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Para Ski alpin: Forster verpasst erstmals Slalom-Medaille – um 0,08 Sekunden
Platz vier nach einem „Hundertstel-Krimi“ für Anna-Lena Forster bei den Paralympics in Cortina d’Ampezzo und Rang sechs für Anna-Maria Rieder waren am Samstag Dämpfer für das deutsche Para Ski alpin-Team und führten zu bitteren Tränen. Andrea Rothfuss konnte mit dem siebten Platz in ihrem letzten paralympischen Rennen hingegen gut leben und Debütantin Maya Fügenschuh war mit Guidin Johanna Holzmann als Zehnte ebenfalls zufrieden. Am Sonntag fahren zum Abschluss die Männer den Slalom.
Anna-Lena Forster weinte im Zielbereich: Nach Slalom-Gold 2018 und 2022 belegte die mittlerweile sechsmalige Paralympics-Siegerin Rang vier im Slalom von Cortina d’Ampezzo und ging ohne Medaille aus dem letzten Wettbewerb. „Die Enttäuschung ist groß. Ich habe den ersten Lauf einfach verschlafen“, sagte die 30-Jährige vom BRSV Radolfzell, die über den ersten Lauf noch meinte: „Ich fand ihn gar nicht so schlecht, aber er war zu langsam. Die anderen sind stark gefahren, dass muss man ganz klar sagen.“ Da hatte Forster schon 1,58 Sekunden Rückstand auf ihre Dauerkonkurrentin Audrey Pascual Seco aus Spanien, selbst aufs Podest fehlten ihr 1,42 Sekunden – und es wurde ein Hundertstel-Krimi.
Forster übernahm die Führung im zweiten Durchgang, doch die Finnin Nette Kiviranta rettete 16 Hundertstel auf die Freiburgerin ins Ziel. Dann: Die Chinesin Wenjing Zhang, die im Super-Kombi-Slalom als einzige schneller war als Forster und im Spezial-Slalom im Ziel noch 43 Hundertstel Vorsprung übrig hatte. Die Spanierin hatte es also in der Hand, ob Forster oder sie die jeweils vierte Medaille bei den Paralympics mitnehmen würde. Pascual Seco verlor unterwegs viel Zeit, rutschte von Platz eins auf drei ab – war im Ziel aber noch acht Hundertstel schneller als Forster, die bei ihren vierten Paralympics erstmals nach sieben Weltmeisterschaften und drei paralympischen Medaillen in ihrer Paradedisziplin leer ausging.
Forsters Cortina-Bilanz: „Ich habe krass performt“
„Es ist brutal bitter, es tut schon sehr weh. Mir war bewusst, dass der Slalom das schwierigste Rennen wird, weil der Hang einfach so flach ist und man da schwer etwas rausfahren kann“, sagte Forster, die im zweiten Lauf die schnellste Zeit fuhr: „Ich habe noch mal gezeigt, was ich kann, aber es hat leider nicht gereicht. Das muss ich erstmal verarbeiten.“ Der Druck von außen und auch von ihr selbst war immens: „Jetzt fällt erstmal viel von mir ab. Die Spiele waren brutal, ich habe noch nie so viel Trubel erlebt, die vielen Menschen, die hier sind, so wenig Platz für mich – das ist schon heftig gewesen.“
Mit Gold in der Abfahrt und im Riesenslalom – beides Premieren-Medaillen – sowie Silber in der Super-Kombination ist Forster dennoch die erfolgreichste deutsche Athletin bei diesen Winterspielen. „Ich habe krass performt, ich habe in den Rennen wirklich meine beste Performance gezeigt. Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich vor allem im Riesenslalom die Goldmedaille hole, hätte ich dem den Vogel gezeigt. Es ist krass, wie ich mich noch entwickeln konnte, darauf bin ich sehr stolz.“
Die Paralympics 2030 in den französischen Alpen findet die Monoskifahrerin „reizvoll“, sagt aber auch: „Ich glaube, ich schaue jetzt mal von Jahr zu Jahr.“ Die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr sei für sie ihn jedem Fall „gesetzt“.
Rothfuss „ein bisschen wie im Traum“
Andrea Rothfuss hatte in verschiedenen Sprachen „Danke“ auf ihren Handschuh geschrieben: Nach sechs Paralympics-Teilnahmen seit 2006 fuhr die deutsche Abschlussfeier-Fahnenträgerin in ihrem letzten paralympischen Slalom-Rennen auf Rang sieben, nachdem die 36-Jährige vom SV Mitteltal nach dem ersten Durchgang noch Neunte war. „Ich habe vor den Spielen gesagt: Ein Top-8-Ergebnis wäre schön. Ich bin im Endeffekt vier Rennen gefahren und nicht nur die zwei, die geplant waren“, sagte Rothfuss, die aufgrund von Depressionen fast zwei Jahre kein Rennen bestritten hatte: „Zwei vierte Plätze, ein sechster, ein siebter – ich fühle mich immer noch ein bisschen wie im Traum. Ich habe mich sowas von selbst überrascht mit den Spielen, dass ich noch mal so zurückkomme und eine so tolle Performance abliefere – ich bin so unglaublich stolz auf mich.“
Nicht zufrieden war hingegen Anna-Maria Rieder, obwohl sie den Platz vor Rothfuss eingenommen hatte. Die 26-Jährige vom RSV Murnau hatte 2022 in Peking Bronze im Slalom gewonnen und nach dem zweitschnellsten Super-Kombi-Slalom durchaus auch gehofft, in Cortina d’Ampezzo mitmischen zu können. Nach dem ersten Lauf fand sie sich dann auf Rang sieben wieder, 1,40 Sekunden hinter dem Podest. Zwar konnte sie im zweiten Durchgang die viertschnellste Zeit fahren, am Ende blieb ihr aber nur Rang sechs, der sie tief enttäuschte, zumal sie im Super G und der Super-Kombination Platz elf belegt hatte und im Riesenslalom Siebte geworden war.
Fügenschuh und Holzmann: „Lust auf mehr“
Maya Fügenschuh kam mit ihrer Guidin Johanna Holzmann nach Rang neun im Riesenslalom auf Platz’ zehn im Slalom. Die 17-Jährige aus Bad Hindelang, die in Freiburg aufs Internat geht, zeigte sich damit zufrieden: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, alle vier Läufe ins Ziel zu bringen, vor allem mit dem ganzen Drumherum. Das ist für mich ja auch neu mit so großer Bühne oben am Start zu stehen, da geht mir ja schon einiges durch den Kopf.“ Das Paralympics-Debüt sei aber eine „große Motivation, weil man sieht, was hier für großer Sport läuft.“ Auch ihre Guidin Johanna Holzmann, die 2022 in Peking als Skicrosserin bei den Olympischen Spielen 15. wurde, war happy: „Für uns stand das Resultat nicht im Vordergrund, sondern die Teilnahme. Auf der Bühne zu zeigen, was die Maya skifahrerisch drauf hat, macht einfach Lust auf mehr.“
Am Sonntag steigt zum Abschluss der alpinen Paralympics-Wettbewerbe der Slalom der Männer mit Alexander Rauen und Guide Jeremias Wilke, dem einbeinigen Skifahrer Christoph „Grisu“ Glötzner und Monoskifahrer Leon Gensert.
Text: Nico Feißt / DBS
