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„Im Team liegt weniger Wettkampfstress auf mir“ – Interview mit Guide Robin Wunderle
Robin Wunderle begann seine sportliche Karriere als Biathlet beim SC Todtnau. Vor sechs Jahren wurde er zum Guide vom sehbehinderten Para Ski nordisch-Athleten Nico Messinger. Zusammen nahmen sie seitdem an mehreren Weltmeisterschaften teil und holten dabei einige Medaillen im Para Biathlon sowie mit der Staffel. Auch bei den Paralympics 2022 in Peking war das Duo am Start. 2026 wollen sie in Mailand und Cortina erneut angreifen.
DBS: Was ist deine Aufgabe als Guide?
Wunderle: Generell ist meine Aufgabe, meinen Athleten über die Strecke zu führen. Das heißt, ich laufe vor dem Athleten und gebe Kommandos oder mache Ansagen zur Technik. Aber auch Infos zum Gelände, etwa wenn Unebenheiten auf dem Boden sind, gehören dazu. Das ist meine Hauptaufgabe, dazu kommt dann noch Unterstützung im Alltag rund um den Wettkampf. Also etwa beim Buffet im Hotel oder auch beim Material, wo ich ein Auge mit drauf habe.
DBS: Du bist normalerweise Guide von Nico Messinger, bist aber auch schon ersatzweise für andere Athlet*innen eingesprungen. Wie wichtig ist eine feste Partnerschaft zwischen Guide und Athlet*in?
Wunderle: Die Grundkommunikation ist eigentlich immer die gleiche, deshalb kann man zum Beispiel in einem Krankheitsfall mal einspringen. Trotzdem ist jede Kommunikation zwischen Guide und Athlet auch ein bisschen einzigartig, je nachdem was die Sportler*innen brauchen oder wollen. Nico muss ich beispielsweise verhältnismäßig wenige Ansagen machen, da er recht nah an mir dran ist und mich dann noch einigermaßen gut erkennt.
DBS: Wie bist du Guide geworden?
Wunderle: Vor fünf, sechs Jahren habe ich mit Marco Maier am Olympiastützpunkt in Freiburg zusammen gewohnt. Der hat mir dann als Para Biathlet von seinem Sport berichtet und erzählt, dass dort zurzeit Guides gesucht werden. Ich war nach einem schlechten Jahr in meiner Karriere gerade an einem Scheideweg und hab mich entschieden, mir mal anzugucken, wie es ist, Guide zu sein. Mit Nico hat es dann auf Anhieb gut funktioniert, wir verstehen uns wirklich gut.
DBS: Wie siehst du deine Erfahrungen als Guide im Vergleich zum olympischen Sport, den du vorher gemacht hast?
Wunderle: Es ist schon ziemlich anders. Schön ist für mich, dass jetzt im Team weniger Wettkampfstress auf mir liegt. Das war vorher oft mental anstrengend. Natürlich muss ich auch jetzt Leistung bringen, aber der Druck ist nicht ganz so groß. Darüber hinaus freut es mich auch, an Orte in der Welt zu kommen, die ich ohne den Para Sport nicht gesehen hätte. Vorher war ich hauptsächlich in Deutschland, Österreich oder der Schweiz unterwegs, inzwischen durfte ich auch China oder die USA kennenlernen.
DBS: Was waren dabei Highlights in eurer Karriere?
Wunderle: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die WM in Östersund 2023, bei der wir in fast jedem Rennen eine Medaille gewonnen und mit der Staffel Gold geholt haben. Und der Weltcup in Soldier Hollow in den USA hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, auch weil wir danach noch einen kleinen Trip nach Las Vegas unternommen haben.
DBS: Und was sind eure Ziele für die nächste Zeit?
Wunderle: Erstmal jetzt im Winter gut trainieren und krankheitsfrei durchkommen. Danach stehen natürlich die Paralympics in Mailand und Cortina an. Da wollen wir gute Leistungen zeigen und dann wird man sehen, ob es für eine Medaille reicht oder nicht. Das Potenzial ist da, aber wir wollen vor allem gut laufen und alles geben. Dann können wir zufrieden sein.
