Aktuelles von Mailand & Cortina 2026
Richtig berichten: Tipps für Medien bei den Paralympics
Die Paralympics stehen kurz bevor und damit auch eine mediale Aufmerksamkeit für den Para Sport und seine Athlet*innen, die es so nur alle zwei Jahre gibt. Dabei kommt es immer noch vereinzelt zu unglücklichen Formulierungen in der Berichterstattung. Deshalb hat die Aktion Mensch in Kooperation mit dem Projekt Leidmedien.de des Sozialhelden e.V. und dem DBS eine Broschüre entwickelt, die zu einer Berichterstattung ohne sprachliche Diskriminierung beitragen soll.
Fast jeder und jede Para Leistungssportler*in hat sie schon gehört: Sätze und Wörter, die der sportlichen Leistung nicht angemessen sind und in alte Klischees und Muster verfallen. Einige Beispiele sind in der Broschüre zu finden, mit Kommentaren von den jeweils betroffenen Athlet*innen. So wurde über Para Ski alpin-Fahrerin Andrea Rothfuss in einem Nachrichtenmagazin gesagt: „Sie kämpft nicht nur gegen ihre Gegner, sondern auch gegen ihre Behinderung.“ Ihre Antwort in der Broschüre darauf: „Ich fahre Ski, weil ich Spaß dabei habe und weil mir der Wettkampf mit und gegen andere Spaß macht. Ich kämpfe niemals gegen meine Behinderung, sie spielt im Wettkampf keine Rolle."
Weitere Beispiele dieser Art lassen sich in der Broschüre und in der deutschen und internationalen Medienlandschaft noch zu oft finden, trotz deutlicher Verbesserungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Besonders häufig werden Sportler*innen mit Behinderungen als „Opfer“ oder „Helden“ inszeniert, die eben gegen ihr schweres Schicksal kämpfen. Die Athlet*innen wünschen sich jedoch, dass stattdessen ihre Persönlichkeiten und ihre sportlichen Leistungen mehr im Vordergrund stehen.
Damit Journalist*innen und Medien nicht in diese Falle tappen, haben Aktion Mensch und das Projekt Leidmedien.de ein paar hilfreiche Tipps in der Broschüre zusammengestellt, angefangen schon bei der Themenwahl. Ist der Ansatz richtig gewählt? Werden auch Barrieren durch die Umwelt im Beitrag berücksichtigt? Lassen sich Gemeinsamkeiten zwischen Menschen mit und ohne Behinderung für die Berichterstattung finden? Die sind nur einige der Fragen, die sich Journalist*innen im Vorfeld stellen sollten. Fehlende Barrierefreiheit betrifft zum Beispiel ebenfalls Eltern mit Kinderwagen.
Auch für Interviews gibt es Hinweise, etwa was den Umgang mit sehbehinderten Sportler*innen betrifft und wann Unterstützung angemessen ist und wann nicht. Ganz konkret auf bestimmte Formulierungen wird im Glossar eingegangen. Hier sind Beispiele für Begriffe und Sätze, die vermieden werden sollten, sowie jeweils passende Vorschläge für eine bessere Formulierung aufgelistet. So ist etwa „Person sitzt/benutzt oder fährt Rollstuhl“ als positives Beispiel zu nennen, während auf den Satz „Person ist an den Rollstuhl gefesselt“ verzichtet werden sollte.
Meistens steckt hinter solchen Formulierungen keine böse Absicht, schaden tun sie aber dennoch – sowohl den angesprochenen Para Athlet*innen als auch Menschen mit Behinderungen im Allgemeinen. Vieles ist in der medialen Berichterstattung in den letzten Jahren in die richtige Richtung gegangen, die Broschüre soll jetzt dabei helfen, dass diese positive Tendenz bei den Paralympics in Mailand und Cortina weiter fortgesetzt wird. Dann werden es unvergessliche Spiele für alle – mit einer Berichterstattung, die genauso professionell ist wie der Para Sport inzwischen.
Die Broschüre auf Deutsch und auf Englisch gibt es hier
