Aktuelles von Mailand & Cortina 2026
Christian Schmiedt: „Im Snowboard Cross kann alles passieren“
Christian Schmiedt ist Deutschlands einziger Para Snowboarder bei den Paralympics in Cortina d’Ampezzo. Trotz Vollzeit-Job hofft er, sowohl im Snowboard Cross als auch im Banked Slalom in die Top 8 zu fahren. Seine Taktik: In kleinen Schritten nach vorne kommen. Dafür wurden viele Details perfektioniert.
„Ich bin gut drauf, die Vorfreude ist da, das passt schon“, sagt Christian Schmiedt am Tag vor der Abfahrt nach Cortina d’Ampezzo. Am Wochenende hat Deutschlands einziger Para Snowboarder bei den Winterspielen noch im österreichischen Seefeld trainiert, die „letzten Feinheiten“, wie der 37-Jährige sagt. Am Dienstag machte er sich dann auf die Reise zu seinen zweiten Paralympics.
Schmiedt, der in Backnang geboren ist und in Rielingshausen in Baden-Württemberg wohnt, wird gerne auch Pionier im Para Snowboard genannt. 2018 kam er zur Nationalmannschaft, 2022 landete er bei der Paralympics-Premiere in Peking auf Rang neun im Snowboard Cross und auf Platz elf im Banked Slalom. Damals war es noch ein deutsches Para Snowboard-Trio, seither ist Schmiedt wieder allein im Weltcup unterwegs – mit Erfolg.
2023 fuhr er „zu Hause“ in Grasgehren im Snowboard Cross erstmals auf ein Weltcup-Podium, 2024 gelangen ihm beim Heim-Weltcup zwei dritte Plätze und 2025 bei der WM hätte es dann auch fast fürs Podest gereicht – Platz vier wurde es am Ende, das beste Ergebnis seiner Karriere. „Im Cross kann alles passieren. Wenn es gut läuft, kann immer auch mehr gehen“, sagt Schmiedt. Bei den letzten Paralympics war er in den Top 10, jetzt sollen es die Top 8 werden. „In kleinen Schritten nach vorne“, nennt er das.
Cheftrainer Sebastian Schwerdt, früher selbst olympischer Weltcup-Fahrer, klingt da noch optimistischer. In den vergangenen Wochen haben die beiden im Kühtai Banked Slalom trainiert, die Technik verfeinert und waren im Pitztal, um mit einer Start-Section zu arbeiten, weil Schmiedt dort Defizite hatte. Nebel, Schnee – die äußeren Bedingungen waren dabei vielfältig.
„Wenn er die Trainingsleistungen in den Wettkämpfen umsetzen kann, dann bin ich sehr positiv gestimmt“, sagt Schwerdt. Dazu müsse Schmiedt die „kleinen Fehler abstellen“, die sich in den Rennen eingeschlichen hatten. Platz fünf und neun im Banked Slalom im Kühtai und Rang sieben und neun im Snowboard Cross in Lenk hatte Schmiedt in dieser Saison im Weltcup eingefahren, alle vier Rennen fanden Mitte Januar binnen einer Woche statt – die Zeit muss genutzt werden, schließlich arbeitet er noch in Vollzeit als Betriebsprüfer bei der Deutschen Rentenversicherung und hat Familie.
Die Paralympics-Piste kennt Schmiedt nur von Bildern – „als sie noch nicht fertig war“
Am Mittwoch dürfen Schmiedt und Schwerdt die Piste „von unten mal angucken“, ausgewählte Para Snowboarder durften die Strecke wohl schon ausprobieren, nachdem Testfahrer ohne Behinderung die Strecke zu heftig fanden. „Vielleicht müssen sie da ein bisschen zurückbauen oder anpassen“, sagt Schmiedt, der die Strecke nur von Bildern kennt, als sie noch nicht fertig war: „In Peking waren wir auf der olympischen Strecke unterwegs, jetzt ist sie aber eigens für die Paralympics erbaut worden und wir wissen kaum etwas.“
2022 konnte er noch von den Tipps des olympischen Snowboard-Teams profitieren. „Jetzt hat mir Martin Nörl geschrieben, viel Glück gewünscht und gemeint, dass ich reinhauen soll.“ Hinweise zum Kurs konnte er anders als vor vier Jahren allerdings nicht geben, die olympischen Wettbewerbe fanden schließlich in Livigno statt.
Am Donnerstag darf Schmiedt dann selbst auf die Strecke in Cortina d‘Ampezzo, am Freitag ist Training, am Samstag die Qualifikation im Snowboard Cross, am Sonntag dann der Finaltag für die besten 16. Am vorletzten Wettkampftag (14. März) steht der Banked Slalom an. Schmiedt sieht sich eher als Cross-Spezialist, doch der Trainer fügt hinzu, dass man sehe, wie er auch im Banked Slalom besser werde: „Da ist man eher für sich selbst verantwortlich.“
Viele Details perfektioniert: „Jetzt liegt es nur noch am Fahrer“
Der vierte Platz bei der WM war nur die „Basis“ für Trainer Schwerdt, seither sei es darum gegangen, Details zu perfektionieren – „da haben wir noch mal eins draufgesetzt“. Beläge, Set-Up, Bindungen, Schuhe – alles sei weiterentwickelt worden, selbst ein eigens für Cortina entwickeltes Wachs haben die beiden im Gepäck. „Jetzt liegt es nur noch am Fahrer“, sagt Schwerdt und lacht.
Am Ende seien es zwar Paralympische Spiele, aber irgendwie doch auch nur ein „normales Rennen“ mit der gleichen Besetzung wie im Weltcup, meint der Cheftrainer. „Wir müssen am entscheidenden Tag die Performance abliefern, die wir uns erarbeitet haben. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.“
Schmiedt freut sich, dass er nach 2022, als die Spiele aufgrund der Pandemie doch sehr eingeschränkt waren, endlich ein „normales Paralympisches Dorf“ erleben darf – auch wenn es ein Wermutstropfen ist, dass er nicht bei der Eröffnungsfeier dabei sein kann. Doch bereits am nächsten Morgen zählt es, wenn die Qualifikation im Snowboard Cross auf dem Programm steht. „Schau mer halt mal, wie’s wird. Ich hoffe, dass die Organisation passt und es ein Erlebnis wird, an das man sich gerne zurückerinnert“, sagt der Schwabe, der für den SV Camp2Race startet. Und der Cheftrainer ergänzt lachend: „Wenn wir mit Chris unterwegs sind, kann es nur positiv im Gedächtnis bleiben.“
Text: Nico Feißt / DBS
