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Valentin Baus – Weltmeister an der Tischtennisplatte

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Valentin Baus © Bettina Bauer

Einer der Nachwuchssportler, die im Rahmen der Nachwuchseliteförderung paralympisch durch die DFB-Stiftung Egidius Braun und die Deutsche Sporthilfe unterstützt werden, ist Valentin Baus aus Bochum (Nordrhein-Westfalen). Der 19-Jährige zählt zu den talentiertesten Tischtennis-Spielern mit Handicap in Deutschland. Rainer Kalb stellt den Spitzensportler vor.

Die Welt des Valentin Baus hat sich seit dem vergangenen September gehörig verändert. Das Rollstuhl-Tischtennis-Ass wurde in Peking in der Klasse W5 Weltmeister. Im Finale gab der junge Mann aus Bochum dem Südkoreaner Kim Ki-Young mit 3:0-Sätzen das Nachsehen. Im Halbfinale hatte Baus zuvor keinen Geringeren als den Norweger Tommy Urhaug in fünf dramatischen Sätzen förmlich niedergerungen. Der Skandinavier, der zweimal zum Satzausgleich kam, ist immerhin der Weltranglistenerste und Paralympics-Sieger von London.

„Ich habe wirklich nicht damit gerechnet“, gesteht Baus, „vielleicht eine Medaille, aber den Titel habe ich nicht einkalkuliert. Jetzt ist die Ausgangslage eine ganz andere. Das ist schon ein bisschen komisch, jetzt der zu sein, den alle anderen besiegen wollen.“ Daraus resultiert auch, dass Valentin Baus im Hinblick auf die Paralympics in Rio de Janeiro vom Jäger zum Gejagten geworden ist. Die Qualifikation für London hatte er vor drei Jahren noch knapp verpasst, jetzt will er im Sommer 2016 im Land des Fußball-Rekord-Weltmeisters seinen WM-Triumph bestätigen und zu paralympischen Ehren kommen. Baus: „Meine Stärke im Spiel ist vielleicht die Tatsache, immer etwas zu machen, womit der Gegner nicht rechnet.“ Bei der WM trumpfte der Westfale mit unglaublicher Nervenstärke auf. Und lässt sich weder auf der Vorhand-, noch auf der Rückhandseite überraschen.

Unterstützung der Stiftung schafft finanzielle Freiräume

Seit seinem siebten Lebensjahr, also seit zwölf Jahren, spielt Baus Tischtennis. Zunächst noch – solange er gut laufen konnte – ganz normal. Doch aufgrund seiner Glasknochenkrankheit, die er von seinem Vater Harry geerbt hat, sitzt er seit 2008 im Rollstuhl. Es gab nach diversen Frakturen etliche Operationen. Auch wenn er kein „Fußgänger“ – wie es im Behindertensport heißt – ist, tut dies seinen sportlichen Aktivitäten wahrlich keinen Abbruch. Für die BSG Duisburg-Buchholz spielt der WM-Champion in der Rollstuhl-Tischtennis-Bundesliga. Bei seinem Heimatverein TTG Weitmar tritt Valentin gegen Sportler ohne Handicap an und zeigt auch diesen oft genug deren Grenzen auf. „Ich hoffe natürlich, dass ich in Rio dabei sein kann“, äußert Baus, dessen Vater nach seinem WM-Titelgewinn natürlich als Erster die gute Nachricht erhielt.

Die Unterstützung durch die DFB-Stiftung Egidius Braun und die Deutsche Sporthilfe verschafft finanzielle Freiräume, um sich noch besser auf das Highlight im kommenden Jahr vorzubereiten. „Der Deutsche Behindertensportverband kann nicht alle Kosten tragen, einiges müssen wir selbst finanzieren. Da hilft ein solcher Zuschuss natürlich sehr“, sagt Baus. Bis zu 4.000 Euro kann Baus von der nach dem früheren DFB-Präsidenten benannten Stiftung jedes Jahr erhalten.

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Valentin Baus © alliro.com

Bruder Merlin deutscher A-Junioren-Meister mit Schalke 04

Von seinem Vater Harry hat er die Beharrlichkeit und das Durchsetzungsvermögen geerbt. Harry Baus hat nämlich an der Ruhr-Universität in Bochum einiges bewirkt. Er leitet die Beratung für behinderte und chronisch kranke Studierende, gibt Ratschläge und Tipps. Dem Thema Inklusion hat er an der Hochschule eine ganz neue Bedeutung verliehen.

Der ganze Stolz von Harry Baus sind allerdings seine beiden Söhne; Merlin ist zwei Jahre älter als Valentin und ebenfalls ein großes Sporttalent. Merlin Baus ist nicht von der Krankheit seines Vaters und seines Bruders betroffen und spielt sehr erfolgreich Fußball. Im Jahr 2012 wurde er mit den A-Junioren des FC Schalke 04 durch einen 2:1-Erfolg gegen den FC Bayern München sogar deutscher Meister. Ein großes Fußballtalent wächst heran. Der jetzt 21-Jährige studiert dank eines Sport-Stipendiums in den USA. „Wir haben uns immer schon sehr gut verstanden und in unseren Sportarten gegenseitig unterstützt“, berichtet Valentin Baus. Ein Sport-Stipendium würde sich auch Valentin Baus wünschen: „Das wäre natürlich klasse, aber leider scheint das im Behindertensport noch nicht realisierbar“, so Baus.

Viermal in der Woche Training

Ein großes Jahr war 2012, als beide in ihren jeweiligen Sportarten deutscher Meister wurden. Merlin mit den Königsblauen im Fußball, Valentin im Rollstuhl-Tischtennis. Viermal in der Woche geht Valentin Baus zum Training an die Platte, dabei nur einmal mit seinen Kollegen der BSG Duisburg-Buchholz aus der Rollstuhl-Tischtennis-Bundesliga. Drei Einheiten stehen bei der TTG Weitmar in Bochum auf dem Programm. Bundesliga-Profi Christian Fuchs von Schalke 04 unterstützte zusammen mit seinem Profi-Kollegen Robert Almer (Hannover 96) mit der Aktion „Stars4Stars“ den jungen paralympischen Sportler.

Der große Rückhalt für Valentin Baus ist jedoch die Familie, die ihm viel Kraft und Stärke verleiht. Und der Versuch, so normal wie möglich zu leben, war immer die beste Antwort auf die Behinderung. Kein Wunder, dass Valentin Baus als Dreijähriger unbedingt wie sein Vater einen Rollstuhl haben wollte…

© DFB-Stiftung Egidius Braun

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