Aktuelles vom Rudern
„Wahnsinn, was seit meinem Schlaganfall alles passiert ist“
Kathrin Marchand hat mit ihrer Teilnahme an den Paralympischen Winterspielen in Italien Geschichte geschrieben. Die 35-jährige Kölnerin ist die erste Athletin weltweit, die an drei verschiedenen Ausgaben der Spiele teilgenommen hat. Auf Olympia 2012 und 2016 sowie den Paralympics 2024 als Ruderin im Sommer folgten im März 2026 die Winterspiele im Para Skilanglauf. Im Interview spricht Marchand über ein verrücktes Jahr voller Highlights, ihre Vorfreude auf den ersten Urlaub seit vier Jahren und ihren Medaillentraum für Los Angeles 2028.
EM-Titel mit persönlicher Bestzeit und in wenigen Wochen steht die WM vor der Tür – es ist das dritte Highlight in diesem Jahr. Wie war der Wechsel von der Loipe zurück ins Ruderboot?
Nach der Rückkehr von den Paralympics hatte ich schon ein bisschen Sorge, dass mir alles etwas zu viel wird. Es war anschließend mental sehr herausfordernd, alles zu verarbeiten. So viele Eindrücke, so viel Aufmerksamkeit – das war schon krass. Dass ich es überhaupt zu den Winterspielen geschafft habe in so kurzer Zeit und Vierte geworden bin, macht mich rückblickend sehr stolz. Gleichzeitig habe ich die Medaille wie schon im Mixed-Vierer in Paris ganz knapp verpasst. Doch jede Medaille, die man nicht holt, sorgt nach der ersten Enttäuschung auch für neue Motivation bei mir. Also habe ich im April wieder mit dem Rudern begonnen und war überrascht, wie gut die Werte waren – so gut wie noch nie zu dieser Zeit, seit ich im Para Sport bin. Daher war meine Winter-Vorbereitung also nicht so ganz schlecht (lacht).
Wie kam es überhaupt zum Skilanglauf?
Im Deutschen Haus in Paris hatten wir eher aus Spaß darüber gesprochen. Ich hatte in einem Trainingslager vor vielen Jahren auch schonmal Langlauf ausprobiert. Dann hat mich Rainer Kiefer (Projektleiter Exzellenzcluster Para Ausdauer / Anm. d. Red.) angerufen und kam ein paar Wochen später nach Köln, damit ich es auf Skirollern ausprobieren kann. Losgelöst von allen Fakten habe ich mir gedacht: Ich habe da Bock drauf, ich will das versuchen. Ende November 2024 war ich zur Klassifizierung in Norwegen. Als die positiv verlaufen ist, habe ich einen Tag später bei meinem Arbeitgeber gekündigt, um das Projekt Winter-Paralympics zu starten. Ich habe nie damit gerechnet, dass es so laufen wird. Mein Schlaganfall ist inzwischen rund fünf Jahre her. Wahnsinn, was seitdem alles passiert ist.
Der Blick geht längst Richtung Los Angeles 2028. Wie geht es jetzt weiter und wie gelingt der Spagat zwischen den Sportarten?
Jetzt wollen wir an unsere gute EM-Leistung auch bei der WM anknüpfen und ebenfalls den Titel verteidigen. Danach freue ich mich auf eine Woche Urlaub – es wird mein erster Urlaub seit vier Jahren. Der Weg nach Los Angeles ist noch weit, es ist wichtig, zwischendurch auch mal abzuschalten und das Pensum etwas herunterzufahren. Ab Oktober werde ich dann wieder auf die Skiroller wechseln und mich auf den Winter vorbereiten. Die Heim-WM in Finsterau im Para Skilanglauf im Januar will ich auf alle Fälle mitnehmen, dort habe ich meine Paralympics-Qualifikation geschafft. Die beiden Sportarten lassen sich gut kombinieren und man kann viel übertragen. Daher profitiere ich durchaus davon, nicht nur physisch gesehen. Der Fokus liegt aber klar auf dem Rudern und den Paralympics in zwei Jahren. In Los Angeles will ich meine erste Medaille bei den Spielen gewinnen, nachdem es jetzt zweimal so knapp nicht geklappt hat. Wenn man die Dinge gerne macht, ist es nur halb so anstrengend – und die Anerkennung gibt einem auch viel zurück für all das, was man investiert.
Interview: Kevin Müller / DBS
