Aktuelles vom Rollstuhlbasketball im Deutschen Behindertensportverband
Goldene Premiere: Rollstuhlbasketballerinnen jubeln bei FISU Games
Besser hätte die Premiere des 3x3 Rollstuhlbasketball bei den FISU World University Games aus deutscher Sicht kaum laufen können. In einem dramatischen Finale setzte sich das Frauen-Team mit 12:11 gegen Spanien durch und brachte die Jahrhunderthalle in Bochum zum Beben. Die Männer waren zuvor im Viertelfinale gegen Japan ausgeschieden.
Schon früh am Sonntag zeichnete sich ab, dass das deutsche Team diesen Wettkampftag mit einer Medaille beenden würde, möglicherweise sogar in goldener Farbe. Denn im Halbfinale trafen Lisa Bergenthal, Svenja Erni, Lilly Sellak und Catharina Weiss auf den späteren Bronzemedaillengewinner aus den USA. Einen Gegner, den die deutsche Auswahl in der Vorrunde mit 9:6 bezwungen hatte. War das erste Aufeinandertreffen noch ein phasenweise ausgeglichenes Duell, dominierte die deutsche Mannschaft am Sonntag das Spiel und beseitigte mit einer frühen 5:0-Führung schnell alle Zweifel am Weiterkommen. Am Ende stand ein souveräner 12:4-Erfolg auf der Anzeigetafel, welcher die Finalteilnahme gegen Spanien sicherte. An diesen Gruppengegner hatten die Deutschen deutlich schlechtere Erinnerungen als an die USA, schließlich war das Team mit einer denkbar unglücklichen 9:10-Niederlage gegen Spanien in das Turnier gestartet.
Das erneute Duell im Endspiel stand der Partie in der Vorrunde in nichts nach, sondern setzte an Spannung und Dramatik sogar noch einen drauf. Beide Mannschaften zeigten sich zu Beginn treffsicher, nach einer knappen Minute stand es bereits 2:2. Im Anschluss zogen die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen das Spiel mehr und mehr auf ihre Seite und erarbeiteten sich einen kleinen Vorsprung, der drei Minuten vor Schluss auf vier Punkte angewachsen war. Doch die Spanierinnen ließen sich davon nicht beirren und legten eine starke Schlussphase hin, in der ihnen 38 Sekunden vor Abpfiff noch der 10:10-Ausgleich gelang. Als wäre dies noch nicht dramatisch genug, traf Catharina Weiss mit dem letzten Wurf noch zur 11:10-Führung. Der Jubel auf dem Feld und in der Halle hielt aber nur kurz, denn die Shot-Clock war zuvor bereits abgelaufen. Damit durften sich die zahlreichen Zuschauer*innen auf eine Overtime freuen. Dabei gewinnt die Mannschaft, die zuerst zwei Punkte erzielt. Lisa Bergenthal legte auf deutscher Seite vor, der spanische Ausgleich ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Catharina Weiß warf schließlich den erlösenden Korb – und diesmal zählte er. Damit stand fest: Die deutschen Frauen sind die ersten Titelträgerinnen im 3x3 Rollstuhlbasketball bei den FISU Games. Die Disziplin ist die erste Para Sportart bei den „Olympischen Spielen für Studierende“, die dieses Jahr im Ruhrgebiet und Berlin stattfinden.
„Wir haben heute ein unfassbar starkes Spiel abgeliefert. Von Spiel zu Spiel sind wir gewachsen – wir haben gekämpft, an uns geglaubt und nie aufgegeben. Jetzt haben wir die Goldmedaille in der Hand. Dieser Moment, dieses Gefühl – das werden wir nie vergessen. Ich bin einfach nur stolz auf das Team“, berichtete Catharina Weiß im Gespräch mit dem Allgemeinen Deutschen Hochschulverband (adh). Auch der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS), Hans-Jörg Michels, drückte seinen Stolz über die Mannschaft aus: „Was für ein Finale, das Team hat die Leistung exakt auf den Punkt gebracht. Ich bin begeistert und mein Glückwunsch geht an die Mannschaft.“
Ebenfalls äußerst knapp – jedoch mit dem schlechteren Ende aus deutscher Sicht – war das Viertelfinale der Männer am Tag zuvor gelaufen. Deutschland hatte in der Vorrunde das Duell um den zweiten Platz in der Gruppe gegen Großbritannien verloren. Damit mussten Thomas Reier, Luis Conrad, Luc Weilandt und Sören Seebold gegen Japan antreten, die ihre Gruppe auf dem zweiten Platz abgeschlossen hatten. Es war von Beginn an das erwartet ausgeglichene Spiel. Erst nach knapp fünf Minuten erarbeitete sich Japan zum ersten Mal einen deutlicheren Vorsprung von drei Punkten. Deutschland kämpfte sich allerdings zurück in die Partie und glich zum 9:9 aus. Das Spiel schien nun zu kippen, als die letzte Minute anlief, lag das Heimteam mit 11:10 in Führung. Zwei schnelle Treffer der japanischen Auswahl machten allerdings die Hoffnungen auf eine Medaille bei den Männern zunichte, die dennoch auf einige starke Auftritte bei den FISU Games zurückblicken können. Für Japan reichte es ebenfalls nicht für eine Medaille, das Team unterlag im Duell um Bronze den USA. Gold ging an den Topfavoriten aus Spanien, die Iberer gewannen das Finale mit 11:8 gegen Großbritannien.
Nicht nur die Goldmedaille wird bei den ersten 3x3 Rollstuhlbasketball-Spielen bei den FISU Games in Erinnerung bleiben, sondern auch die tolle Stimmung auf den Rängen. Schon am ersten Wettkampftag hatten die Sportler*innen die Unterstützung vom Publikum ausdrücklich gelobt. Die Endrunde bestätigte den ersten Eindruck vom hohen Interesse am 3x3 Format deutlich. Die Jahrhunderthalle war am Sonntag ausverkauft, viele Fans mussten die Medaillenentscheidungen sogar auf Fernsehern außerhalb der Halle verfolgen. Die Freude über den Sieg gegen Spanien dürfte deshalb aber kaum kleiner gewesen sein.
Text: Paul Foreman / DBS
