Aktuelles vom Para Triathlon
WM im Para Triathlon: Große Vorfreude und große Ambitionen
Eine Stadt im Ausnahmezustand: Im spanischen Pontevedra starten am Freitag die Weltmeisterschaften im Para Triathlon. Das deutsche Team hat sich viel vorgenommen – und freut sich, die Atmosphäre mit den olympischen Athlet*innen zu teilen. Mit dabei: Anja Renner, die vor drei Wochen bei der Para Radsport-WM das Podium nur knapp verpasst hatte.
Mit Valentin Hanzer, Neele Ludwig, Martin Schulz, Anja Renner und Guide Maria Paulig gehen bei der WM fünf Athlet*innen mit großen Ambitionen ins Rennen. „Die Sportlerinnen und Sportler haben ihre Ziele hochgesteckt. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Team drum herum – da sind alle gefragt“, betont Bundestrainer Tom Kosmehl. Er zeigt sich mit der Vorbereitung sehr zufrieden und hofft, an die guten Ergebnisse der WM im vergangenen Jahr anknüpfen zu können. „Die Puzzleteile müssen so zusammengesetzt werden, dass zum Jahreshöhepunkt alles funktioniert. Aber die Konkurrenz schläft nicht, in einigen Startklassen wurde ordentlich zugelegt“, weiß der Bundestrainer.
Zwei Sportarten, zwei Weltmeisterschaften
Paralympics-Sieger Martin Schulz gewann zuletzt im Juli bei der World Triathlon Para Series in Hamburg und will auch bei der WM um Gold mitkämpfen. „Vor drei Jahren hat Martin in Pontevedra sein bestes Rennen geliefert, das beflügelt ihn natürlich“, erklärt Kosmehl. Im vergangenen Jahr holte Schulz WM-Bronze, ebenso wie Anja Renner und ihr Guide Maria Paulig.
Übrigens: Noch vor knapp drei Wochen startete Renner bei der Para Radsport-WM und verpasste die Medaillenränge nur knapp, jetzt greift sie im Para Triathlon wieder an. „Zwei Sommersportarten parallel sind sicherlich ein Balanceakt, aber für mich ist das absolut händelbar“, berichtet die sehbeeinträchtigte Athletin. In den USA belegte sie Anfang September die Plätze vier und sechs auf dem Rad, dort noch mit Pilotin Antonia Milowsky, jetzt wieder mit Maria Paulig. „Nach meiner Rückkehr konnte ich ziemlich schnell zum Para Triathlon umschalten. Ich fühle mich sehr fit und bin überraschend erholt“, freut sie sich. Dem Jetlag hat sie bereits im Flugzeug entgegengewirkt und sich an der europäischen Zeit orientiert.
Dass Radsport Teil des Triathlons ist, kommt Renner nicht nur bei der anstehenden WM zugute. Langfristig möchte sie in beiden Sportarten zu den Paralympics und dort um die Medaillen mitkämpfen. „Man muss sich auch Ziele setzen, für die man hart kämpfen muss“, sagt die 40-Jährige. Im Para Triathlon jubelte das deutsche Duo bereits über Paralympics-Bronze in Paris. Bei der WM in Spanien peilt Renner mit Paulig in der Klasse PTVI ebenfalls das Podest an.
Valentin Hanzer: „An den richtigen Schrauben gedreht“
Nicht dabei ist bei den Para Triathlon-Wettkämpfen am Freitag Max Gelhaar, der bei den Paralympics vor zwei Jahren Silber gewann und die WM aufgrund persönlicher Umstände aussetzt. In der Klasse PTS2 geht es für die amtierende Europameisterin Neele Ludwig indes darum, den siebten Platz aus dem Vorjahr zu halten. „Die starke Konkurrenz in dieser Startklasse kommt aus dem außereuropäischen Ausland. Neele war fleißig, ist verletzungsfrei durchgekommen und geht erhobenen Hauptes ins Rennen“, sagt Kosmehl. Ludwig hatte im Juni bei extremer Hitze den EM-Sieg geholt – ebenfalls in Spanien. „Wir gehen davon aus, dass es jetzt etwas milder wird und vor allem die Wassertemperatur kühler sein wird“, berichtet Kosmehl. Grundsätzlich seien die Athlet*innen auf heiße Temperaturen aber gut vorbereitet.
Der Bundestrainer lobt auch die Vorbereitung von Valentin Hanzer, der seinen Status als Newcomer abgelegt hat und den sechsten Platz aus dem Vorjahr in der Klasse PTS3 halten oder leicht verbessern möchte. „Durch seine Erfahrung steigen sicherlich auch seine eigenen Erwartungen. Er ist professionell, akribisch und hat an den richtigen Schrauben gedreht“, sagt Kosmehl.
Gemeinsame Austragung olympischer und paralympischer Wettbewerbe
Die Vorfreude auf die anstehenden Weltmeisterschaften ist bei allen Beteiligten groß. Pontevedra ist die Heimat des Olympiasiegers und mehrfachen Weltmeisters Javier Gómez Noya, „und entsprechend wird man in der Stadt in Empfang genommen“. Dass olympische und paralympische Wettkämpfe gemeinsam ausgetragen werden sowie von der Jugend über die Altersklassen-Athlet*innen bis zur Elite alle dabei sind, stößt auf viel Zustimmung.
„Das ist das Schöne an unserer Sportart: Alle dürfen diesen Höhepunkt zusammen genießen. In den Hotels und an der Wettkampfstrecke ist alles voll“, freut sich Kosmehl. Auch Anja Renner befürwortet die gemeinsame Austragung der WM. „Das ist einfach richtig schön. Man reist als ein gemeinsames Team an, es wird kein Unterschied gemacht, ob du ein Handicap hast oder nicht. Für mich ist das gelebte Inklusion.“
Mehr Infos zum Zeitplan und den Ergebnissen gibt es auf der Seite von World Triathlon.
Wissenswertes rund um Para Triathlon ist auf der Online-Plattform parasport.de zu finden.
Text: Mona Alker / DBS
Der deutsche Kader für die Para Triathlon WM:
Valentin Hanzer (29 / München / 1. FC Nürnberg Schwimmen), Neele Ludwig (35 / Hamburg / Tri-Bandits TSG Bergedorf), Anja Renner (40 / Neuburg/Donau / 1. FC Nürnberg Schwimmen) mit Guide Maria Paulig (32 / Ingolstadt / Team Icehouse), Martin Schulz (36 / Oschatz / SC DHfK Leipzig).
