Aktuelles vom Rollstuhlrugby
Rollstuhlrugby: Platz neun, aber die Zukunft macht Mut
Drei Siege, vier Niederlagen, Platz neun: Die deutsche Rollstuhlrugby-Nationalmannschaft beendet die Weltmeisterschaft in São Paulo (Brasilien) mit einer gemischten Bilanz. Das Viertelfinale wurde zwar verpasst, doch das Team von Cheftrainer Christoph Werner zeigte sein Potenzial. Der Blick richtet sich deshalb bereits nach vorne: 2027 soll die lang ersehnte Medaille her.
„Leider haben wir das uns selbst gesetzte Ziel Top Acht nicht erreicht. Sicherlich sind darüber alle enttäuscht“, sagt Werner. Gleichzeitig fällt sein Fazit keineswegs negativ aus: „Wir haben uns in allen Spielen sehr gut präsentiert.“ Vor allem gegen die favorisierten Teams aus Großbritannien und Dänemark war Deutschland nah an einer Überraschung. Beide Partien der Vorrunde gingen mit 44:52 beziehungsweise 51:57 verloren. „Wir waren dicht dran, die Spiele zu gewinnen“, sagt Werner.
Was in diesen engen Begegnungen noch fehlte, war die Erfahrung. Mit dem 16-jährigen Jonte Küntzel und der 20-jährigen Enya Schröder standen zwei WM-Debütant*innen im Aufgebot, die laut Werner „hervorragende Talente“ sind. Die Mischung aus erfahrenen sowie unerfahrenen Spielerinnen und Spielern habe bei dieser WM aber noch nicht ausgereicht, um enge Partien gegen Topteams am Ende für sich zu entscheiden. Dennoch ist sich Werner sicher: „Mit Jonte und Enya werden wir in Zukunft noch viel Spaß haben.“
Dass die Mannschaft bereits während des Turniers einen Entwicklungsschritt gemacht hat, zeigte sich im Crossover-Spiel gegen Neuseeland. Deutschland lag über die gesamte Partie zurück, erkämpfte sich aber in der letzten Spielminute noch den Ausgleich und setzte sich anschließend in der Overtime durch. Im letzten Spiel gegen Kolumbien kamen schließlich alle Spielerinnen und Spieler zum Einsatz und zeigten beim souveränen 65:37-Sieg „hervorragende Mentalität und Kampfgeist“.
Deutschland beendet die WM also auf Platz neun und verbessert sich gegenüber dem zehnten Rang bei der WM 2022. Der verpasste Sprung ins Viertelfinale bleibt ein kleiner Wermutstropfen, für die kommenden Jahre gibt der Cheftrainer allerdings schon eine klare Richtung vor. „Im letzten Spiel konnte man die Zukunft von Rollstuhlrugby-Deutschland sehen“, sagt Werner. „Wir blicken mit größerer Hoffnung in die Zukunft.“ Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Unterstützung und finanzielle Förderung des Teams bestehen bleiben oder sogar ausgebaut werden. Denn 2027 soll es bei der Europameisterschaft nicht bei knappen Niederlagen bleiben. „Wir wollen endlich die schon lange verdiente Medaille holen und vielleicht sogar die Überraschung schaffen, uns direkt für die Paralympics in LA zu qualifizieren“, sagt Werner.
Text: Monja Nagel / DBS
Finale Platzierungen der WM 2026:
Platz 1: USA
Platz 2: Australien
Platz 3: Japan
Platz 4: Großbritannien
Platz 5: Frankreich
Platz 6: Dänemark
Platz 7: Kanada
Platz 8: Niederlande
Platz 9: Deutschland
Platz 10: Kolumbien
Platz 11: Brasilien
Platz 12: Neuseeland
Der Kader der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in São Paulo:
Florian Bongard (32 / Bergisch Gladbach / RSG Koblenz), Moritz Brückner (27 / Starnberg / SF Illerieden „Donauhaie“), Marco Herbst (37 / Rendsburg / VfL Grasdorf), Jonte Küntzel (16 / Bremen / TSV Achim 1860 e.V), Britta Kripke (49 / Buchholz in der Nordheide / Alstersport e.V), Mascha Mosel (23 / Bremen / TSV Achim), Jens Sauerbier (39 / Magdeburg / SV Eiche 05 Biederitz), Enya Schröder (20 / Hannover / TSV Achim 1860 e.V), Maximilian Stolz (29 / Wittlich / Koblenz), Steffen Wecke (42 / Steckby / SV Eiche 05 Biederitz), Josco Wilke (25 / Leipzig / LBRS)
