Aktuelles vom Para Ski alpin im Deutschen Behindertensportverband
Alexander Spitz: Initiative ergreifen für den Para Sport
Pionier des Para Sports, mehrfacher Paralympics-Sieger im Para Ski alpin, Botschafter für Gleichberechtigung und Kämpfer gegen Krebs – Alexander Spitz kann viele Geschichten aus seinem Leben erzählen und hat damit immer wieder andere inspiriert. Sicher ist eines: Es gibt nur wenige Menschen hierzulande, die den Para Sport so geprägt und auch vorangebracht haben wie Alexander Spitz.
Es ist eines der bekanntesten Fotos aus dem Para Sport und gleichzeitig auch eine der schmerzhaftesten Erinnerungen für Alexander Spitz. Die Aufnahme vom Sturz des Para Ski alpin-Fahrers bei den Paralympics 1998 in Nagano (Japan) ging um die Welt und beendete gleichzeitig die Karriere des bis dahin so erfolgreichen Athleten. Aber Alexander Spitz kann mit Rückschlägen umgehen, dass bewies er sein ganzes Leben lang. Willenskraft und der Blick nach vorne zeichnen ihn aus – und das schon vom Kindesalter an.
Als Zehnjähriger bekam er die Diagnose Krebs, das rechte Bein musste amputiert werden. „Meine erste Frage damals war: Kann ich wieder Fußball spielen und Ski fahren“, erinnert sich Spitz. Der Sport war ihm immer schon wichtig, wurde in der ersten Zeit nach der Amputation aber verboten. Lange ließ sich Spitz nicht davon abhalten und stand bald bereits wieder auf der Ski-Piste. „Ich habe gemerkt, dass ich da ein Talent habe und wollte nicht akzeptieren, dass ich den Sport nicht mehr ausüben konnte“, betont Spitz. 1984 nahm er zum ersten Mal an den Paralympics in Innsbruck teil. Der damals 15-Jährige holte zur Überraschung aller die Silber-Medaille im Riesenslalom, genau fünf Jahre nach dem Tag seiner Amputation. Eine Bronze-Medaille in der Kombination kam wenig später noch dazu.
„Ich wollte zeigen, was alles mit einer Behinderung möglich ist“
Es war der Startpunkt einer äußerst erfolgreichen Karriere. 1986 kam sein großer Durchbruch bei der WM in Schweden, drei Titel gewann Spitz dort. Es folgten zwei Goldmedaillen bei den Paralympics 1988, bevor er bei der WM 1990 neue Maßstäbe setzte. In den USA gewann Spitz alle fünf Rennen, an denen er teilnahm. Den Schwung nahm Spitz zwei Jahre später zu den Paralympics in Frankreich mit, drei Medaillen standen dort am Ende zu Buche. Bei den Spielen 1994 in Lillehammer landete er sogar in allen vier Rennen auf dem Podium.
Alexander Spitz wurde zu einem der erfolgreichsten Para Athleten seiner Zeit und in der gesamten deutschen Historie der Paralympics (Mehr zur Geschichte der Winter-Paralympics gibt es hier). Für ihn ging es dabei aber nicht nur um die Medaillen: „Ich wollte zeigen, was alles mit einer Behinderung möglich ist. Mit einem Bein konnte ich schneller fahren als viele mit zwei.“ Die Anerkennung und Wertschätzung des Para Sports ist für Alexander Spitz ein wichtiges Thema. So setzte er sich bei der Sporthilfe dafür ein, dass Para Sportler*innen ebenfalls Medaillenprämien bei den Spielen bekommen. Als erster deutscher Para Athlet wurde er von seinem Arbeitgeber, der Sparkasse, für den Leistungssport freigestellt. Andere inspirierte er mit seinen Leistungen. Gerd Schönfelder, noch immer der erfolgreichste deutsche Paralympics-Teilnehmer mit 22 Medaillen, darunter 16 in Gold, sah Spitz im Fernsehen und kam so zum Para Sport.
Das Leben nach der aktiven Karriere
Es sind Schönfelder und andere Para Athlet*innen, die Spitz‘ Pionierarbeit fortsetzten, denn seine sportliche Karriere endete 1998 in Nagano mit dem folgenreichen Sturz. Dem Para Sport blieb der Schwarzwälder, der seit vielen Jahren in Wesseling bei Köln wohnt, aber treu. 2010 kommentierte Spitz die Paralympics in Vancouver als Experte bei ARD und ZDF. Für das ZDF war er danach auch bei Folgeveranstaltungen im Einsatz. Den Para Ski Alpin-Weltcup am Feldberg, nahe seines ursprünglichen Heimatorts Menzenschwand im Schwarzwald, betreute er dieses Jahr erneut als Schirmherr. Neben seinem Einsatz für den Para Sport fungiert er als Botschafter für die Deutsche Krebshilfe. „Die Dankbarkeit, dass ich überlebt habe, gibt mir Antrieb – in meinem Leben und als Botschafter“, sagt Spitz.
Einen Antrieb, den er unter anderem genutzt hat, um sich fortwährend für den Para Sport einzusetzen. „Das große Ziel ist, dass wir irgendwann mit den olympischen Sportler*innen gleichgestellt werden. Dafür braucht es aber auch noch mehr Initiative von uns Para Sportler*innen“, betont Spitz. Initiative, die er und viele andere in den letzten Jahrzehnten ergriffen haben. Das Ergebnis ist deutlich zu erkennen, etwa in der stark gestiegenen Sichtbarkeit der Paralympics und des Behindertensports.
Das große Ziel für Spitz dabei: „Als Sportler wollten wir etwas zurückgeben und zeigen, dass man etwas aus seinem Leben machen kann, auch wenn es sich mit einer Behinderung verändert.“ Mehr Menschen mit Behinderung zum Sport zu motivieren, ist die klare Mission für Alexander Spitz. Welche Potenziale der Para Sport entfalten kann, hat er selbst eindrucksvoll vorgelebt.
Text: Paul Foreman / DBS
