Aktuelles vom Para Tischtennis
Starker Jahresauftakt im Para Tischtennis: Wolf und Spegel siegen
Mit einer kleinen Europa-Tour und Turnieren in Polen (Wladyslawowo), Italien (Lignano) und Spanien (Costa Brava) ist die deutsche Para Tischtennis-Nationalmannschaft ins WM-Jahr gestartet. Besonders erfolgreich waren Juliane Wolf mit ihrem Turniersieg in Polen und Platz drei in Italien sowie Jana Spegel, die in Spanien triumphierte. Auch der Nachwuchs überzeugte auf internationaler Bühne.
Jana Spegel (WK 1–2) gewann das Finale gegen die Argentinierin Coty Garrone klar mit 3:0 und blieb im gesamten Turnier ohne Satzverlust. In der stehenden Klasse 8 bewies Wolf Nervenstärke und setzte sich im Finale in fünf Sätzen gegen die Brasilianerin Sophia Kelmer durch. „Juliane und Jana haben sich super präsentiert“, lobte Bundesstützpunktleiter Hannes Doesseler. In der laufenden Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Pattaya (Thailand) im November liegen Spegel und Wolf in ihren Klassen als Zweite und Vierte aktuell auf Kurs.
Neben den Erfolgen der etablierten Spielerinnen stand zum Jahresauftakt vor allem die Entwicklung des Nachwuchses im Fokus. Mit gleich acht Spieler*innen aus dem Nachwuchskader 1 war Deutschland bei den ersten Wettbewerben des Jahres vertreten. Ihr Ziel: die dichte Turnierphase nutzen, um international Wettkampfluft zu schnuppern und im Rennen um die WM-Qualifikation vielleicht sogar ein Wörtchen mitreden zu können. „Das war ein wenig Jugend forscht“, sagte Nachwuchs-Bundestrainer Andreas Wenzel. Ziel sei es, den jungen Spielerinnen und Spielern Einsätze auf höchstem Niveau zu ermöglichen – als Investition in die Zukunft. „Wir haben zahlreiche motivierte Athletinnen und Athleten, die viel in ihren Sport investieren und sich für die WM qualifizieren wollen“, erklärte Wenzel. „Diesen Einsatz wollen wir unterstützen und legen deshalb bewusst einen Schwerpunkt auf die Nachwuchsarbeit.“
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist Nina Reck. Die 23-Jährige wurde in der WK 8 Dritte in Italien sowie Zweite in Spanien und präsentierte sich bei stark besetzten Turnieren in deutlich verbesserter Form. Nach einer enttäuschenden Europameisterschaft zog sie Konsequenzen, legte eine kurze Pause ein und startete nun gestärkt ins neue Jahr. Ihr Ziel: die Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Dafür nimmt sie – wie viele andere Nachwuchskräfte – zahlreiche internationale Turniere wahr, oft auch auf eigene Kosten. Nicht alle internationalen Einsätze können vollständig finanziert werden – einige investieren deshalb eigenes Geld, um ihre Entwicklung voranzutreiben. „Das ist ein starkes Committment“, betonte Wenzel. Aktuell würde Reck als Sechste im Klassement die Qualifikationskriterien erfüllen.
Bei den Herren rückte Nicolai Sommer mit starken Leistungen in den Fokus. In Spanien landete er auf Rang drei, in Italien verpasste er das Weiterkommen aus der Gruppe nur knapp, nachdem er den amtierenden Europameister Filip Nachazel an den Rand einer Niederlage gebracht hatte. „Nico zeigt tolle Ansätze, aber es geht auch bei ihm vor allem um das Sammeln von Erfahrung“, ordnet Wenzel ein. „Er trifft auf Gegner, die seit vielen Jahren auf der Tour sind. Dort muss man sich erstmal so gut behaupten.“ Die WM-Qualifikation bleibt ein Ziel, ist aber nicht alleiniger Maßstab. Die hochklassig besetzten Turniere dienen vor allem als wichtiger Gradmesser für die Entwicklung der jungen Talente. „Genau an solchen Aufgaben wachsen die Spielerinnen und Spieler.“
Zur jungen Generation gehören neben Reck und Sommer auch Benedikt Müller, Jan Reinig, Mio Wagner, Marlene Reeg, Kyra Liepach und Rebecca Alexandra Bartels. „Es ist erfreulich zu sehen, wie breit wir im Para Tischtennis inzwischen aufgestellt sind“, betont Hannes Doesseler. „Selbst wenn sich nicht alle qualifizieren, verbessern sie ihre Weltranglistenposition und messen sich mit den Top-Leuten.“
Das neue Turniersystem stellt das Team aber vor organisatorische Herausforderungen. Veränderte Qualifikationsrichtlinien machen eine präzise Planung notwendig. „Der Dezember und Januar gingen komplett für die Saisonplanung drauf“, erklärte Wenzel. Auch während der Saison sei ständige Abstimmung nötig, um Einsatzmöglichkeiten optimal zu nutzen und wichtige Punkte zu sammeln. Entscheidend sind dabei die Ergebnisse im einjährigen Qualifikationszeitraum bis Ende Juli. Mehr Punkte bringen eine bessere Platzierung. Je nach Wettkampfklasse ist in der Regel ein Top-Ten-Platz erforderlich, um sich für eine WM-Nominierung zu empfehlen.
Nach der Europa-Tour folgen nun Turniere in Südamerika sowie weitere hochklassige Events in Montenegro und Slowenien. Für die etablierten Spieler*innen wie Sandra Mikolaschek, Juliane Wolf, Stephanie Grebe oder Tom Schmidberger, die als Europameister bereits für die WM qualifiziert sind, wird es dann darum gehen, sich auf ausgewählten Turnieren eine möglichst gute Setzungsposition für die Weltmeisterschaft zu erspielen.
