Aktuelles vom Para Klettern
Gipfelstürmer in Kempten: Rekorde, Emotionen und der Geist von Los Angeles
Strahlender Sonnenschein, beeindruckende Kulisse und sportliche Leistungen auf Weltklasse-Niveau: Die zweiten offenen deutschen Meisterschaften im Para Klettern im bayrischen Kempten markierten einen Meilenstein für den Klettersport von Menschen mit Behinderung. Mit Blick auf die paralympische Premiere 2028 in Los Angeles zeigte die Szene eindrucksvoll, dass sie hierzulande nicht nur wächst, sondern auch leistungssportlich neue Sphären erreicht.
Bei vorsommerlichen 24 Grad und bestem Frühlingswetter verwandelte sich das Kemptener DAV-Kletterzentrum „swoboda alpin“ in einen Hexenkessel der Begeisterung. Doch trotz der Hitze behielten die Athlet*innen einen kühlen Kopf – auch dank der Routenbauer um Luis Beitl, die die Wand überwiegend im Schatten hielten. Was die Meisterschaft in Kempten so besonders machte, war der spürbare Zusammenhalt: Hier feuerten Konkurrentinnen einander an oder es sprangen Athlet*innen anderer Startklassen spontan als Guides für sehbehinderte Kletter*innen ein.
Souveräne Leistungen der arrivierten Athleten, zahlreiche neue Gesichter
Sportlich bot das Event alles, was das Kletterherz begehrt. Ein echtes Highlight war der Auftritt von Luisa Grube. Die ehemalige WM-Teilnehmerin im Para Ski alpin, die erst vor wenigen Jahren von der Piste an die Wand wechselte, unterstrich ihre Ambitionen für die kommende Weltcup-Saison. In der kombinierten Klasse B2/3 (Sehbehinderung) kletterte sie souverän auf Rang eins der Gesamtwertung.
Gemäß dem Reglement wurden DM-Titel in den Klassen vergeben, in denen mindestens zwei deutsche Starter*innen vertreten waren – und diese Wettkämpfe hatten es in sich. Bei den Männern stand besonders die Klasse RP1 im Fokus: Hier lieferten sich der erfahrene Routinier Korbinian Franck (DAV Kampenwand) und Sebastian Leistner einen regelrechten Krimi an der Wand. Am Ende setzte sich Franck hauchdünn durch und sicherte sich den Meistertitel. Ähnlich überzeugend trat Philipp Hrozek (DAV München-Oberland) in der Klasse RP2 auf: Er dominierte das Feld bereits in der Qualifikation und ließ auch im Finale keine Zweifel an seinem Titelgewinn aufkommen. Bei den Athleten mit Armamputation krönte sich Aldrik Bethke (DAV Oldenburg) in der Klasse AU3 zum deutschen Meister, nachdem er sich in einem stark besetzten sowie internationalen Teilnehmerfeld bravourös behauptete.
Auch die Kletterinnen lieferten herausragende Vorstellungen ab. Charlotte Faist (DAV Ulm/Neu-Ulm) kletterte in der Klasse RP1 mit einer beeindruckend souveränen Leistung zur Meisterschaft. In der Klasse RP2 jubelte Elena Wopkes (DAV Erlangen), die als beste deutsche Starterin den nationalen Titel errang, während sich die starke Österreicherin Jasmin Plank in dieser offenen Klasse den Gesamtsieg holte. Keine Zweifel ließ Laura Nesciobelli (DAV München-Oberland) in der RP3-Klasse aufkommen: Sie bewältigte die Finalroute souverän und sicherte sich hochverdient den Titel.
Christoph Reichert, Bundestrainer im Para Klettern, zog ein positives Fazit: „Das Gesamtpaket der DM war tadellos und der Routenbau sehr gut. Die Leistungen der arrivierten Kräfte waren wie zu erwarten, aber einige neue Leute haben tolle Leistungen an der Wand gezeigt. Man merkt, dass die Szene wächst – so viele Klassifizierungen wie diesmal hatten wir bisher noch nicht.“
Schwungvoll auf der Road to Los Angeles 2028
Für Reichert und sein Team war Kempten die Generalprobe für die nun startende Weltcup-Saison: „Dieser erste Wettkampf des Jahres war für uns total wichtig. Wir haben schon im Wintertraining gesehen, dass sich alle weiterentwickelt haben.“
Die Meisterschaft in Kempten war mehr als nur eine nationale Titeljagd. Es war ein Vorgeschmack auf das, was die Sportwelt ab 2028 in Los Angeles erwartet, wenn Para Klettern erstmals Teil des paralympischen Programms wird. Mit der historischen Medaillenausbeute der vergangenen WM im Rücken und dem frischen Schwung aus Kempten reist das deutsche Team nun hochmotiviert zum ersten Weltcup nach Salt Lake City vom 14. bis 16. Mai.
Text: Moritz Jonas / DBS, Ergänzungen DAV
Hier gibt es die Ergebnisse der deutschen Meisterschaft im Überblick.
