Aktuelles von Mailand & Cortina 2026
Jano Bußmann und Jörg Wedde: Rückkehrer und Debütant bei den Paralympics
Jano Bußmann und Jörg Wedde spielen in der deutschen Para Eishockey-Liga bei verschiedenen Vereinen, zudem trennen sie 42 Jahre Altersunterschied. Beide eint jedoch eine große Vorfreude auf die Paralympics in Mailand und Cortina - als Teamkollegen in der Nationalmannschaft. Jano Bußmann erlebt die Winterspiele zum ersten Mal und war noch gar nicht auf der Welt, als Jörg Wedde und drei weitere Spieler des aktuellen Aufgebots bei der letzten Teilnahme vor 20 Jahren Platz vier erreichten.
„Es wird spannend“, sagt Jano Bußmann lachend vor seinem letzten Spiel mit dem TuS Wiehl gegen die Hannover Ice Lions. Zu einer Prognose, wer gewinnt, lässt sich der 18-Jährige ebenso wenig hinreißen wie Jörg Wedde, der Kapitän bei den Hannover Ice Lions ist. Am Ende setzt sich der TuS Wiehl am letzten Spieltag gegen Hannover durch, die Ice Lions werden trotzdem Meister.
Mit dem Abschluss der Saison werden die Konkurrenten aus der Liga, Wedde und Bußmann, nun zu Teamkollegen in der Nationalmannschaft. Wobei schon in der Liga ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Akteuren vorherrscht, nicht zuletzt durch die regelmäßigen gemeinsamen Trainingslager. „Man kennt sich nach so vielen Jahren inzwischen sehr gut, bekommt viel aus dem Leben der anderen mit. Das kenne ich fast nur aus unserer Nationalmannschaft so“, erzählt Jörg Wedde.
Erinnerungen an die Paralympics 2006
Er muss es wissen, schließlich ist er mit 60 Jahren der älteste Spieler der Para Eishockey-Nationalmannschaft und auch der älteste im gesamten Team Deutschland Paralympics in Mailand und Cortina. Als einer von vier Spielern des aktuellen Kaders war er schon bei der letzten Paralympics-Teilnahme vor zwanzig Jahren dabei. Mit dem Sport hatte Wedde erst einige Jahre zuvor angefangen, mit 37. Seine Beine hatte er im Alter von zwölf Jahren durch einen Bahnunfall verloren. „Lange habe ich kein Sportangebot für mich gefunden, das mich interessiert hat. Erst Para Eishockey hat mich begeistert, seitdem bin ich drangeblieben“, berichtet Wedde. Nach ersten Erfahrungen bei Welt- und Europameisterschaften folgte 2006 die Paralympics-Premiere. Austragungsort damals wie heute: Italien.
Ein möglicherweise gutes Omen, denn das Turnier verlief 2006 für das deutsche Team sehr erfolgreich „Wir haben damals das erste Spiel gegen die Amerikaner sehr überraschend gewonnen. Danach war alles für uns in rosa Watte eingepackt“, erinnert sich Jörg Wedde. Am Ende sprang ein starker vierter Platz für Deutschland heraus. Es sollte vorerst die letzte Teilnahme an den Paralympics bleiben. „Wir sind stets sehr optimistisch in die Qualifikationsturniere gegangen, aber in der Nachbetrachtung hat man gesehen, dass immer etwas gefehlt hat. Auch strukturell bedingt und weil der Nachwuchs fehlte“, erläutert Wedde.
Zumindest im Nachwuchsbereich hat sich in den vergangenen Jahren etwas getan. Bestes Beispiel dafür ist Mitspieler Jano Bußmann, der während der Spiele in Mailand und Cortina seinen 19. Geburtstag feiert. Anders als Jörg Wedde ist der Spieler vom TuS Wiehl sehr früh zum Para Eishockey gekommen. „Mit sechs Jahren hat mich mein jetziger Trainer und Mitspieler Marc Müller entdeckt. Er hat gesehen, dass ich nicht richtig laufen konnte und hat mir ein paar Videos vom Para Eishockey gezeigt. Da war ich direkt ziemlich begeistert von dem Sport, auch weil ich vorher nichts in die Richtung hatte“, sagt Jano Bußmann rückblickend, der mit Spina bifida geboren wurde. Am Para Eishockey gefallen ihm vor allem zwei Dinge: „Die Geschwindigkeit und Härte gibt es so in keinem anderen Para Sport. Darüber hinaus mag ich es, im Team zu spielen und eine Mannschaft zu haben, mit der man über alles reden kann. Das ist mir sehr wichtig.“
Im Ligabetrieb spielt Jano Bußmann gleich für zwei Mannschaften. Neben dem TuS Wiehl ist er auch in der tschechischen Liga für Sparta Prag auf dem Eis. „Die Liga in Tschechien ist sehr stark, das gibt es sonst nirgendwo in Europa. Die Spiele dort helfen mir bei der Vorbereitung auf internationale Wettbewerbe. Trotzdem wollte ich weiterhin auch in Deutschland spielen, um die Weiterentwicklung hier zu unterstützen“, betont Bußmann.
Der Ansporn, Geschichte zu schreiben
Die Strukturen sind für beide ein großes Thema. Jörg Wedde etwa kann mit seinem Team in Hannover nur einmal in der Woche in der Eishalle trainieren - um 22.30 Uhr. „Das ist ein generelles Problem, Eishallen in Deutschland sind überall am Limit“, sagt Wedde. Umso beeindruckender also, dass die Qualifikation nach 20 Jahren wieder geklappt hat. „Ich kann es noch nicht so richtig glauben, wahrscheinlich kommt es erst so richtig bei mir an, wenn ich im Bus nach Mailand sitze“, sagt Jano Bußmann. Die Vorfreude ist im gesamten Team groß, jedoch gibt es eine Sache, die die Stimmung etwas trübt. „In Turin war die Eröffnungsfeier eines der großen Highlights, gerade für die Sportler*innen, die keine Medaille mit nach Hause genommen haben“, erklärt Wedde. Das IPC hat aus Kapazitätsgründen nur zwei Athlet*innen pro Nation in der Arena in Verona zugelassen.
Sportlich warten auf die deutsche Mannschaft schwierige Aufgaben, die Gruppengegner heißen China, USA sowie Gastgeber Italien. „Dass wir uns qualifiziert haben, ist schon ein toller Erfolg. Natürlich wäre es schön, wenn wir den fünften Platz von der WM bestätigen können. Aber generell geht es für uns darum, langfristig immer näher an China und Tschechien heranzurücken“, sagt Jano Bußmann. Eine Aufgabe, die der 18-Jährige mit seinen Teamkollegen in den nächsten Jahren vorantreiben will. Jörg Wedde: „Für mich sind die Spiele nach den zwanzig Jahren noch mal ein Bonus oder eine Belohnung für die harte Arbeit. Für Jano ist es der Ansporn, die nächsten zwanzig Jahre Geschichte zu schreiben."
Text: Paul Foreman / DBS
