Aktuelles von Mailand & Cortina 2026
Para Ski alpin: Silber für Anna-Lena Forster in der Super-Kombination
Das dritte Kombi-Gold in Folge verpasst, eine mental wertvolle Silbermedaille gewonnen: Abfahrts-Goldmedaillengewinnerin Anna-Lena Forster war nach Platz zwei in der Super-Kombination von Cortina d’Ampezzo vor allem „erleichtert“, nachdem sie am Tag zuvor im Super G ausgeschieden war. Andrea Rothfuss wurde Sechste, Anna-Maria Rieder sowie Alexander Rauen mit Guide Jeremias Wilke Elfte. Die Deutschen zeigten vor allem mit den Slalom-Ski gute Leistungen, die hoffen lassen für die technischen Disziplinen von Donnerstag bis Sonntag.
Es war eine schwere Aufgabe, die Anna-Lena Forster vor sich hatte. Nach Abfahrts-Gold zum Paralympics-Start am Sonntag verpasste sie am Montag im Super G ein Tor, nachdem sie zuvor weit gesprungen war – zu einem Zeitpunkt, als sie nur 0,20 Sekunden hinter ihrer Dauerkonkurrentin Audrey Pascual Seco aus Spanien lag und damit vermutlich mindestens Silber gewonnen hätte. Am Montagnachmittag kam die große Enttäuschung bei ihr an, die sich auch bis in den Dienstagmorgen zog.
„Ich habe es nicht geschafft, den Super G abzuschütteln“, sagte die 30-Jährige vom BRSV Radolfzell und war daher „einfach froh“, den Kombi-Super G am Dienstag ins Ziel gebracht zu haben. Das Problem: Die junge Spanierin war 2,82 Sekunden schneller gewesen, Forster aber vor ihrer Paradedisziplin Slalom mit Platz zwei immerhin gut positioniert, um auf Medaillenjagd zu gehen. In PyeongChang 2018 und Peking 2022 hatte sie mit einer Aufholjagd jeweils Kombi-Gold gewonnen, 2014 in Sotschi auf ähnliche Weise mit Silber ihre erste Paralympics-Medaille überhaupt ergattert.
Im Kombi-Slalom von Cortina d’Ampezzo legte Forster eine starke Fahrt hin - und als die spanische Super G-Paralympics-Siegerin im Slalom unterwegs war, schwand ihr Vorsprung von Zwischenzeit zu Zwischenzeit. 0,46 Sekunden rettete Pascual Seco ins Ziel, doch Forster freute sich auch über Silber. „Für unseren Sport ist es wichtig, dass es spannend ist. Ich hätte es auch anders machen können und im Super G mehr Gas geben können, aber das war heute morgen einfach nicht drin. Jetzt mit dem Slalom bin ich happy und kann selbstbewusst in die Technik-Rennen gehen.“
Am Donnerstag steht der Riesenslalom für Forster an, am Samstag schließlich der Slalom. Dann könnten weitere Medaillen zu Forsters Sammlung dazu kommen: Mittlerweile steht sie bei elf Edelmetallen und die Vorfreude auf die technischen Disziplinen ist groß: „Ich fühle mich auf dem Schnee wohl, auch wenn er so gesalzen ist, das taugt mir und daher gehe ich mit Selbstbewusstsein in die letzten zwei Rennen.“ Eine Lektion konnte die Freiburgerin, die am Bodensee aufgewachsen ist, auch mitnehmen: „Es zeigt mir, dass man einfach weitermacht und weiterkämpft und von sich überzeugt bleibt, auch wenn man innerlich mal nicht an sich glaubt. Ich glaube, das hat mir der Tag heute gezeigt.“
Rothfuss nach kleinem Dämpfer „voll im Soll“
Andrea Rothfuss spürte nach ihrem „Super-Rennen“ im Super G am Vortag große Erwartungen, dass es in der Kombination auch so gut klappen könnte. Doch nach dem Kombi-Super G lag sie auf Platz acht, 3,68 Sekunden hinter dem Podest. Nachdem sie sich dann im Kombi-Slalom von acht auf sechs vorarbeiten konnte und nur noch 1,62 Sekunden Rückstand auf Bronze hatte, war die Gemütslage wieder eine andere. „Mit dem Lauf im Super G bin ich inzwischen auch versöhnlicher, nachdem ich zunächst schon etwas enttäuscht war“, sagte Rothfuss, die bei fünf Paralympics bereits 14 Medaillen gewonnen hat und jetzt ihre sechsten Paralympics erlebt: „Das war wahrscheinlich die Reaktion auf das super Rennen von gestern, so dass es sich erstmal wie ein kleiner Dämpfer angefühlt hat, obwohl es das eigentlich gar nicht war, weil ich mit Platz acht voll in meinem Soll unterwegs war.“
Fast zwei Jahre hatte Rothfuss aufgrund von Depressionen gar kein Rennen bestritten, im Super G in Cortina war sie dann auf Anhieb herausragende Vierte geworden. Mit Platz sechs in der Super-Kombination konnte sie dann auch gut leben. „Ich bin eigentlich zufrieden und der Slalom-Lauf ist mir ganz gut gelungen. Dass mir am Ende eine Hundertstel auf die Amerikanerin fehlte, ärgert mich ein bisschen“, sagte die 36-Jährige vom SV Mitteltal, die am Zielhang ihren Unterarm-Protektor verlor, der Schutz vor den Slalomstangen bietet. Mit Blick auf den Riesenslalom und Slalom sammelte sie wichtige Erkenntnisse: „Ich kenne jetzt den Hang, weiß, worauf es ankommt und werde mich in den nächsten Rennen noch einen Tick mehr pushen – mal schauen, was dann passiert.“
Rieder mit zweitbestem Kombi-Slalom
Anna-Maria Rieder wollte nach Platz elf im Super G am Vortag „angreifen“, doch auch der Lauf am Dienstagmorgen wollte ihr nicht so richtig gelingen: Nur Platz zwölf mit großem Rückstand auf die Medaillen. In ihrer Paradedisziplin griff die Slalom-Bronzemedaillengewinnerin von Peking 2022 dann aber richtig an, legte die zweitbeste Slalom-Zeit von allen hin. Wenngleich sie sich nur um einen Platz auf Rang elf verbesserte, war die 26-Jährige vom RSV Murnau damit zufrieden: „Über den Super G am Vormittag braucht man gar nicht mehr reden. Der Slalom war jetzt gar nicht so schlecht, ist aber auch noch ausbaufähig, das weiß ich. Nach dem Slalom fühle ich mich jetzt besser und bin froh, dass ich dafür schonmal in Form bin. Da heißt es dann am Samstag volle Attacke und dann schauen wir, was herauskommt.“
Alexander Rauen kam mit Guide Jeremias Wilke wie im Super G auch in der Super-Kombination auf Rang elf. Nach dem Slalom waren beide aber sehr optimistisch gestimmt, zumal sie die siebtbeste Slalom-Zeit in der Kombination fuhren. „Nachdem es im Super G heute nicht so lief, bin ich mit dem Slalom-Ski gut reingekommen“, sagte der 24-Jährige vom TSV Kareth-Lappersdorf: „Das macht mich ganz positiv für den Spezial-Slalom am Sonntag.“ Sein Guide Jeremias Wilke ergänzt: „Da geht noch mehr. Im Riesenslalom und im Slalom blühen wir auf.“
Text: Nico Feißt / DBS
