Aktuelles vom Rollstuhlfechten
Rollstuhlfechten: Mit starkem Nachwuchs zur WM nach Südkorea
Für acht deutsche Rollstuhlfechter*innen starten am 2. September die Weltmeisterschaften im südkoreanischen Iksan – das sind sieben Athlet*innen mehr als bei den Paralympischen Spielen in Paris vor einem Jahr. Damit steigen die Chancen auf Medaillen für Deutschland genauso wie der Druck auf Paralympics-Sieger Maurice Schmidt, der nun zu den Gejagten zählt.
Für den bisher vor allem im Nachwuchsbereich erfolgreichen Rollstuhlfechter Clemens Cursiefen ist die anstehende Weltmeisterschaft der erste große internationale Wettkampf. Bisher ist der 21-Jährige, gemeinsam mit Felix Schrader, Teil der Junior*innen-Mannschaft gewesen und konnte sich bei der U23-WM vor zwei Jahren u. a. den fünften Platz im Florett erkämpfen. Generell zeigt sich beim Blick aufs große deutsche WM-Aufgebot, dass der Nachwuchs gut aufgestellt scheint: Neben Clemens Cursiefen als jüngstem deutschen Starter wollen auch Felix Schrader (22), Julius Haupt (25) und Denise Hutter (26) beim Jahreshighlight ihr Können unter Beweis stellen – und möglichst eine Platzierung unter den Top acht erreichen. Zudem ist Maurice Schmidt, der vor einem Jahr das Grand Palais in Paris mit dem sensationellen Gewinn der Goldmedaille zum Beben brachte, auch erst 26 Jahre jung. Auf diesen Triumph führt der deutsche Bundestrainer Alexander Bondar auch den derzeitigen Aufschwung des Rollstuhlfechtens zurück. „Wir sind überzeugt, dass wir die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des deutschen Rollstuhlfechtens gelegt haben“, betont Bondar und fügt an: „Jetzt kommt es erst einmal darauf an, dass die jungen Athlet*innen gut mit dem hohen Leistungsniveau in Südkorea umgehen und an die Erfolge aus den Turnieren der Nachwuchsklassen anknüpfen können.“
Bis zu den Paralympics in Los Angeles sind zwar noch drei Jahre Zeit, doch der Druck sei laut Bondar schon deutlich zu spüren. „Wir werden bereits nach den Weltmeisterschaften grobe Richtungsentscheidungen vornehmen, wer für den Kader für 2028 in Frage kommen könnte und wer vielleicht erst 2032 im australischen Brisbane mit einer Nominierung rechnen darf.“ Schließlich gebe es die ersten Möglichkeiten zur Qualifikation für die Spiele in den USA bereits im kommenden Jahr, erklärt Bondar, der mit Freude beobachtet, dass diese Situation vor allem die Motivation im Team erhöhe. „Die Neulinge und die erfahreneren Sportler*innen pushen sich gegenseitig und bringen viel Elan mit ins Training“, betont der Bundestrainer. Neben den jungen Athlet*innen gehört auch ein erfahrenes Trio dem WM-Kader an mit den ehemaligen Paralympics-Teilnehmer*innen Sylvi Tauber (Tokio 2021) und Balwinder Cheema (Rio 2016). Auch Dimitrij Rout ist mit seinen 40 Jahren bereits mit langer Wettkampferfahrung ausgestattet.
Die unmittelbare Vorbereitung auf den wichtigsten Wettkampf seit Paris sei laut Bondar mit mehreren Trainings- und Theorieeinheiten am Tag sehr intensiv gewesen – und ebenso gewinnbringend. Maurice Schmidt ist durch seinen Sieg bei den Paralympics vom Jäger zum Gejagten geworden, habe sich in dieser neuen Rolle aber gut eingefunden und geht als einer der Favoriten ins Rennen: „Er weiß, dass die ganze Welt ihn beobachtet und er ist gut vorbereitet.“ Schmidt ist allerdings nicht der Einzige, der auf einen Platz auf dem Podium hoffen kann. Auch Denise Hutter und Julius Haupt, der Maurice Schmidt bei den deutschen Meisterschaften Anfang des Jahres besiegte, haben laut Bondar ebenfalls gute Chancen auf eine Medaille. Hinzu kommen die Mannschaftswettkämpfe, bei denen vor allem die deutschen Säbel-Herren nach Edelmetall schielen.
Die Konkurrenzdichte sei bei 50 bis 60 Athlet*innen pro Startklasse allerdings sehr hoch und man müsse sich auch erst an einige Änderungen im Wettkampfmodus gewöhnen, so Bondar. Die stärksten Konkurrent*innen würden nach wie vor die Teams aus China und Italien bleiben: „Wir haben uns ausführlich vorbereitet und viele Videoanalysen gemacht, das werden die anderen Teams aber natürlich auch gemacht haben“, sagt der Bundestrainer. Es ist also alles möglich bei der WM vom 2. bis zum 7. September in Südkorea – und der Blick ist schon jetzt auf die Paralympischen Spiele in Los Angeles 2028 gerichtet.
Text: Anna Höhne / DBS
Der deutsche WM-Kader im Überblick:
Balwinder Cheema (46 / Mana-Talwandi/Indien / TuS Makkabi Rostock), Clemens Cursiefen (21 / Boston/USA / Kölner Fechtclub), Julius Haupt (25 / Weimar / FC Tauberbischofsheim), Denise Hutter (26 / Fürstenfeldbruck / Fecht Club Gröbenzell), Dimitrij Rout (40 / Kasachstan / TuS Makkabi Rostock), Maurice Schmidt (26 / Laichingen / SV Böblingen), Felix Schrader (22 / Ulm / SV 1845 Esslingen), Sylvi Tauber (45 / Berlin / TuS Makkabi Rostock)
