Aktuelles vom Para Tischtennis
Para Athlet Mio Wagner wird Deutscher Jugendmeister im Tischtennis
Mio Wagner hat bei den Deutschen Tischtennis-Meisterschaften ein sportliches Ausrufezeichen gesetzt: In der Jugend-19-Konkurrenz sicherte er sich sowohl den Titel im Einzel als auch im Doppel. Gleichzeitig schrieben Paralympics-Sieger Valentin Baus und die langjährige Nationalspielerin Kristin Lang Geschichte, als sie als erstes inklusives Mixed im Rahmen einer Deutschen Meisterschaft antraten.
„Was Mio spielerisch gezeigt hat, war große Klasse“, kommentierte Nachwuchs-Bundestrainer Andreas Wenzel. Die TT Finals sind das größte nationale Event im deutschen Tischtennissport. Unter einem Dach werden gleich sechs Deutsche Meisterschaften ausgetragen. Vier Tage lang spielen Nationalspieler*innen, Nachwuchstalente und Senioren in unterschiedlichen Klassen um die Titel. Mittendrin: Mio Wagner, der als einziger Para Athlet im Einzel-Feld bei den Jungen 19 an den Start ging und auf nationaler Ebene den bislang größten Erfolg seiner Karriere feierte.
Nur drei Wochen nach seinem Triumph bei den Deutschen Para-Meisterschaften der Herren setzte er sich bei den Regelsportlern in der höchsten Jugendklasse durch. „Ich freue mich sehr für Mio, das Teilnehmerfeld war außergewöhnlich ausgeglichen besetzt. Du hast im olympischen Bereich nicht den einen Spieler, der alles überragt hat, sondern einen unheimlich großen Pool an Favoriten“, erklärte er. „Sich in diesem Feld durchzusetzen, ist wirklich gut und besonders hoch einzuschätzen. Am Ende ist es die Belohnung für die Arbeit, die er gemacht hat.“ Für Wenzel reicht die Bedeutung des Erfolgs deshalb über den Titelgewinn hinaus. „Aus Para-Sicht ist das ein wichtiges Signal. Es zeigt, wie hoch die Qualität ist, die wir national und international vertreten. Auch im Aktivenbereich spielen Athleten, die in der Champions League unterwegs sind und Topspieler schlagen.“
Wagners Weg zum Titel verlief allerdings keineswegs geradlinig. Der 19-Jährige, der seinen Trainingsmittelpunkt am Deutschen Tischtennis-Zentrum im Sportinternat Düsseldorf hat, startete mit einer Niederlage in die Gruppenphase, steigerte sich anschließend jedoch kontinuierlich und gab bis zum Halbfinale lediglich zwei Sätze ab. Dort wartete mit Matej Haspel ein hochklassiger Gegner und ein spannendes Duell über fünf Sätze. Zweimal ging Wagner in Führung, zweimal glich sein Gegner aus. „Man muss Matej ein großes Kompliment machen. Er hat es sehr gut verstanden, mich in den beiden Sätzen aus dem Spiel zu nehmen“, sagte Wagner nach der Partie.
Im Finale zeigte der gebürtige Lübecker noch einmal seine Klasse und gewann gegen Jia Yuan Zhang souverän in drei Sätzen (11:8, 11:7, 11:8). Entscheidend sei dabei vor allem die mentale Stabilität gewesen. „Mein Kopf hat mitgemacht, was eher selten der Fall ist“, sagte Wagner und betonte, dass es ihm gelungen sei, über die gesamte Turnierdauer konzentriert und fokussiert zu bleiben. Zuvor hatte er an der Seite von Jamal Oudriss, den er im Einzel bezwang, den Doppel-Titel perfekt gemacht.
Dazu passt Wenzels Anekdote am Rande des Turnierverlaufs: Während Mio Wager bei früheren Turnieren regelmäßig zum Telefon griff, um sich mit Wenzel auszutauschen und sich Rat einzuholen, verzichtete er diesmal darauf. „Erst nach dem Finale klingelte mein Telefon: Mio sagte nur: Andreas, das Turnier ist vorbei – jetzt kann ich dich anrufen, ich habe gewonnen“, berichtete Wenzel, der natürlich den Livestream verfolgt hatte. „Mio hat das alleine geschafft und bewiesen, dass er sich auch durch schwierige Phasen kämpft.“
Ein weiteres Highlight der TT Finals war das inklusive Mixed mit Valentin Baus und Kristin Lang, die gegen Janine Hanslick und Nico Longhino aus Bayern antraten. Die Partie hielt allerhand Spannung parat, nicht nur aufgrund der besonderen Konstellation. Beim inklusiven Doppel muss nicht abwechselnd geschlagen werden, was auch für die Zuschauer eine gewisse Eingewöhnung erfordert. Hanslick und Longhino waren jedoch gut darauf vorbereitet. Die Paarung ging im ersten Satz relativ eindeutig in Führung, danach ging die Partie hin und her. Stellenweise holten Lang und Baus große Abstände wieder auf, zwangen ihre Gegner sogar in den fünften Satz. Dort reichte es dann aber nicht für das Weiterkommen „So etwas hat es bislang noch nicht gegeben“, sagte Wenzel über die Premiere. Für ihn markiert sie einen wichtigen Schritt für die Entwicklung der Sportart: „Es war ein Startschuss und zugleich ein Zeichen dafür, dass dieses Format Zukunft haben kann.“ Vor allem habe das Match gezeigt, dass sich Para und olympischer Sport auf hohem Niveau begegnen können.
