ulm), Julian Schwarz-Diaz Manresa (17 / Mühltal / DAV Darmstadt-Starkenburg), Sebastian Leistner (32 / Innsbruck / DAV Alpinistenclub), Ronja Holze (36 / DAV Wernigerode)
Nicht-paralympische Klassen: Rosalie Schaupert (20 / Erfurt), Philipp Hrozek (44 / Kulmbach), Laura Nesciobelli (25 / München), Lena Schöllig (30 / Stuttgart), Aldrik Bethke (29 / Oldenburg), Ria Grindel (32 / Kaiserslautern)
