Aktuelles vom Goalball im Deutschen Behindertensportverband
Goalball: Deutschland gewinnt sensationell Nations Cup in Berlin
Die deutsche Goalball-Nationalmannschaft der Herren schwimmt weiter auf der Erfolgswelle. Nach Bronze bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr gewann das Team von Stefan Weil nun den Goalball Nations Cup in Berlin und setzte sich dabei gegen Nationen aus der absoluten Weltklasse durch. Die Damenmannschaft beendete das Turnier auf einem versöhnlichen sechsten Platz.
Es ist noch gar nicht so lange her, da herrschte Tristesse im deutschen Goalball. Die Herrenmannschaft, Europameister von 2019, verpasste die Qualifikation für die Paralympics in Paris 2024. Es war der Tiefpunkt, resultierend aus einer negativen Entwicklung der Jahre zuvor. Anschließend gelang es dem Team nicht nur den Abwärtstrend zu stoppen, sondern stattdessen einen richtigen Aufschwung einzuleiten, inklusive des dritten Platzes bei der Europameisterschaft 2025 und nun dem Gewinn des Nations Cup. „Der Teamgeist ist sehr stark gerade, das ist eine sehr wichtige Komponente für den Erfolg“, hatte Bundestrainer Stefan Weil eine Erklärung parat.
Mit ordentlich Selbstvertrauen war seine Mannschaft in Berlin angetreten, dass es jedoch so gut läuft, hatten seine Spieler wohl selbst nicht erwartet. Schließlich waren am Wochenende in Berlin fast alle Top-Nationen vertreten. Insgesamt 26 Teams aus 18 Nationen mit rund 230 Athletinnen und Athleten traten bei den Turnieren der Männer und Frauen an.
„Der Goalball Nations Cup in Berlin ist für zahlreiche Nationalmannschaften eine bedeutende Standortbestimmung im paralympischen Leistungssport. Berlin wird damit einmal mehr zur Hauptstadt des Para Sports“, sagte Özcan Mutlu, Präsident des Behinderten- und Rehabilitations Sportverband Berlin e.V. Der Verband richtete die bereits neunte Ausgabe des Turniers aus.
Furiose Spiele nach der Auftaktniederlage
Die deutsche Mannschaft erwischte dabei einen denkbar schlechten Start. Im ersten Vorrundenspiel gegen Polen führte Stefan Weils Team zur Halbzeit zwar mit 7:4, doch dann brachte eine Verletzung von Rouven Schetelich die Mannschaft aus dem Takt. „Wir sind in der zweiten Halbzeit defensiv implodiert und haben am Ende mit 11:8 verloren. Davon haben wir uns aber nicht verrückt machen lassen, sondern haben das Spiel sachlich und ruhig analysiert“, berichtete Stefan Weil.
Es war die richtige Herangehensweise, denn in den anschließenden Gruppenspielen ließ Deutschland seinen Gegnern Italien (13:3) und Belgien (12:2) keine Chance. Durch die Auftaktniederlage wartete aber nun mit Paralympics-Sieger Japan die denkbar schwierigste Aufgabe im Viertelfinale auf die deutsche Mannschaft. Die, laut Stefan Weil, vielleicht beste Mannschaft der Welt zurzeit. Es entwickelte sich ein hochklassiges und spannendes Spiel, das Deutschland am Ende mit 7:6 für sich entschied. „Das war ein Wahnsinnsmatch von uns. Wir haben unsere Taktik sehr gut umgesetzt und defensiv mehrfach die Strategie gewechselt, um uns dem Gegner anzupassen. Das war beim gesamten Turnier ein Stück weit der Schlüssel zum Erfolg“, betonte Stefan Weil.
Das galt auch beim Wiedersehen mit Polen im Halbfinale, die Partie war sogar noch spannender als das Spiel gegen Japan. Mit einem Golden Goal in der Overtime zog Deutschland ins Finale gegen die Ukraine ein. Ein bekannter Gegner: Zuletzt war man bei der EM 2025 aufeinandergetroffen, Deutschland unterlag dort mit 2:4. In Berlin waren die Kräfteverhältnisse nun ganz andere. Das Team von Stefan Weil präsentierte sich dominant sowie offensiv dynamisch und gewann so das Finale deutlich mit 5:1.
Nicht ganz so erfolgreich lief es zunächst für das Damenteam. In der Vorrunde holte die Mannschaft von Christiane Honermeier nach zwei knappen Niederlagen gegen die Ukraine (2:3) und Finnland (1:2) immerhin ein 4:4-Unentschieden gegen Australien. Durch einen 3:1-Sieg gegen Frankreich schaffte das Team mit Platz sechs einen versöhnlichen Abschluss.
Das deutsche Herrenteam hat jetzt etwas Zeit zur Regeneration, bevor an Ostern ein Lehrgang im Trainingszentrum in Kienbaum und vom 1. bis 3. Mai die Para Games in Rostock anstehen. Und dann ist es auch nicht mehr lange bis zur WM in China (6. bis 14. Juni), wo bereits die ersten Paralympics-Tickets für Los Angeles 2028 vergeben werden. Die Auslosung der Gruppen fand just statt. Auf Deutschland wartet mit den USA, Thailand und Israel ein anspruchsvolles Programm. Nach den jüngsten Erfolgen reist man jedoch mit Respekt, aber sicher nicht mit Angst nach Hangzhou. „Wir entwickeln uns gerade gut weiter, da könnte was Großes entstehen“, freut sich Stefan Weil.
Text: BS Berlin / DBS
