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Klassifizierung: Lennart Sass darf bei Heim-EM nicht starten
Er war das Gesicht im Vorfeld der Para Judo-Europameisterschaften im baden-württembergischen Heidelberg. Doch statt in seiner Wahl-Heimat um den EM-Titel zu kämpfen, darf Lennart Sass nicht antreten. Der Grund: Eine nicht abgeschlossene Klassifizierung unmittelbar vor dem emotionalen Höhepunkt, da vor Ort zusätzliche augenärztliche Untersuchungen angefordert wurden. Auf den Schock folgt nun die Ursachenforschung, die Enttäuschung bei allen Beteiligten ist groß. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) kann den Ablauf des Verfahrens nicht nachvollziehen.
Kurz vor der Heim-EM stand für Lennart Sass eine turnusmäßige Klassifizierung an, bei der seine Einstufung in die Startklasse J1 für Judoka ohne verwertbares Sehvermögen überprüft wird. Doch nach mehrstündigen Untersuchungen und Gesprächen wurde das Klassifizierungsverfahren diesmal nicht abgeschlossen. Vor Ort wurden zusätzliche augenärztliche Untersuchungen angefordert, die bislang nicht Teil der Unterlagen waren. Im Bescheid heißt es: „Classification not completed“. Eine Entscheidung über die Startklasse ist damit nicht getroffen worden. Dass das Verfahren nun unmittelbar vor der EM nicht abgeschlossen werden konnte, kam für den DBS und Sass auch deshalb überraschend, weil die beiden vorangegangenen Klassifizierungen 2022 und zuletzt 2024 jeweils eine Zuordnung zur Startklasse J1 ergeben hatten.
„Das ist ein erheblicher Wermutstropfen für Lennart, die Nationalmannschaft und den Verband. Trotz professioneller und korrekter Vorbereitung konnte die Klassifizierung nicht abgeschlossen werden, so dass Lennart formal keine Startberechtigung für die EM hat“, erklärt Marc Möllmann, Vorstand Leistungssport im DBS, und fügt an: „Obwohl es keine veränderten Befunde gab und die objektiven Parameter der medizinischen Untersuchungen aus unserer Sicht eindeutig sind, gab es kein abschließendes Ergebnis. Das macht uns sehr betroffen, zumal es für uns völlig unerwartet war. Nach derzeitigem Kenntnisstand können wir den Ablauf des Verfahrens nicht nachvollziehen und werden den Sachverhalt gründlich prüfen mit dem Ziel, dass die Klassifizierung vor den Weltmeisterschaften Ende September fair und transparent fortgeführt wird und Lennart dort antreten kann.“
Dabei sei die Aktenlage unverändert und es habe im Vorfeld keine Hinweise darauf gegeben, dass die planmäßige Klassifizierung kurz vor Beginn der Heim-EM diesen Verlauf nehmen könne, sagt Möllmann. Im Para Judo wird seit 2022 neben dem Gewicht auch nach dem Sehvermögen unterschieden: In der Klasse J1 starten Judoka ohne verwertbares Sehvermögen, in der Klasse J2 mit einem geringen Sehrest. Zuvor traten die Sehklassen B1 bis B3 gemeinsam an, unterteilt wurde im Wettkampf nur nach Gewicht.
Aus Vorfreude wurde Enttäuschung: „Ich war bereit, meinen Titel zu verteidigen“
Lennart Sass, der in Heidelberg wohnt, trainiert und leidenschaftlich für die EM und seinen Sport geworben hatte, ist in seiner Startklasse amtierender Europameister, gewann 2024 bei den Paralympics Bronze und siegte vor zweieinhalb Jahren in seiner Wahl-Heimat beim Grand Prix. Diesen Triumph hätte er zu gerne vor den Augen von Familie und Freunden wiederholt. Jetzt bleibt ihm nur die Zuschauerrolle.
„Seit die Europameisterschaft nach Heidelberg vergeben wurde, habe ich mich auf dieses Wochenende gefreut. Jetzt wäre der große Tag gekommen, diese Heim-EM erfolgreich zu bestreiten. Dass ich nun nicht auf die Matte kann, kam unerwartet. Am meisten denke ich dabei an alle, die für mich anreisen wollten und mich seit Jahren begleiten. Ich war bereit, meinen Titel zu verteidigen“, betont der 26-jährige gebürtige Kieler. Sein Fokus geht Richtung Tiflis, wo Ende September mit der WM der nächste sportliche Höhepunkt des Jahres stattfindet und das Verfahren der Klassifizierung fortgesetzt werden soll. „Ich nehme das Verfahren an und habe mich noch am selben Nachmittag augenärztlich untersuchen lassen. Die Unterlagen sind vollständig und ich bin zuversichtlich, dass die Klassifizierung beim nächsten möglichen Termin abgeschlossen wird. Unserem deutschen Team hier in Heidelberg drücke ich die Daumen und wünsche allen Judoka eine großartige Europameisterschaft.“
Die Wettkämpfe starten am Freitag um 10 Uhr im Heidelberger SNP dome. Für das deutsche Team gehen Isabell Thal (J2, -60 kg), Béla Bel Heinze (J2, -81 kg), Samuel van Melle (J2, -81 kg) und Vanessa Wagner (J1, -52 kg) auf die Matte, am Samstag folgt noch Daniel Goral (J2, -95 kg).
Weitere Informationen gibt es im Vorbericht der Para Judo-EM.
Hier geht es zum ausführlichen Statement von Lennart Sass.
