Aktuelles vom Para Ski alpin im Deutschen Behindertensportverband
„Am wichtigsten ist das gegenseitige Vertrauen“ – Interview mit Guide Jeremias Wilke
Jeremias Wilke begann zunächst als Guide von Luisa Grube, bevor er vor circa zwei Jahren anfing, mit dem sehbehinderten Alexander Rauen zu fahren. Gemeinsam nahm das Duo im Para Ski alpin an Weltcups, den University Games und im letzten Jahr auch erstmals an einer WM teil. Im Interview spricht er über Highlights und schwierige Phasen der bisherigen Karriere, Ziele für die Paralympics und warum er im Rennen „Wendy“ anstatt „Haarnadel“ sagt.
DBS: Was genau ist deine Aufgabe als Guide?
Wilke: Primär bin ich dafür da, vorweg zu fahren und den Weg zu zeigen. Mein Athlet folgt mir dabei möglichst schnell und möglichst genau. Sekundär leiste ich auch neben dem Skifahren hier und da Unterstützung, etwa um die Anreise zum Trainingslager etwas entspannter zu gestalten. Aber primär bin ich für den Wettkampf da.
DBS: Was ist dabei das Entscheidende bei der Kommunikation?
Wilke: Am wichtigsten ist das gegenseitige Vertrauen. Wenn kein Vertrauen da ist, beim Guide oder Athleten, dann kann die Kommunikation noch so gut sein. Wenn man dir als Guide nicht glaubt, dann funktioniert das ganze Gerüst nicht. Neben dem Vertrauen sind auch klare Ansagen im Sport wichtig. Also, dass man genaue Kommandos für genaue Situationen hat, und nicht erst überlegen muss: „Was bedeutet das jetzt?“ Dann ist es meistens schon zu spät.
DBS: Entwickelt sich die Kommunikation untereinander mit der Zeit weiter?
Wilke: Ja. Beispielsweise habe ich am Anfang eine Haarnadel auf der Strecke auch immer mit „Haarnadel“ angesagt. Das ist ein verdammt langes Wort, um es im Slalom zu sagen. Irgendwann haben wir gehört, dass die Schweizer „Wendy“ sagen. Das geht deutlich schneller und ist einfacher. Das haben wir übernommen und es funktioniert super.
DBS: Was waren bisher Highlights in eurer Karriere?
Wilke: Es fallen mir vor allem zwei Highlights ein. Das war einmal der Weltcup in Japan, einfach weil es spannend war ein neues Land kennenzulernen. Zusätzlich haben wir es dann auch auf den dritten Platz geschafft, das erste Mal Podium für uns als Team. Und das zweite Highlight waren auf jeden Fall die University Games. Das war ein kleiner Vorgeschmack auf das, was kommen könnte. Auch da haben wir es zweimal auf den zweiten Platz geschafft.
DBS: Und was lief nicht so gut?
Wilke: So ein bisschen, die Saison letztes Jahr, könnte man sagen. Die war etwas ernüchternd, bedingt vor allem durch die neue Klassifizierung von Alexander. Da sind wir insgesamt viel hinterhergefahren. Die Saison haben wir vor allem als Trainingssaison gesehen und versucht das Beste draus zu machen. Wir hatten ein paar gute Rennen, aber insgesamt war die Saison eher enttäuschend.
DBS: Habt ihr trotz der ungewissen Lage ein konkretes Ziel für Mailand & Cortina?
Wilke: Ziel ist, so unrealistisch es auch ist, weiterhin eine Medaille. Wenn man nicht mit dem Ziel zu gewinnen an den Start geht, kann man es auch gleich lassen. Aus eigener Kraft wird das natürlich schwierig und ziemlich unwahrscheinlich, da wir momentan eher um "best of the rest" anstatt um eine Medaille kämpfen. Das realistischere Ziel ist daher Erfahrungen zu sammeln und unser bestes geben, um dann in vier Jahren mit einem besseren Leistungsstand und Klassifizierung auf Medaillenjagd zu gehen.
